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Praxisrelevanz
Stoschitzky K
Ist das Kreuzprodukt aus systolischem Blutdruck und Herzfrequenz der beste Prädiktor für Morbidität und Mortalität?

Journal für Hypertonie - Austrian Journal of Hypertension 2011; 15 (4): 22-27

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Nicht nur die Höhe des Blutdrucks, sondern auch die der Herzfrequenz korreliert in vielen Studien mit Morbidität und Mortalität. Es gilt daher, beide im (eher niedrigen) Normbereich zu halten. Dabei fällt auf, dass bis heute zwar klare Normbereiche für den Blutdruck, nicht jedoch für die Herzfrequenz definiert wurden: Offiziell gelten zwar 50– 100/Min. als „normokard“, in Ruhe sollten jedoch möglichst 50–70/Min. angestrebt werden, sofern nicht andere Erkrankungen konkret dagegen sprechen. Es ist andererseits auch darauf zu achten, welche weiteren Erkrankungen beim Patienten vorliegen und dabei auch auf mögliche KHK, Herzinsuffizienz, bradykarde und tachykarde Rhythmusstörungen (vor allem Vorhofflimmern, AV-Blocks, Extrasystolie, supraventrikuläre und ventrikuläre Tachykardien) zu achten. Bei der Gabe von Antihypertensiva ist jedoch vor allem auch darauf zu achten, dass verschiedene Gruppen völlig verschiedene Wirkungen auf die Herzfrequenz haben, wobei einerseits vor allem Betablocker (bei Vorhofflimmern auch Kalziumantagonisten der Verapamil- Gruppe) die Herzfrequenz senken und andererseits vor allem Alphablocker und Kalziumantagonisten der Nifedipin- Gruppe die Herzfrequenz deutlich erhöhen können. Es ist daher bei der Therapie jedes (!) Patienten nicht nur der Blutdruck, sondern auch die Herzfrequenz zu beachten! Bei der Messung dieser Werte ist wichtig, dass sie in Ruhe durchgeführt wird, weil vor allem bei Messungen in der Ordination bzw. im Krankenhaus bekannt ist, dass Aufregung aller Art sowohl Blutdruck als auch Herzfrequenz erhöhen kann. Für die Überprüfung einer guten Einstellung von Blutdruck und (!) Herzfrequenz eignet sich daher vor allem die Selbstmessung sowie auch die 24-Stunden- Messung des Blutdrucks, da von den Geräten immer auch die Herzfrequenz mitgemessen und dokumentiert wird. Es sollte daher nicht nur auf die Höhe des Blutdrucks, sondern auch auf die der Herzfrequenz ganz ausdrücklich geachtet werden! Das Kreuzprodukt („Doppelprodukt“, „rate pressure product“) aus Herzfrequenz × systolischem Blutdruck fasst die bekannten Risikofaktoren Blutdruck und Herzfrequenz direkt zusammen und korreliert eng mit dem myokardialen Sauerstoffbedarf. Ein „Normbereich“ des Kreuzprodukts wurde jedoch bis heute nicht definiert. Es ist daher vor allem zu beachten, dass die Höhe des Kreuzprodukts wahrscheinlich ein wichtiger Prädiktor für die Höhe des kardiovaskulären Risikos ist, aber nie der „oberste Zielwert“ für die Einstellung eines Patienten sein kann – als solcher bleiben sowohl der Blutdruck als auch die Herzfrequenz aufrecht. Eine gute Einstellung dieser beiden (!) Werte ergibt automatisch auch ein „gut eingestelltes Kreuzprodukt“. Bei der Messung von Blutdruck und Herzfrequenz sollten folgende Obergrenzen konsequent angestrebt werden: Blutdruck bei Messung in Krankenhaus oder Ordination < 140/ 90 mmHg, bei Selbstmessung < 135/85 mmHg, bei 24- Stunden-Messung < 125/80 mmHg. Auf der anderen Seite ist ein Zielbereich für die Herzfrequenz bis heute noch nicht endgültig definiert, dieser sollte (bei Messung der Herzfrequenz in Ruhe!) möglichst im Bereich 50–70/Min. liegen.
 
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