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Slany J  
Relevanz von Studien-Blutdruckwerten für die Praxis

Journal für Hypertonie - Austrian Journal of Hypertension 2016; 20 (2): 40-44

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Keywords: ambulatorisches 24-Stunden-BlutdruckmonitoringArztmessungautomatische OfficemessungBlutdruckOfficemessungPraxisrelevanzSelbstmessungStudie

Nicht nur die Befolgung anerkannter Standards der Blutdruckmessung, sondern auch die Dauer der Ruhephase vor Messungen, deren Anzahl und Intervalle, Messung durch Arzt, Medizinpersonal oder Patienten sowie welche und wie viele Werte gemittelt werden, bestimmen erheblich die Höhe des Blutdrucks. Ärzte messen im Vergleich zum Tagesmittel des ambulanten 24-Stunden-Blutdruckmonitorings (ABDM) im Mittel um 15 mmHg, medizinisches Personal im Mittel um 5 bis 9 mmHg höhere systolische Werte. Die Differenzen sind bei tiefen Druckwerten geringer als bei hohen, ebenso nach längerem ruhigen Sitzen; auch im Verlauf von Studien werden die Differenzen zwischen Tages- oder Selbstmesswerten zu den Officemessungen geringer und können unter Umständen völlig verschwinden. Alle angeführten Fakten machen die Umsetzung der Ergebnisse von Studien in die ärztliche Praxis unsicher, insbesondere wenn keine standardisierte Blutdruckmessung erfolgt. Zuletzt wurden in mehreren Studien vollautomatische elektronische Oszillometer verwendet, wobei in der SPRINT-Studie ohne Beisein von medizinischem Personal gemessen wurde. Von kanadischen Leitlinien wird seit vielen Jahren diese Art der Druckmessung in Ordinationen empfohlen und als automatische Office-Blutdruckmessung (AOBD) bezeichnet. Bei Einhaltung einer 5-minütigen Phase mit ruhigem Sitzen und 3- bis 5-maligen automatischen Messungen gleichen die so gewonnen Werte denen der Selbstmessung zu Hause bzw. den Tageswerten im ABDM. Wünschenswert wäre, wenn sich die AOBD mit vollautomatischen Geräten sowohl in Studien als auch in ärztlichen Praxen durchsetzen würde; damit können Weißkitteleffekte und die Neigung zu Auf- oder Abrundungen der Messergebnisse vermieden und Studiendaten 1:1 in die Praxis übernommen werden. Bis dahin richten sich therapeutische Entscheidungen bevorzugt nach den Selbstmessungen der Patienten oder einem automatischen 24-Stunden-Blutdruckmonitoring, auch wenn streng genommen die Evidenz dafür noch fehlt.
 
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