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Praxisrelevanz
Schienle S et al.
Parodontitis und ihre Bedeutung für Fertilität und Frühgeburten // Infectious Periodontitis and its Importance for Fertility, Miscarriages and Premature Births

Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie - Journal of Reproductive Medicine and Endocrinology 2017; 14 (1): 14-18

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Die Auswirkungen einer unbehandelten Erkrankung des Zahnhalteapparats auf den Gesamtorganismus sind mannigfaltig und noch nicht vollständig erforscht. So werden Frühgeburten, Entwicklungsstörungen des Fetus, ein niedriges Geburtsgewicht, eine Präeklampsie und eine eingeschränkte Fertilität beider Geschlechter diskutiert. Angesichts dieser möglichen umfassenden und schwerwiegenden Assoziationen zwischen parodontalen Erkrankungen und deren Auswirkungen auf den Gesamtorganismus ist eine frühe Intervention besonders wichtig. So sollten im besten Falle bei bestehendem Kinderwunsch alle möglichen Foci, sowohl dentaler als auch parodontaler Ätiologie, bereits vor der Schwangerschaft behandelt werden. Bei bereits bestehender Schwangerschaft ist eine umfassende Aufklärung der Schwangeren durch den behandelnden Zahnarzt, aber vor allem durch den Gynäkologen und die betreuende Hebamme sehr wichtig. Im Rahmen der schwangerschaftsbegleitenden Untersuchungen sollte wiederholt auf die Wichtigkeit intensiver Mundhygiene hingewiesen, beziehungsweise die Schwangere zur Routineuntersuchung an ihren behandelnden Zahnarzt überwiesen werden.
Ist bei bestehender Indikation eine nicht-chirurgische Parodontalbehandlung nötig, sollte diese wenn möglich im zweiten Trimenon (13.–25. SSW) erfolgen [71]. Bei vorangeschrittenem letzten Trimenon der Schwangerschaft ist eine zahnärztliche Behandlung unter anderem aufgrund der schwierigen Lagerung durch mögliche Kompression der Vena cava (V.-cava-Kompressionssyndrom) äußerst problematisch, weshalb auf nötige Behandlungen bereits vor oder zu Beginn der Schwangerschaft hingewiesen werden sollte. Parodontalchirurgische Eingriffe sollten, wenn möglich, auf den Zeitraum nach der Schwangerschaft verschoben werden. Lediglich bei Auftreten eines pyogenen Granuloms, das bei der Mastikation hinderlich ist und zu Traumata der Gingiva führt, kann eine Exzision erwogen werden.
Liegt ein bislang unerfüllter Kinderwunsch vor, könnte eine unbehandelte Parodontitis mitunter ein möglicher ätiologischer Faktor sein, der zu einer eingeschränkten Fertilität sowohl bei Männern als auch bei Frauen beitragen kann. Auch in diesem Fall ist eine zahnärztliche Untersuchung durch den behandelnden Gynäkologen bzw. Urologen dem Patienten anzuraten, um so einen möglichen Faktor im Ursachenkomplex zu eliminieren [36].
 
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