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Hochleitner M  
Unterschiede zwischen Frauen und Männern in der kardiologischen Versorgung in Tirol

Journal für Kardiologie - Austrian Journal of Cardiology 1999; 6 (8): 406-408

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Keywords: FrauKardiologieKoronare HerzkrankheitTirol

Zahlreiche Studien berichten über Geschlechtsunterschiede in der Kardiologie. Das Ziel unserer retrospektiven Untersuchung war es, für ein Kalenderjahr, 1995, für ein österreichisches Bundesland, Tirol, mittels medizinischer Unterlagen der Universitätskliniken Innsbruck, der Bevölkerungsstatistik, der Todesfallstatistik und des Koronarregisters des Landes Tirol Daten zur kardiologischen Versorgung zu erheben. Herztod ist, wie in allen Industrieländern, die Haupttodesursache in Tirol. Mehr Frauen als Männer, sowohl zahlen- (1008 Frauen/875 Männer) als auch prozentmäßig (38,8% Frauen/35,2% Männer), sterben einen Herztod. In allen Tiroler Krankenhäusern, Universitätskliniken sowie Bezirkskrankenhäusern wurden 231 (34,9%) Frauen und 431 (65,1%) Männer mit akutem Herzinfarkt aufgenommen. Auf der jeweiligen Intensivstation wurden 166 (31,3%) Frauen und 364 (68,7%) Männer überwacht, eine thrombolytische Therapie erhielten 61 (25,3%) Frauen und 180 (74,7%) Männer. Die Einmonatsmortalität für Frauen beträgt 27,7%, für Männer 18,1%. In Tirol wurden im Untersuchungszeitraum bei Frauen 361 (42,8%) Myokardszintigraphien durchgeführt, bei Männern 483 (57,2%). Die Koronarangiographien verteilten sich auf 332 (33,9%) Frauen und 646 (66,1%) Männer. Bypassoperationen erhielten 54 (25,7%) Frauen und 156 (74,3%) Männer. Ein Anschlußheilverfahren absolvierten 8 (13,3%) Frauen und 52 (86,7%) Männer. Zusammenfassend fällt trotz langjährig höherer weiblicher Herzmortalität die geringere Zahl von "Krankenhausinfarkten" auf, jedoch laut Todesfallstatistik eine höhere Anzahl bei "übrigen", "anderen", "mangelhaft beschriebenen Herzkrankheiten". Frauen haben geringere Chancen auf Intensivstation und Thrombolyse, teilweise Delay-bedingt. Es ist jedoch ungeklärt, warum Frauen zu einem längeren Delay verurteilt scheinen. Verglichen mit Bevölkerungs- und Todesursachenstatistik ist ein geringerer Frauenanteil bei Koronarangiographien und Bypassoperationen bemerkenswert. Alter als Erklärung ist nicht überzeugend, da in allen Altersgruppen zahlenmäßig der Männeranteil überwiegt. Frauen als Herzpatientinnen haben offensichtlich Zuweisungsprobleme zur invasiven Diagnostik und Therapie.
 
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