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Kuhl H  
Sind Estrogene Karzinogene?

Journal für Menopause 2002; 9 (2) (Ausgabe für Schweiz): 20-29
Journal für Menopause 2002; 9 (2) (Ausgabe für Deutschland): 19-28
Journal für Menopause 2002; 9 (2) (Ausgabe für Österreich): 19-27

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Keywords: GenetikKarzinomMenopauseMutationOnkologieÖstrogen

Obwohl Estrogene in den meisten Standardmutationstests keine genotoxischen Wirkungen zeigten, wurden in vitro ausgelöste Chromosomenaberrationen und die Induktion verschiedener Tumoren in Nagern und anderen Spezies mit hohen Estrogendosen von der IARC als Beweis für einen karzinogenen Effekt der Estrogene interpretiert. Die großen speziesspezifischen Unterschiede bei den endokrinen Regulationsmechanismen lassen eine klinische Relevanz der Ergebnisse dieser Tierversuche als fraglich erscheinen. Beispielsweise lassen sich in Nagern estrogeninduzierte Tumoren durch Antiestrogene oder die Suppression der Prolaktinsekretion verhindern. Darüber hinaus ist eine klinische Relevanz mutagener oder karzinogener Wirkungen der Estrogene angesichts der hohen Belastung des Menschen mit natürlichen Mutagenen und Karzinogenen in der Nahrung zweifelhaft. Es gibt eindeutige Hinweise, daß die Zunahme des relativen Risikos von Karzinomen beim Menschen auf Organe beschränkt ist, die auf Sexualsteroide mit einer rezeptorvermittelten Proliferation reagieren, insbesondere das Brustdrüsenepithel und das Endometrium. Estrogene erhöhen in Abhängigkeit von der Expositionsdauer das Risiko des Mammakarzinoms und ein langfristiger, ungehinderter Estrogeneinfluß das des Endometriumkarzinoms. Trotz der Latenzzeit von 15?20 Jahren geht das erhöhte Brustkrebsrisiko nach Absetzen der Estrogene wieder zurück. Im Gegensatz zur Brust und zum Endometrium wird bei Tumoren anderer Organe, wie z. B. der Leber, Niere, Blase oder des Kolons, keine Zunahme der Krebsinzidenz beobachtet, obwohl sie bei einer oralen Estrogenbehandlung einer hohen Hormonbelastung ausgesetzt sind. Sowohl eine sequentielle als auch eine kontinuierliche Zugabe von Gestagenen reduziert den estrogeninduzierten Anstieg des Endometriumkarzinomrisikos über eine Hemmung der Proliferation. In der Brust gibt es dagegen keinen protektiven Effekt der Gestagene, da sie die estrogenabhängige Proliferation des Epithels nicht inhibieren, sondern verstärken. Die unter einer Estrogenbehandlung zusätzlich diagnostizierten Fälle sind jedoch weniger aggressiv und seltener metastasiert. Die estrogeninduzierte Zunahme des Mamma- und Endometriumkarzinoms ist wahrscheinlich auf die organspezifische Proliferation jener Tumorzellen zurückzuführen, die noch estrogenabhängig sind. Deshalb ist die Förderung der Expansion besser differenzierter Tumorzellen durch Sexualhormone mit einer früheren Diagnose und besseren Prognose verbunden.
 
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