Krause und Pachernegg
Verlag für Medizin und Wirtschaft
Mobile Version
A-  |   A  |   A+
 
Therapiehinweise
Allgemeines
Nach schweren Intoxikationen kann der Patient durch sofort oder im Verlauf der Vergiftung eintretende Beeinträchtigung der Vitalfunktionen oder sekundäre Komplikationen gefährdet werden. Das Ziel der Akuttherapie muss daher die Wiederherstellung und Aufrechterhaltung der Vitalfunktionen und die Verminderung der toxischen Wirkung sein. Die primären Maßnahmen entsprechen somit den allgemeinen Gesichtspunkten der Notfallmedizin. Die ersten vergiftungsspezifischen Therapieschritte sind größtenteils vom Aufnahmeweg der Noxe abhängig.

Hinweise
Selbstschutz des Helfers bei Mund-zu-Mund-Beatmung beachten! Beatmungshilfe bei Vergiftungen durch Organophosphate, Korrosiva, Cyanide, chlo­rierte Kohlenwasserstoffe, Methanol etc. benutzen!

Ingestion
  • Aktivkohle oder spezifische orale Antidota je nach Indikation
  • Bei Vergiftungen mit extrem toxischen Substanzen, die nicht an Aktivkohle binden und ca. innerhalb einer Stunde nach oraler Einnahme - Magenspülung


  • Hautkontamination
    • kontaminierte Bekleidung entfernen
    • gründlich mit reichlich Wasser spülen
    • lipophile Substanzen mit Waschlösung oder Polyethylenglykol entfernen
    • Verwendung von Schutzhandschuhen

    Augenkontamination
    • gründliche Spülung mit reichlich lauwarmem Wasser
    • augenärztliche Kontrolle bei persistierender Symptomatik

    Inhalation
    • Entfernung aus Giftatmosphäre (Selbstschutz)
    • Corticoid-Aerosol bei Gefahr eines toxischen Lungenödems mit Latenz
    • kontaminierte Bekleidung entfernen
    • Applikation von 100%igem Sauerstoff, bei Bedarf künstliche Beatmung

    Spezifische Antidota mit dringlicher Indikation
    Die angeführten Antidota müssen bei ausgeprägter Symptomatik im Rahmen der Sofortmaßnahmen verabreicht werden. Wird das Antidot oral appliziert, entfällt die obligate Aktivkohlegabe.

    Antidot Noxe
    Atropin Organophosphate, Carbamate, Cholinergika
    Calcium Flusssäure, Fluoride, Calciumantagonisten
    Corticoid-Aerosol Reizgasexposition und Gefahr eines toxischen Lungenödems mit Latenz
    Diazepam Chloroquin
    4-DMAP + Natriumthiosulfat Hydroxocobalamin 1) Cyanide
    Ethanol / Fomepizol 2) Methanol, Ethylenglykol, (Diethylenglykol)
    Flumazenil 3) Benzodiazepine
    Methylenblau / Toluidinblau Methämoglobinbildner (Anilin, Nitrite, 4-DMAP)
    N-Acetyl-Cystein Paracetamol (chlorierte Kohlenwasserstoffe)
    Naloxon 3) Opiate
    Sauerstoff Kohlenmonoxid, -dioxid etc.
    1) Neuere Alternative zur konventionellen Antidotbehandlung mit DMAP
    2) Methylpyrazol: Wirkung analog dem Ethanol (Substrat der Alkoholdehydrogenase)
    3) für extreme Notfallsituationen ohne unmittelbar verfügbare Beatmungs- bzw. intensivmedizinische Behandlungsmöglichkeiten
     
    copyright © 2003–2017 Krause & Pachernegg GmbH | Sitemap | Impressum
     
    Werbung