Krause und Pachernegg
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Glossar
Abkochung: siehe Decoct

Alkaloide: Schwach basische Naturstoffe, die Stickstoff (meist zyklisch gebunden) enthalten und eine deutliche Wirkung auf das Nervensystem ausüben.

Anthocyane: Rote, blaue, glykosidische Farbstoffe; die Aglyka (Anthocyanidine) sind Flavanderivate.

Anthraderivate: 1,8-Dihydroxyanthracenderivate in verschiedenen Oxidationsstufen (Anthron/Anthranol, Anthrachinon), meist in glykosidischer Bindung, mit laxierenden Eigenschaften. Die übergeordnete Bezeichnung dieser Stoffgruppe ist sehr unterschiedlich (Anthraderivate, Anthracenderivate, Hydroxyanthracenderivate usw.), sie sind aber als Synonym zu werten. Beim Vergleich von prozentuellen Angaben muß allerdings die Bezugssubstanz berücksichtigt werden.

Arzneidroge: Getrocknete Pflanze, getrockneter Pflanzenteil oder einfache Zubereitung.

Ätherische Öle: Leicht flüchtige, stark riechende, ölartige Stoffgemische. Sie liegen meist in besonderen Exkretbehältern (Drüsenhaare, Drüsenzellen, ...) in der Pflanze vor.

Aufguß: siehe Infus

Azulene: Blau gefärbte bizyklische Sesquiterpenverbindungen, die aus farblosen Vorstufen (Proazulene) z. B. bei der Wasserdampfdestillation entstehen.

Betain: Trimethylglycin

Bitterstoffe: Stickstofffreie, sauerstoffreiche Substanzen, die in hoher Verdünnung bitter schmecken und dadurch reflektorisch die Speichel-, Magensaft- und Gallensekretion anregen. Andere physiologische Wirkungen treten erst bei höheren Dosierungen auf (im Gegensatz zu Herzwirksamen Glykosiden oder Alkaloiden, die ebenfalls bitter schmecken, aber ausgeprägte andere Wirkungen schon in geringen Mengen zeigen).

Bitterwert: Reziproker Wert jener Verdünnung, in der 1 g Droge (in Form eines wäßrigen Auszugs) oder 1 g oder 1 ml einer Zubereitung gerade schon als deutlich bitter empfunden werden.

Bufadienolide: siehe Herzwirksame Glykoside

Cardenolide: siehe Herzwirksame Glykoside

Carotinoide: Rot-gelb gefärbte fettlösliche Tetraterpenverbindungen.

Catechingerbstoffe: siehe Gerbstoffe

Cumarine: Verbindungen, die sich vom Hydroxyzimtsäurelakton (= Cumarin) ableiten.

Decoct: Droge mit kochendem Wasser übergießen und kurze Zeit weiter erhitzen.

Extrakt: Die zur Trockene gebrachten Extraktivstoffe meist wäßrig-alkoholischer Drogenauszüge. Aufkonzentrierung der Inhaltsstoffe ca. um das 5fache.

Fette: Ester höherer Fettsäuren mit Glycerin (Triglyceride).

Fettsäuren: Aliphatische Monocarbonsäuren mit meist geradzahliger Anzahl von C-Atomen.

Flavonoide: Grundkörper Flavan (2-Phenylchroman), Unterschiede im Substitutionsgrad und im Oxidationsgrad (Flavanon, Flavanonol, Flavon, Flavonol). Flavonoide kommen frei oder glykosidisch gebunden weit verbreitet im Pflanzenreich vor.

Fluidextrakt: Wäßrig-alkoholischer Drogenauszug, Extraktionsverfahren so gewählt, daß Inhaltsstoffkonzentration im Fluidextrakt gleich jener der Droge.

Furanocumarine: Cumarinderivate mit ankondensiertem Furanring. Oft photosensibilisierende Eigenschaften.

Gallotannine: siehe Gerbstoffe.

Gerbstoffe: Stoffe, die tierische Haut zu Leder umwandeln. Sie wirken eiweißfällend und "schmecken" adstringierend. 2 Hauptgruppen: a) Gallotannine: hydrolysierbare Gerbstoffe, mit Eisen(III)-chlorid Blaufärbung, Ester der Gallussäure mit Zuckern; b) Catechin­gerbstoffe: kondensierte Gerbstoffe, mit Eisen(III)-chlorid Grünfärbung, Grundkörper Catechin (Hydroxyflavanol), durch Kondensation Entstehung von Proanthocyanidinen (Oligomere sind wasserlöslich und haben Gerbstoffcharakter).

