Krause und Pachernegg
Verlag für Medizin und Wirtschaft
Artikel   Bilder   Volltext

Mobile Version
A-  |   A  |   A+
Werbung
 
Summary
Maurer K, Häfner H  
Die Östrogenhypothese der Schizophrenie - Übersicht und aktueller Stand der Forschung

Journal für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie 2002; 3 (1): 26-34

Volltext (PDF)    Summary   




Keywords: EndokrinologiePsychiatrieSchizophrenieÖstrogen

Ausgehend von der Beobachtung geschlechtsspezifischer Altersverteilungen - sowohl des Alters bei Erstaufnahme als auch beim tatsächlichen Beginn der Schizophrenie - wurde die Östrogenhypothese formuliert, um den späteren Erkrankungsbeginn der Frauen zu erklären. Diese Hypothese postuliert einen protektiven Effekt des Östrogens, welches vor früher Symptomentwicklung durch Erhöhung der Vulnerabilitätsschwelle schützt. In der Mannheimer ABC-Studie (age, begin, course) resultierte für Männer eine unimodale Altersverteilung mit steilem Anstieg und ausgeprägtem Exzeß zwischen 15-24 Jahren, danach eine stetige Reduktion des Erkrankungsrisikos. Im Gegensatz dazu ist die Verteilung der Frauen bimodal, mit flachem Gipfel zwischen 20-29 Jahren und einem zweiten, niedrigeren Gipfel zwischen 45-49 Jahren. Der Östrogeneffekt ist in der Gruppe junger Frauen am stärksten, da hier der Östrogenspiegel am höchsten ist. Ab der Prämenopause, wenn die Östrogensekretion geringer wird, steigt das Erkrankungsrisiko wieder an. In Tierexperimenten konnte für Östradiol ein ähnlicher Wirkmechanismus wie für Neuroleptika nachgewiesen werden sowie eine die Sensitivität von D2-Rezeptoren im Gehirn reduzierende Wirkung. Weitere, jedoch weniger eindeutige Befunde geben Hinweise auf die Gültigkeit der Östrogenhypothese: z. B. Frauen mit Schizophrenie weisen oft extrem niedrige Östrogenspiegel (Hypoöstrogenismus) und einen gestörten Menstruationszyklus auf. Schizophrene Episoden beginnen häufig in der Niedrigöstrogenphase des Menstruationszyklus. In einem umfassenden Modell mehrerer Risiko- und protektiver Faktoren wurde die Schutzwirkung des Östrogens durch die Risikofaktoren familiäre Belastung oder Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen antagonisiert. Eine praktische Konsequenz aus der Östrogenhypothese, die auch als strenger Test ihrer Gültigkeit zu werten ist, stellt der Einsatz von Östrogen zur Behandlung schizophrener Frauen dar. Es wird diskutiert, Östrogen rückfallpräventiv oder neuroleptikaergänzend zur Akutbehandlung einzusetzen.
 
copyright © 2003–2017 Krause & Pachernegg GmbH | Sitemap | Impressum
 
Werbung