Krause und Pachernegg
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Johanniskraut
Johanniskraut

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Wirkungen:
antidepressiv
antiphlogistisch
wundheilungs-fördernd

Indikationen:
Depression
Verletzungs- und Unfallfolgen

Inhaltsstoffe:
Flavonoide
Naphthodianthrone
oligomere Procyanidine
Phloroglucinderivate

Lateinische Bezeichnung(en):
Hypericum perforatum L.

Stammpflanze:
Hypericum perforatum L. (Hypericaceae)

Inhaltsstoffe:
Naphthodianthrone: Rote Farbstoffe, ca. 0,1 %, hauptsächlich Hypericin und Pseudohypericin und in geringen Mengen deren Biosynthesevorstufen Protohypericin und Protopseudohypericin, wobei der Gehalt an Naphthodianthronen in den Blüten und Knospen am höchsten ist.
Phloroglucine: hauptsächlich Hyperforin (2-4 %, höchster Gehalt mit 4,5 % in reifen Früchten), ein den Hopfenbitterstoffen strukturell verwandtes tetraprenyliertes Phloroglucinderivat; weiters Adhyperforin u. a.
Flavon- und Flavonolderivate: 2-4 % im Kraut, hauptsächlich Quercetinglykoside mit Hyperosid, Quercitrin, Rutosid und Isoquercitrin; in den Blüten Biflavone (ca. 0,5 %, z. B. Amentoflavon).
Xanthone: im getrockneten Kraut geringe Mengen von 1,3,6,7-Tetrahydroxyxanthon; die Sproßachsen sind xanthonfrei.
Weitere Inhaltsstoffe: ätherisches Öl (0,1-1 %), Procyanidine und Gerbstoffe (Gehalt während der Blütezeit 6,5-15 %), Wachse, Alkane, Alkanole und verzweigtkettige Alkane; Pflanzensäuren (Kaffee- und Chlorogensäure), Ascorbinsäure, Carotin, Cholin und Spuren von Alkaloiden.

Verwendeter Pflanzenteil:
Blühende oberirdische Teile (Hyperici herba).

Zubereitung:
Johanniskrautöl (Oleum Hyperici: Ansatz von frischen Johanniskrautblüten in Olivenöl 25 :100).

Offizinell:
Hyperici herba: mind. 0,08% Gesamthypericine.

Therapeutisch relevante Wirkungen:
Antidepressive Wirkung: Hypericumextrakte hemmen in therapeutischen Konzentrationen die Wiederaufnahme der Neurotransmitter Noradrenalin, Serotonin, Dopamin, GABA und L-Glutamat. Das Überangebot an Transmittersubstanzen versucht der Organismus durch eine Verringerung der Rezeptordichte und Änderung der Funktionalität der Rezeptoren in ähnlicher Weise auszugleichen, wie dies klassische trizyklische Antidepressiva bewirken. Allerdings führen Johanniskrautextrakte, im Gegensatz zu synthetischen Produkten, zu einer Up-Regulation der Serotoninrezeptoren. Während für diese Wirkungen Hyperforin verantwortlich ist, greifen die Hypericine am dopaminergen System an, allerdings nur im Extrakt in Gegenwart von Procyanidinen, die als Lösungsvermittler fungieren. Beide Inhaltsstoffgruppen tragen daher wesentlich zur antidepressiven Wirksamkeit bei. Die ursprüngliche Hypothese einer MAO-Hemmung als dominantem Wirkmechanismus konnte in vivo nicht bestätigt werden.
Die Wirksamkeit von Hypericum extrakten bei leichten bis mittelschweren Depressionen und rezidivierenden depressiven Störungen konnte in zahlreichen klinischen Studien bewiesen werden. Die Wirksamkeit ist vergleichbar mit klassischen trizyklischen und tetrazyklischen Antidepressiva bei allerdings wesentlich besserer Verträglichkeit und Therapiesicherheit.