Glykoside: Naturstoffe bestehend aus einem Nichtzuckeranteil (Aglykon, Genin) und Zuckermolekülen.

Hämolyse: Auflösung von Erythrozyten und Austritt von Hämoglobin in die Untersuchungslösung.

Hämolytischer Index: Reziproker Wert jener Verdünnung, in der 1 g Droge oder 1 g oder 1 ml einer Zubereitung gerade noch totale Hämolyse hervorruft. Harze: Nichtflüchtige, lipophile Stoffgemische vorwiegend aus Terpenen oder Phenylpropankörpern.

Herzwirksame Glykoside: Steroidglykoside (Derivate des Cyclopentano-perhydro­phen­anthrens) mit fünfgliedrigem Laktonring (Cardenolide) oder sechsgliedrigem Laktonring (Bufadienolide) und ausgeprägter Wirkung

Infus: Droge mit kochendem Wasser übergießen und bedeckt 5 bis 10 Minuten ziehen lassen.

Iridoide: Stoffe mit Cyclopentapyran-Ringsystem.

Kaltauszug: siehe Mazerat

Lamiaceengerbstoffe: Derivate der Rosmarinsäure mit Gerbstoffcharakter (siehe Gerbstoffe).

Lektine: Pflanzliche Proteine mit spezifischer Bindungsfähigkeit gegenüber Zuckerresten von Glykoproteinen oder Glykolipiden speziell von Zelloberflächen.

Lignane: Verbindungen, die aus zwei Phenylpropanuntereinheiten bestehen.

Mazerat: Kaltauszug: Droge mit Wasser bei Zimmertemperatur ansetzen, mehrere Stunden unter wiederholtem Umrühren stehenlassen, abseihen. Speziell für schleimhaltige Drogen.

Naphthochinone: Derivate des Naphthalins (1,4-Chinonstruktur).

Offizinell: Auflistung jener Monographien des Österreichischen Arzneibuchs (ÖAB) und Europäischen Arzneibuchs (Ph. Eur.), die mit der Droge in Zusammenhang stehen. Angabe von Qualitätsanforderungen der Arzneibücher. Nomenklatur: ÖAB: zuerst Pflanzenteil, dann Teil des Pflanzennamens (z. B. Folium Malvae); Ph. Eur.: zuerst Teil des Pflanzennamens, dann verwendeter Pflanzenteil (z. B. Liquiritiae radix).

Pflanzenteile:
   Folium: gesamtes Laubblatt oder Teile (z. B. Fiederblatt)
   Flos: Einzelblüte, Blütenstand (z. B. Korbblütler),
          Teile von Blüten (z. B. nur Kronblätter)
   Herba: blühende oberirdische Teile
   Fructus: ganze Frucht, Teil einer Frucht, Scheinfrucht
   Semen: Same oder Samenteil
   Radix: unterirdische Teile (Wurzeln, Rhizome [= Wurzelstock], Ausläufer)
   Bulbus: Zwiebel
   Lignum: Holz
   Cortex: Stamm- oder Wurzelrinde

Polyine: Aliphatische Verbindungen mit einer oder mehreren C-C-Dreifachbindungen (Acetylenteilstruktur).

Polysaccharide: Polymere aus Zuckern (oft unter Einbau von Zuckersäuren). Die Art der Zuckerverknüpfung entscheidet über die Eigenschaften des Polysaccharides (z. B. Stärke, Zellulose, Schleime, Pektine, Inulin, Chitin ...).

Quellungszahl, Quellungsfaktor: Jenes Volumen im ml, das 1 g Droge nach dem Quellen in Wasser bei Zimmertemperatur samt dem anhaftenden Schleim einnimmt.

Saponine: Glykoside aus terpenoidem, tetra- bis hexacyklischem Aglykon und ubiquitären Zuckern in ein oder mehreren Seitenketten. Saponine sind selbst hämolytisch wirksam oder lassen sich in hämolytisch aktive Substanzen überführen und bilden mit Wasser stabile Schäume.

Schleime: Pflanzenschleime sind Polysaccharide, die Wasser binden und dadurch stark quellen können oder mit Wasser viskose Lösungen ergeben.

Terpene: Biosynthetisch aus "aktivem Isopren" aufgebaute aliphatische oder zyklische Verbindungen mit 10 C-Atomen (Monoterpene), 15 C-Atomen (Sesquiterpene), 20 C-Atomen (Diterpene), 30 C-Atomen (Triterpene) oder 40 C-Atomen (Tetraterpene).

Tinktur: Meist wäßrig-alkoholischer Drogenauszug, Verdünnung der Inhaltsstoffe ca. auf das 5fache.
 
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