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Porodko M et al.  
Herzinsuffizienz-Therapie in der Praxis: erste Ergebnisse der Faxumfrage "Forum Herzinsuffizienz 2000"

Journal für Kardiologie - Austrian Journal of Cardiology 2000; 7 (4): 160-164

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Keywords: HerzinsuffizienzKardiologieStudie

Im Rahmen der Aktion "Forum Herzinsuffizienz 2000" wurde eine Faxumfrage, mit dem Ziel, die derzeit in Österreich im niedergelassenen Bereich übliche medikamentöse Therapie der chronischen Herzinsuffizienz zu erheben, durchgeführt. Von insgesamt 1100 angeschriebenen niedergelassenen Ärzten für Allgemeinmedizin und Fachärzten für Innere Medizin nahmen 258, das entspricht 23 %, an der Befragung teil. Neben der Diagnosestellung und -sicherung lag einerseits die medikamentöse Herzinsuffizienzbehandlung und andererseits der Einsatz von Thrombozytenaggregationshemmern im Blickpunkt der Untersucher. Die Diagnose wird vorwiegend mittels der klassischen Symptomentrias Dyspnoe (96 %), eingeschränkte Belastbarkeit (92 %) und Ödeme (91 %) gestellt, eine deutlich kleinere Gruppe von Medizinern stützt sich auf das Vorliegen von Arrhythmien (44 %), arterieller Hypertonie (43 %) und Angina pectoris (23 %). Gesichert wird die Verdachtsdiagnose anhand des Befundes der Echokardiographie (84 %) und des Lungenröntgens (80 %) neben der Beurteilung des EKGs (66 %), der Ergometrie (35 %) und der Lungenfunktionsprüfung (21 %). Bezüglich der üblichen medikamentösen Therapie der chronischen Herzinsuffizienz ließ sich feststellen, daß ACE-Hemmer in den NYHA-Klassen I und II beim Fehlen bzw. Vorhandensein von Dekompensationszeichen in deutlich unterschiedlicher Häufigkeit verwendet werden. Werden sie bei Patienten mit Ödemen von 53 % der Verschreiber gewählt, so kommen sie bei Patienten ohne Ödeme bei 76 % zum Einsatz. In der Patientengruppe ohne Ödeme gelten sie in der NYHA-Klasse I bei 72 % der Mediziner als Mittel der ersten Wahl, bei Ödemen werden sie nur von 41 % in erster Linie rezeptiert. Bei den NYHA-Stadien III und IV werden sie generell von etwa 68 % rezeptiert. Diuretika kommen beim Vorliegen von Ödemen in allen NYHA-Klassen bei etwa 70 % der Kollegen zum Einsatz; fehlt eine Flüssigkeitsretention, so findet sich eine bei steigender NYHA-Klasse zunehmende Häufigkeit der Verwendung (von NYHA-Klasse I: 5 % bis NYHA-Klasse IV: 48 %). Betablocker werden abhängig vom Grad der Herzinsuffizienz betont bei fortgeschrittenen Stadien eingesetzt, insgesamt jedoch in geringem Ausmaß. Sie werden beim Vorliegen von Ödemen von etwa 10 %, beim Fehlen dieser von 17 % verwendet. Kalziumantagonisten spielen in der Verschreibepraxis eine untergeordnete Rolle, 1-7 % der niedergelassenen Kollegen verwenden sie, wobei kein Unterschied in den Gruppen mit bzw. ohne Flüssigkeitsretention zu bestehen scheint. Die Entscheidung, Herzglykoside zu verabreichen, wird vom Stadium der Herzinsuffizienz geprägt: Greifen bei NYHA I 12 % zu dieser Substanzgruppe, so sind es in Klasse II etwa 27 %, in Klasse III 71 % und bei NYHA IV 85 % der Kollegen. Über 50 % der Ärzte setzen in den NYHA-Stadien III und IV eine Kombinationstherapie von ACE-Hemmer, Diuretikum und Herzglykosid jeweils als Einzelsubstanz ein, Fixkombinationen werden selten verabreicht. Im Hinblick auf die Dosierung von ACE-Hemmern favorisieren 58 % eine mittlere Dosis (z. B. Fositens 10?20 mg/die). Thrombozytenaggregationshemmer werden bei über 50 % der Patienten angewendet, Ticlopidin wird in deutlich geringerem Umfang, nämlich von 21 % der Kollegen bei maximal 10 % der Patienten verabreicht. Die international gültigen Richtlinien zur Therapie der chronischen Herzinsuffizienz scheinen in Österreich im niedergelassenen Bereich breite Akzeptanz zu finden, es dürfte jedoch ein noch größerer Prozentsatz von Patienten von der Gabe von ACE-Hemmern profitieren. Diuretika kommen bei vorliegender Flüssigkeitsretention betont in Kombination mit ACE-Hemmern zum Einsatz. Herzglykoside dienen vor allem in höheren NYHA-Stadien zu einer zusätzlichen Verbesserung der Herzleistung, zu Betablockern wird wohl wegen der gebotenen Vorsicht in relativ geringem Ausmaß gegriffen. Wie im internationalen Vergleich bestätigt, liegt auch in den heimischen Praxen die verabreichte ACE-Hemmerdosis nicht im empfohlenen hohen, sondern im mittleren Dosisbereich.
 
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