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Fallbeschreibung
Böck R et al.  
Echokardiographie aktuell: Massiv tamponierender Perikarderguss?

Journal für Kardiologie - Austrian Journal of Cardiology 2008; 15 (1-2): 42-43

Volltext (PDF)    Fallbeschreibung    Abbildungen mit Filmsequenzen   

Abb. 1: Echo Abb. 2: Echo Abb. 3: Echo Abb. 4: Echo Abb. 5: Echo Abb. 6: Echo
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Keywords: EchokardiographieFallberichtPerikarderguss

Fallbeschreibung
65-jähriger männlicher Patient. Anamnese
Diagnose eines Plattenepithelkarzinoms des rechten Oberlappens II/05. Primäre Chemotherapie mit Taxotere/Cisplatin, Progress einer oberen Einflussstauung, danach Radiatio, Second-line-Chemotherapie mit Pemetrexed/Oxaliplatin, anschließend wegen Progression des inoperablen Karzinoms (Ca) Therapieumstellung auf Taxol/Gemzar als 3. Therapieansatz. Übernahme aus der onkologischen Abteilung wegen zunehmender Atemnot, intermittierendem Vorhofflimmern und paradoxem Puls. Die Echokardiographie brachte Zeichen einer Tamponade, es folgte anschließend eine Perikarddrainage von subxiphoidal, wobei 500 ml hämorrhagisches Sekret (Hämatokrit 13 %) gefördert wurde (Abb. 1, 2). In weiterer Folge war eine deutliche Besserung des klinischen Zustandes festzustellen, der die Entlassung des Patienten mit Heimsauerstoff ermöglichte.
Verlauf
Zwei Wochen nach der Entlassung erfolgte die neuerliche Aufnahme des Patienten wegen heftiger Thoraxschmerzen in zyanotischem Zustand mit Atemnot, gestauten Jugularvenen sowie neuerlich paradoxem Puls. Das durchgeführte Echo ergab den Befund eines lokalisierten Perikardergusses mit fast vollständiger Obliteration des gesamten rechten Herzens (Abb. 3–6). Eine neuerliche akut von subxiphoidal durchgeführte Perikardpunktion verlief frustran, sodass in weitere Folge eine Perikardfenstrierung thorakoskopisch durchgeführt wurde, wobei es anschließend zu keiner neuerlichen Bildung eines Perikardergusses kam. Der Patient verstarb jedoch 2 Monate später an den Folgen der weit fortgeschrittenen Tumorerkrankung.
Kommentar
Hämorrhagische Perikardergüsse zeigen laut einer retrospektiven Analyse an 96 Fällen folgende Verteilung nach Genese: 26 % Malignom, 18 % katheterassoziiert bzw. PM, 13 % postperikardiotomiebedingt, 11 % MCI-Komplikationen, 10 % idiopathisch. Sonstige Ursachen (Urämie, Trauma, anderes) sind selten [1]. Die klinische Evaluation beinhaltet in erster Linie folgende Parameter:
1. Ausmaß des Ergusses
2. Vorhandensein von Tamponadezeichen
3. Entzündungszeichen: typ. Thoraxschmerz, Perikardreiben, Fieber > 37 °C, diffuse ST-Hebung
Hinweise für assoziierte spezifische Diagnosen sind:
• Entzündungszeichen: akute idiopathische Perikarditis
• großer Erguss ohne Tamponade oder Entzündungszeichen: chronisch idiopathischer Perikarderguss
• Tamponade ohne Entzündungszeichen: Malignom [2]
Labortests v. a. im Hinblick auf klinische Verdachtsdiagnose sind zweckmäßig, liegen keine klinischen Hinweise vor, ist eine extensive Labortestung jedoch wenig sinnvoll. Routinemäßig sollte durchgeführt bzw. untersucht werden:
• komplettes Blutbild
• Blutchemie
• Nierenparameter
• SD-Parameter
• Lupusserologie
• HIV
• CT-Thorax
Aufgrund des geringen diagnostischen Gewinns ist eine routinemäßige Perikarddrainage nicht notwendig, sie sollte jedoch durchgeführt werden bei:
• Tamponadezeichen
• Verdacht auf TB, purulentem oder malignem Erguss
• größerem Erguss, nicht auf antiinflammatorische Therapie ansprechend
Folgende Untersuchungen aus dem Perikardpunktat erscheinen sinnvoll:
Kultur, Zytologie, PCR, Adenosin-Deaminase (TB).

Literatur:
1. Atar S, Chiu J, Forrester JS, Siegel RJ. Bloody pericardial effusion in patients with cardiac tamponade: is the cause cancerous, tuberculous, or iatrogenic in the 1990s? Chest 1999; 116: 1564–9.
2. Sagristà-Sauleda J, Mercé J, Permanyer-Miralda G, Soler-Soler. Clinical clues to the causes of large pericardial effusions. Am J Med 2000; 109: 95–101.

 
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