Weitere Wirkungen:
Antibakterielle Wirkung: Im Agar-Diffusionstest zeigten besonders die Petroläther- und Chloroformextrakte eine bakterizide Wirkung.
Antivirale Wirkung: Viruzide sowie replikationshemmende Eigenschaften gegen Retroviren, insbesondere gegen HIV-Viren, Zytomegalieviren, HSV-Viren und Influenza-Viren wurden nachgewiesen. Für die Wirkung verantwortlich sind die Naphthodianthrone, wobei sich Hypericin stärker wirksam als Pseudohypericin erwies. Die für diese Wirkungen notwendigen Konzentrationen werden allerdings mit den üblichen therapeutischen Dosen nicht erreicht.

Unerwünschte Wirkungen:
Genotoxische Wirkung: Diese wird auf das Vorkommen von Quercetin zurückgeführt. Allerdings ist der Gehalt an Quercetin im Hypericumextrakt (0,35 mg Quercetin pro Gramm Extrakt) so gering, daß selbst bei täglicher Aufnahme von Quercetin im Rahmen der Therapie die Tagesdosis nur bei 1 mg Quercetin liegt. Diese Menge dürfte durch die tägliche Zufuhr von Quercetin mit der Nahrung um ein Vielfaches überschritten werden. Die Applikation einer 70- bis 200fachen Extraktmenge der therapeutischen Dosis ergab an Versuchstieren keine Hinweise auf ein mutagenes Potential.
Photosensibilisierungen: wurden nach nahrungsbedingter Aufnahme von frischem oder getrocknetem Johanniskraut bei Weidetieren beobachtet. Die Sensibilisierung geht eindeutig auf die im Johanniskraut enthaltenen Hypericine zurück, die nach Anregung durch Licht zur Bildung von Peroxid-Radikalen beitragen.
Es konnten zwar Photosensibilisierungen unter der therapeutischen Anwendung von Johanniskrautpräparaten bisher noch in keinem Fall mit Sicherheit nachgewiesen werden (Hautrötungen traten erst beim 30fachen der therapeutischen Dosis auf), Höhensonne oder Solarium während einer Therapie sollten aber besonders von hellhäutigen Personen vermieden werden.

Wechselwirkungen:
Hypericum präparate können die Plasmakonzentrationen von Indavir, Ciclosporin absenken und die Wirkung von Warfarin abschwächen. Alle Interaktionen dürften auf einer Induktion des Cytochrom-P450-Systems beruhen.
Möglicherweise könnten auch andere Substanzen in ihrer Wirksamkeit beeinträchtigt werden (z. B. orale Kontrazeptiva, herzwirksame Glykoside, Theophyllin u. a.).

Indikationen:
Wissenschaftlich belegt:
Innerlich:
Trockenextrakt: psychovegetative Störungen, depressive Verstimmungszustände, leichte bis mittelschwere Depressionen, Angst und/oder nervöse Unruhe.
Ölige Zubereitung: dyspeptische Beschwerden
Äußerlich:
Ölige Zubereitung zur Behandlung und Nachbehandlung von scharfen und stumpfen Verletzungen, Myalgien und Verbrennungen ersten Grades.

Empfohlene Dosierung:
Aufguß: mittlere Tagesdosis: 2-4 g Droge.
Extrakte: Die Einnahme von 900 mg Extrakt (Droge-Extrakt-Verhältnis 4 : 1 bis 7 : 1) über 4-6 Wochen erwies sich in klinischen Studien als wirksam. Bei leichteren depressiven Verstimmungen sind 300-600 mg Trockenextrakt pro Tag ausreichend. Da Hypericin an der Wirksamkeit mitbeteiligt ist, sind einige Präparate auf einen bestimmten Gesamthypericingehalt standardisiert. Laut Literatur wird eine Tagesdosis von 0,2-1,0 mg empfohlen. Die Bewertung der Dosierung eines Präparates fällt meist sehr unterschiedlich aus, je nachdem, ob als Grundlage die Extraktmenge oder der Hypericingehalt herangezogen wird.
Berechnungsgrundlage: 3 g Droge, 900 mg Extrakt, 0,6 mg Hypericin.

 
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