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Ziegler A  
Moleküle des MHC und olfaktorische Rezeptoren: Mögliche Bedeutung im Rahmen der Reproduktion

Journal für Fertilität und Reproduktion 2003; 13 (4) (Ausgabe für Österreich): 14-18
Journal für Fertilität und Reproduktion 2003; 13 (4) (Ausgabe für Schweiz): 13-17

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Keywords: FertilitätHaupt-Histokompatibilitätskomplexolfaktorischer RezeptorPartnerwahlReproduktion

Polymorphe Gene des Haupt-Histokompatibilitätskomplexes (major histocompatibility complex, MHC, beim Menschen HLA-Komplex) und Loci für olfaktorische Rezeptoren (OR) sind wiederholt mit verschiedenen Aspekten von Partnerwahl und reproduktivem Erfolg in Verbindung gebracht worden. Im Gegensatz zu MHC-homozygoten Individuen sollten solche mit MHC-Heterozygotie einen Vorteil bei der Bekämpfung von Krankheitserregern aufweisen, und es erscheint denkbar, daß eine geruchsbeeinflußte Partnerwahl primär der Sicherstellung der MHC-Heterozygotie bei den Nachkommen dient. Selektive Prozesse zur Sicherung eines optimalen reproduktiven Erfolges könnten auch bei Wirbeltieren existieren, bis hin zu Mechanismen, die als „cryptic female choice“ bezeichnet werden. Gemeinsam mit MHC-kodierten Molekülen könnten die Produkte MHC-gekoppelter OR-Gene prinzipiell beteiligt sein, etwa bei der Hinleitung von Spermien zur Eizelle. Zusammen mit früher erhobenen Befunden zur Expression von HLA-Klasse I-schweren Ketten in Spermienvorläuferzellen könnte die Expression von OR im Hoden auf eine funktionelle Verbindung zwischen MHC- und OR-Molekülen hindeuten. Falls nur solche OR zur Expression auf Spermien gelangen, welche nicht in der Lage sind, mit eigenen („selbst“) Molekülen zu interagieren, könnten sie mit solchen Molekülen (z. B. ochpolymorphen MHC-Molekülen) im weiblichen Genitaltrakt reagieren, die ihnen als „nicht-selbst“, also fremd, erscheinen. Diese Form des „cryptic female choice“ könnte bereits in Kraft treten, bevor Spermium und Eizelle aufeinander treffen, etwa durch die Etablierung chemischer Gradienten löslicher MHC-Moleküle bzw. ihrer Fragmente im Eileiter. Auf diese Weise würden bevorzugt diejenigen Spermien in die Nähe der Eizelle gelockt werden, die mittels ihrer OR MHC-Moleküle des weiblichen Organismus als „nicht-selbst“ erkennen. So könnte die Wahrscheinlichkeit eingeschränkt werden, daß die Eizelle von einem genetisch ähnlichen Spermium befruchtet wird. Eine kostspielige Investition in einen MHC-homozygoten Embryo mit möglicherweise suboptimalen genetischen und immunologischen Eigenschaften sollte auf diese Weise vermieden werden können.
 
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