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Stein R et al.  
Harnableitung bei Kindern und Jugendlichen mit neurogener Blasenfunktionsstörung: auch langfristig eine sichere Therapieoption?

Journal für Urologie und Urogynäkologie 2002; 9 (3) (Ausgabe für Schweiz): 6-15
Journal für Urologie und Urogynäkologie 2002; 9 (3) (Ausgabe für Österreich): 7-17

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Abb. 1: Mainz-Pouch-Substitution



Keywords: AdoleszenzHarnableitungJugendlicherKindneurogene BlasenfunktionsstörungUrologie

Einleitung: Pharmakotherapie, der saubere Einmalkatheterismus (clean intermittent catheterization = CIC) und die Infektionsprophylaxe sind die drei Säulen der konservativen Therapie bei Patienten mit neurogener Blasenfunktionsstörung. Während der Pubertät werden die Patienten zunehmend unabhängiger vom Elternhaus. Gleichzeitig nimmt jedoch die Compliance der Medikamenteneinnahme und der Durchführung des regelmäßigen CIC ab. Der orthopädische und/oder neurologische Status kann sich ebenfalls verändern. Dies kann letztlich zum Fehlschlagen der konservativen Therapie (Inkontinenz, Restharn, Verschlechterung der Funktion des oberen Harntraktes) führen. In einem multidisziplinären Team wird diese Problematik der Kinder und Jugendlichen unter Berücksichtigung der Wünsche des Patienten als auch der medizinischen Ziele (z. B. Schutz der Nierenfunktion) in unserer Klinik diskutiert. Die Harnableitung wurde hierbei in einigen Fällen als notwendige Kompromißlösung angesehen. In der vorliegenden retrospektiven Studie untersuchten wir, ob die Harnableitung auch langfristig ein sicheres Verfahren darstellt. Material und Methode: Zwischen 1967 und 1997 erfolgte bei 149 Kindern und Heranwachsenden die Anlage einer Harnableitung. 129 Patienten konnten durchschnittlich 11,8 Jahre (0,8-28,5) nachbeobachtet werden. Das durchschnittliche Alter bei der Operation betrug 12,1 Jahre (0,8-20). Ein Colon-Conduit wurde bei 59 Patienten (in der Mehrzahl der Fälle vor der Ära des CIC und der kontinenten Harnableitung) angelegt, eine orthotope Blasensubstitution erfolgte bei 12, eine kontinente kutane Harnableitung bei 58 Patienten (50 % Rollstuhlfahrer). Ergebnisse: Der obere Harntrakt blieb bei 95-97 % der renoureteralen Einheiten (RUE) stabil, bzw. verbesserte sich. Alle Patienten mit einer orthotopen Blasensubstitution sind tagsüber kontinent; eine Patientin benötigt zur Sicherheit zeitweise eine Vorlage während der Nacht. 7 der 12 Patienten führen einen CIC durch. In der Gruppe mit kontinentem Stoma waren 98 % der Patienten beim letzten Follow-up tagsüber und nachts kontinent. Zusammenfassung: Bei Patienten mit neurogener Blasenfunktionsstörung stellt die Harnableitung beim Fehlschlagen der konservativen Therapie einen Kompromiß zwischen den Wünschen des Patienten und dem medizinisch Notwendigen dar. Blasenaugmentation/-substitution und kontinente kutane Harnableitung in der Mainz-Pouch-Technik versprechen eine hohe Kontinenzrate, während der obere Harntrakt langfristig durch eine antirefluxive Harnleiterimplantation geschützt ist.
 
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