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Auer J et al.  
Aktuelle Aspekte zur Pharmakotherapie des Bluthochdrucks

Journal für Hypertonie - Austrian Journal of Hypertension 2001; 5 (3): 7-16

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Keywords: BluthochdruckHypertoniePharmakologie

In den letzten Jahren setzte sich zunehmend die Erkenntnis durch, daß Alter per se kein Grund ist, höhere Blutdruckwerte zu tolerieren als bei jüngeren Menschen. Nach einer mathematischen Aufbereitung der Framingham-Daten, bei der erstmals auch die altersspezifische Verteilung der systolischen Blutdruckwerte berücksichtigt wurde, steigt das Risiko nicht linear mit dem Blutdruck. Das Ergebnis widerspricht dem bisher postulierten Modell eines linearen proportionalen Zusammenhangs zwischen Mortalität und ansteigendem systolischem Blutdruck. Die meisten Studien bei unselektionierten Patienten mit essentieller Hypertonie haben ein vergleichbares durchschnittliches Ansprechen auf verschiedene Antihypertonika ergeben. Bei einem so heterogenen Syndrom wie der essentiellen Hypertonie wäre es allerdings überraschend, wenn einzelne Patienten nicht unterschiedlich auf verschiedene Gruppen blutdrucksenkender Mittel reagieren würden. In einer rezenten Untersuchung wurde empfohlen, bei Patienten unter 50 Jahren einen Therapieversuch mit einem ACE-Hemmer oder Beta-Rezeptorenblocker durchzuführen und bei unzureichendem Ansprechen eine Umstellung auf einen Kalziumantagonisten oder auf Diuretika anzustreben. Bei über 60jährigen Patienten sollte die Auswahl in umgekehrter Reihenfolge getroffen werden. Wenn der Zielblutdruck auf diese Weise nicht erreicht wird, sollte eine weitere Rotation erfolgen, bevor eine Kombinationstherapie aus der jeweils besten Substanz der beiden Paare eingeleitet wird. Im Vergleich zu den nicht-diabetischen Hypertonikern profitierten die Diabetiker etwa in der HOT-Studie noch eindeutiger von einer strengen Blutdruckeinstellung, das heißt die Senkung der kardiovaskulären Morbidität und Letalität durch starke Blutdrucksenkung fiel bei den Diabetikern wesentlich deutlicher aus als in einem nicht-diabetischen Vergleichskollektiv. Ohne etwaige klassenspezifische Unterschiede zwischen den einzelnen Antihypertensiva-Gruppen zu negieren, sollte die konsequente Senkung überhöhter Blutdruckwerte bei Diabetikern unter Berücksichtigung der neu definierten "strengen" Zielkriterien wichtiger sein als eventuell mögliche Vor- oder Nachteile einzelner Arzneimittelgruppen. Basierend auf rezent publizierten, sich anscheinend widersprechenden Metaanalysen zu den Kalziumantagonisten sollte vor übertriebenen Erwartungen an die "Evidence-Based Medicine" (EBM) gewarnt werden, eine gesunde Skepsis gegen die EBM sollte jedenfalls bewahrt werden.
 
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