Krause und Pachernegg
Verlag für Medizin und Wirtschaft
Artikel   Bilder   Volltext

Mobile Version
A-  |   A  |   A+
Werbung
 
Summary
Michelmann HW  
Wunder, Mythen und Märchen in der Reproduktionsmedizin

Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie - Journal of Reproductive Medicine and Endocrinology 2009; 6 (Sonderheft 1): 21-25

Volltext (PDF)    Summary   




Keywords: KuriositätReproduktionsmedizin

Die Fortpflanzung ist sicher die objektiv wichtigste Sache der belebten Welt. Darum ist es nicht verwunderlich, dass sich Menschen seit allen Zeiten mit dem Gedanken beschäftigt haben, wie Fortpflanzung und Menschwerdung funktionieren und wie man diese Vorgänge wohl beeinflussen könnte. Das Wissen über die Reproduktion hat sich zwar im Laufe der Menschheitsgeschichte radikal geändert und weiterentwickelt, aber auch noch heute beherrschen viele Mythen und Märchen die Vorgänge um die Fortpflanzung. Und so findet man angebliche Fakten, Begebenheiten, Therapien, Empfehlungen und Vieles mehr, was zum Staunen, Schmunzeln aber auch zur Ablehnung führt. Doch diese Reaktionen sind individuell verschieden. Was für den einen absoluter Humbug ist, wird von dem anderen mit wahrer Inbrunst geglaubt. Und so ist es oft nicht einfach, eine klare Linie zu ziehen zwischen allgemein anerkannten, und vor allen Dingen wissenschaftlich gesicherten Fakten auf der einen und den Märchen und Mythen auf der anderen Seite. Verblüffend ist nur, dass sehr viele dieser Absurditäten in renommierten Fachzeitschriften veröffentlicht werden. Es ist logisch und menschlich, wenn man versucht ist, 2 Ereignisse als kausal verknüpft zu halten, wenn sie, wie z. B. Rauch und Feuer oder Koitus und Schwangerschaft, häufig zusammen auftreten. Wird die Schlussfolgerung aus solch einem Zusammenhang nur oft genug weitergegeben (und zwar möglichst von etablierten Autoritäten), dann fällt es immer schwerer, seinen Wahrheitsgehalt offensiv in Frage zu stellen. Auch in der Reproduktionsmedizin besteht die Schwierigkeit, zwischen einer echten Ursache-Wirkungs-Beziehung und einem bloßen Zufall unterscheiden zu können. Und so gibt es Hilfs- und Nahrungsmittel, denen abenteuerliche Wirkungen auf die Reproduktionsleistung und die Potenz nachgesagt werden. Auch unzählige Bräuche bis hin zu Fruchtbarkeitszauber versuchen nicht nur die Kinderlosigkeit zu besiegen, sondern auch Prognosen über das Fruchtbarkeitspotenzial des Einzelnen abzugeben. Viele Mythen ranken sich um die Ursachen der Kinderlosigkeit, der Menstruation und Phänomenen wie Schnee- bzw. WM-Babys, die schon fast zu den Märchen und Kuriositäten zu rechnen sind. Letztere tauchen häufig in der Boulevardpresse auf und verführen eigentlich nur zum Schmunzeln. Und so bleibt festzuhalten, dass es immer gut ist, angebliche Fakten aus dem Bereich der Reproduktion nicht unkritisch zu übernehmen, sondern ernsthaft zu hinterfragen.
 
copyright © 2003–2017 Krause & Pachernegg GmbH | Sitemap | Impressum
 
Werbung