Krause und Pachernegg
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Melissenblatt
Melissenblatt

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Wirkungen:
beruhigend
blähungstreibend, karminativ
spasmolytisch
virustatisch

Indikationen:
Dyspeptische Beschwerden, Verdauungsstörungen
Einschlafstörungen
Herpes simplex
Nervöse Befindlichkeitsstörungen

Inhaltsstoffe:
Gerbstoffe
Phenol-carbonsäuren
Ätherisches Öl

Lateinische Bezeichnung(en):
Melissa officinalis L.

Stammpflanze:
Melissa officinalis L. (Lamiaceae)

Inhaltsstoffe:
Inhaltsstoffe der Droge:
Ätherisches Öl: 0,02-0,8 %. Geruchsträger des Öls sind die Monoterpenaldehyde Geranial (Citral A), Neral (Citral B) und Citronellal. Zusammen bilden diese Aldehyde mit 40-75 % den Hauptanteil des Öls. Echtes Melissenöl enthält beta-Caryophyllen und Caryophyllenepoxid; das Fehlen dieser Substanzen weist auf Verfälschungen hin.
Phenolcarbonsäuren (sogenannte Lamiaceengerbstoffe): 3-5 %. Hydroxyzimtsäurederivate, vorwiegend Rosmarinsäure.
Weitere Inhaltsstoffe: Flavone und Flavonole, Triterpensäuren, Bitterstoffe, Mineralstoffe.

Verwendeter Pflanzenteil:
Laubblätter (Melissae folium).

Offizinell:
Melissae folium: mindestens 4,0 % Hydroxyzimtsäurederivate.
Species sedativae: je 10 Teile Melissenblatt, Pfefferminzblatt, Orangenblüte und Bitterorangenschale sowie 60 Teile Baldrianwurzel.
Aufgrund des geringen Gehaltes der Droge an ätherischem Öl ist dieses sehr teuer. Deshalb werden anstelle von Melissenöl ätherische Öle mit ähnlicher Zusammensetzung (wie z. B. Citronellöl, Lemongrasöl) verwendet.

Citronellöl (Synonym: Aetheroleum Citronellae, Oleum Citronellae, Oleum Melissae indicum) stammt von Cymbopogon winterianus und darf in Österreich anstelle von ätherischem Melissenöl abgegeben werden. Lemongrasöl (Synonym: Zitronengrasöl, Oleum Andropogonis citrati) stammt von Cymbopogon citratus.

Therapeutisch relevante Wirkungen:
Sedative Wirkung: Die motorische Aktivität von Mäusen ist nach Inhalation bzw. peroraler Gabe von Melissenöl herabgesetzt. Bei der Überprüfung der sedativen Effekte einzelner Bestandteile des Öls zeigte sich Citronellal wirksamer als das Gesamtöl. In Kombination mit anderen sedativ wirkenden Arzneidrogen (z. B. Baldrianwurzel, Hopfenzapfen) zeigen Melissenblätter gute Wirksamkeit bei leichten bis mittelschweren Einschlaf- wie auch Durchschlafstörungen.
Spasmolytische Wirkung: Melissenöl wirkt in vitro am Tracheapräparat des Meerschweinchens antagonistisch gegen die mit Carbachol ausgelöste Tonuserhöhung.
Antivirale Wirkung: Wäßriges Melissenextrakt zeigte dosisabhängig antivirale Effekte gegenüber Newcastle-, Herpes-simplex-, Vaccinia- und Semliki-Forest-Virus. Gute Wirkung zeigte das Melissenextrakt, wenn es zwei bis drei Stunden vor der Virusinfektion injiziert wurde. Das Melissenextrakt hemmte dosisabhängig auch die Vermehrung der Viren. Auch unter klinischen Bedingungen bewährte sich Melissenextrakt: Patienten, die unter mehreren Herpes-labialis-Episoden jährlich leiden, applizierten 4 x täglich über 5 Tage eine 1 %ige Salbe eines Melissenextraktes (70:1). Bereits am zweiten Behandlungstag verbesserten sich die Symptome im Vergleich zur Placebogruppe signifikant, die Ausbreitung der Fieberblase konnte reduziert werden, die Schmerzen waren geringer und die Abheilung erfolgte rascher. Die Effektivität ist um so größer, je frühzeitiger mit der Behandlung begonnen wird. Für diese antiviralen Effekte ist die Polyphenolfraktion (Rosmarinsäure, Chlorogen- und Kaffeesäure) verantwortlich.

Weitere Wirkungen:
Choleretische Wirkung: Die i.v. Gabe eines etwa 5 g Droge entsprechenden Dekokts aus frischen Blättern erhöhte beim Versuchstier das innerhalb von 30 min produzierte Volumen an Gallenflüssigkeit um das 3fache. Diese Wirkung beruht auf dem Gehalt an Phenolcarbonsäuren.
Antiphlogistische und schwach adstringierende Wirkung: Melissengerbstoffe.

Unerwünschte Wirkungen:
Keine bekannt. Das Sensibilisierungspotential eines Melissenextraktes wird als äußerst schwach eingestuft.
Empfohlene Einzeldosis von 0,05-0,2 ml ätherischem Öl nicht überschreiten, da in Tierversuchen bei hoher Dosierung (Citral 0,005 mg/kg) Endothelschäden beobachtet wurden.

Indikationen:
Wissenschaftlich belegt:
Nervös bedingte Einschlafstörungen, funktionelle Magen-Darm-Beschwerden; bei Herpes simplex.
Erfahrungsmedizin:
Als Badanwendung zur Beruhigung und Entspannung. Melissengeist als Einreibung bei Nervenschmerzen, Muskelkater und Hexenschuß.
Empfohlene Dosierungen
Innerlich: mittlere Tagesdosis 1,5-4,5 g Droge mehrmals täglich.
Äußerlich: Extrakte, in einer hydrophilen Salbengrundlage verarbeitet, lokal zur Behandlung von Herpes labialis.
Ätherisches Melissenöl: Einzeldosis 0,05-0,2 ml.
Berechnungsgrundlage: 9 g Droge.

 
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