Krause und Pachernegg
Verlag für Medizin und Wirtschaft
Artikel   Bilder   Volltext

Mobile Version
A-  |   A  |   A+
Werbung
 
Summary
Lötsch B  
Darwins rEvolution – Thema der Reproduktionsmedizin? Entdeckung – Menschenbild – Domestikation – Auslese

Journal für Gynäkologische Endokrinologie 2013; 7 (2) (Ausgabe für Österreich): 21-35

Volltext (PDF)    Summary   




Keywords: EugenikEvolution und MenschenbildGefahren der DomestikationPND und PIDVariation und Selektion

Darwins Einfluss auf unser Denken wird mit jenem von Nikolaus Kopernikus, Sigmund Freud oder Konrad Lorenz verglichen. Die Arbeit erschließt den evolutionären Zugang zu Homo sapiens – körperlich wie im Verhalten. Vor allem fand Darwin den Mechanismus, wie Evolution funktionierte und bis heute wirkt. Dabei entsetzte ihn selbst die gleichgültige Grausamkeit der Natur, mit der sie ständig zahllose unschuldige (höchst empfindungsfähige) Jungtiere und Kinder zu Tode bringt – ein Vielfaches derjenigen, die bis zur Fortpflanzung kommen. Wo ist hier der „liebende Gottvater“?, fragte sich der graduierte Theologe angesichts dieses qualvollen Gemetzels. Organismen setzen ihr Erbgut im evolutionären Wettbewerb mit ihrem „Reproduktionserfolg“ durch (nicht bloß Fruchtbarkeit, welche die Tragfähigkeit der Ökosysteme in jedem Fall überfordern würde). Darwin entdeckte „Variation und Selektion“ als die „grausam bewahrenden Faktoren“, welche die Tauglichkeit („fitness“) jeder Art in ihrem Lebensraum gewährleisten – durch Auswahl der Bestangepassten aus der riesigen Überproduktion vielfältiger Nachkommen. Die Erfolgreichen spiegeln in ihren genetischen Eigenschaften die Auslesezwänge wider, durch welche die Art entstand. Verhaustierung und Zivilisation schirmen die Organismen von natürlichen Auslesezwängen ab und führen zum Verlust artspezifischer Körper- und Verhaltensmerkmale. Solche genetischen Ausfälle durch jahrtausendlange Selbstdomestikation des Homo sapiens beschäftigen Genetiker und Ärzte seit Darwin (z. B. seinen Cousin Francis Galton [Eugenics 1885] und den deutschen Mediziner Alfred Ploetz [Rassenhygiene 1895]). Obwohl ursprünglich auf generelle Volksgesundheit zielend und nachweislich ohne rassistische Ideen (eher im Sinne der Menschheit als „the whole human race“), konnte Eugenik dennoch zu inhumanen Praktiken führen, allein wegen der umstrittenen Grenzziehung von „fortpflanzungswürdig oder nicht“, dazu noch kriminell missbraucht durch die Nazis. Nun können PND und PID immerhin zur Verhinderung von schweren Erbkrankheiten beitragen; eine Hoffnung, evolutionären Einsichten zu folgen, ohne Leiden zu erzeugen, in Entwicklungsstadien vor jedem leidensfähigen Bewusstsein.
 
copyright © 2003–2017 Krause & Pachernegg GmbH | Sitemap | Impressum
 
Werbung