Krause und Pachernegg
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Baldrianwurzel
Baldrianwurzel

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Wirkungen:
beruhigend
spasmolytisch

Indikationen:
Einschlafstörungen
Nervöse Befindlichkeitsstörungen

Inhaltsstoffe:
Iridoide
Lignane
Sesquiterpene
Ätherisches Öl

Lateinische Bezeichnung(en):
Valeriana officinalis L. s.l.

Stammpflanze:
Valeriana officinalis L. s.l. (Valerianaceae)

Inhaltsstoffe:
Ätherisches Öl: 0,3-0,7 %, bestehend aus Monoterpenen (z. B. Borneol und Bornylester, Camphen, Campher, 1,8-Cineol, p-Cymen, Myrcen) und Sesquiterpenen (z. B. L-Bisabolol, Valeranon, Valerenal, Valerenol und Valerenolester).
Sesquiterpensäuren (schwer flüchtig): Acetoxyvalerensäure und Valerensäure (0,08-0,3 %) sowie Hydroxyvalerensäure. Der charakteristische Geruch stammt von Isovaleriansäure, die auch als Zersetzungsprodukt der Valepotriate entsteht.
Valepotriate: labile Verbindungen, als Hauptabbauprodukte entstehen geringe Mengen Baldrinale, aber auch undefinierte Polymerisate. Schonend getrocknete Droge enthält 0,5-2 % Valepotriate mit Valtrat als Hauptkomponente (50-80 %). Wurzeln von V. edulis und V. jatamansii enthalten 4-5 % Valepotriate, weshalb diese Drogen zur Gewinnung der Valepotriate herangezogen werden.
Weitere Inhaltsstoffe: Mono- und Diepoxylignane, geringe Mengen Alkaloide, Phenolcarbonsäuren, Aminosäuren, kurzkettige Carbonsäuren, freie Fettsäuren, Kohlenhydrate u. a.

Verwendeter Pflanzenteil:
Wurzeln, Wurzelstock und Ausläufer (Valerianae radix)

Offizinell:
Valerianae radix: ganze Droge mind. 0,5 % ätherisches Öl, geschnittene Droge mind. 0,3 % ätherisches Öl.
Tinctura Valerianae
Tinctura Valerianae aetherea
Species sedativae: je 10 Teile Melissenblatt, Pfefferminzblatt, Orangenblüte und Bitterorangenschale sowie 60 Teile Baldrianwurzel.
Zur Gewinnung von Drogen oder Substanzgemischen werden auch andere Valeriana-Arten verwendet: Valeriana edulis s.l. (Radix Valerianae mexicanae, Valepotriate), Valeriana fauriei (Radix Valerianae japonicae, Valerianae aetheroleum), Valeriana jatamansii (= V. wallichii, Radix Valerianae indicae, Valepotriate).

Therapeutisch relevante Wirkungen:
Die Wirkung von Drogenauszügen ist nach dem momentanen Wissensstand nicht mit Wirkungen einzelner Inhaltsstoffe erklärbar, die Wirksamkeit ergibt sich durch das Zusammenspiel der einzelnen Wirkstoffgruppen.
Zentral dämpfende Wirkung: Baldrianextrakte reduzieren dosisabhängig die neuronale Aktivität im Gehirn, die Inhalation des ätherischen Öls reduziert die motorische Aktivität von Versuchstieren. Für diese Effekte sind Interaktionen der Baldrianinhaltsstoffe mit dem GABA-Stoffwechsel verantwortlich. Klinisch signifikant werden die Wirkungen erst nach 2-4 Wochen Behandlung, die fehlende Sofortwirkung reduziert das Risiko einer Abhängigkeit. Sowohl Monopräparate mit Baldrianextrakt als auch Kombinationen mit Extrakten aus Hopfenzapfen, Melissenblatt oder Passionsblumenkraut zeigen gute Wirksamkeit bei leichten bis mittelschweren Einschlaf- wie auch Durchschlafstörungen.
Thymoleptische und tranquilisierende Wirkungen: Valepotriate wirken in Abhängigkeit von der Molekülstruktur tranquilisierend (eine Doppelbindung im Molekül) oder thymoleptisch (zwei Doppelbindungen). Im Tierversuch konnte neben einer Verbesserung der Koordinationsfähigkeit eine Verminderung von Unruhe, Angst und Aggressivität ohne Beeinträchtigung der Reaktivität festgestellt werden.

Unerwünschte Wirkungen:
Keine bekannt. Unter Therapie mit einem Hopfen-Baldrian-Kombinationspräparat konnte keine Beeinträchtigung bei Aufmerksamkeits- und Reaktionstests festgestellt werden.
Unbestritten ist, daß die Valepotriate aufgrund ihrer Epoxidstruktur alkylierende Eigenschaften aufweisen. Eine kanzerogene Potenz ist aber bei peroraler Anwendung kaum zu erwarten. Da sich Valepotriate in flüssigen Medien rasch abbauen, wird auch angeraten, ein bis zwei Monate alte Baldriantinkturen valepotriatreichen Präparaten vorzuziehen.

Indikationen:
Wissenschaftlich belegt:
Baldrianwurzel und Extrakte: Unruhezustände, nervös bedingte Einschlafstörungen.
Valepotriate: "Tagessedativum".
Erfahrungsmedizin:
Neurovegetative Störungen, "nervöser" Magen, als Spasmolytikum.

Empfohlene Dosierung:
Innerlich: mittlere Tagesdosis: Droge 6-9 g; Extrakt: nach Ergebnissen klinischer Studien 500-600 mg lipophiler Extrakt; Valepotriate: 150-200 mg Valepotriatgemisch. Die in der Literatur empfohlene Dosierung der Tinktur (Baldriantropfen) von 1,5-3 g erscheint deutlich zu niedrig, da in der Tinktur die Inhaltsstoffe der Ausgangsdroge im Verhältnis von ca. 1 : 5 verdünnt vorliegen.
Äußerlich: 100 g Droge für 1 Vollbad.
Berechnungsgrundlagen: 7,5 g Droge, 600 mg Extrakt, 150 mg Valepotriate.

 
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