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Wallner M  
Hyperurikämie: Bloß Marker oder unabhängiger Risikofaktor für Hypertonie und andere kardiovaskuläre Erkrankungen? Provokante Gedanken zur Entstehung der "essenziellen Hypertonie"

Journal für Hypertonie - Austrian Journal of Hypertension 2009; 13 (4): 16-20

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Keywords: HarnsäureHypertonieNephrologie

Die Hypertonie stellt einen wesentlichen Risikofaktor für das Auftreten kardiovaskulärer Erkrankungen dar und steht in enger Verbindung zum weltweit zu beobachtenden Phänomen des metabolischen Syndroms. Bereits im 19. Jahrhundert wurde ein kausaler Zusammenhang zwischen der Hyperurikämie und dem Auftreten einer arteriellen Hypertonie vermutet. Trotz einer Reihe epidemiologischer Studien wurde die Hyperurikämie lange Zeit nicht als eigenständiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Erkrankungen anerkannt. Durch Hemmung des Enzyms Urikase, das bei fast allen Säugetieren außer den Primaten die Harnsäure zu Allantoin abbaut, gelang es, bei Ratten den sonst extrem niedrigen Harnsäurespiegel geringfügig zu erhöhen. Nach einigen Wochen entwickelten sie eine arterielle Hypertonie. Der dafür verantwortliche bimodale Pathomechanismus konnte in der Folge aufgeklärt werden. Bei jugendlichen Hypertonikern kann durch Gabe von Allopurinol der Blutdruck gesenkt werden. Der Verlust des Urikasegens bei den frühen Primaten (und somit auch bei den Vorläufern des Menschen) im Miozän führte zum Anstieg der Harnsäure. Der damit verbundene Blutdruckanstieg könnte die Entstehung des aufrechten Ganges begünstigt haben. Die als Süßstoff in der Nahrungsmittelindustrie breit eingesetzte Fruktose erhöht bei ihrem Abbau die Produktion von Triglyzeriden und trägt somit zur Insulinresistenz beim metabolischen Syndrom bei. Als einziger Zucker bewirkt Fruktose bei ihrem Abbau auch einen Anstieg der Harnsäure, die ihrerseits zur endothelialen Dysfunktion und verminderten Freisetzung von Stickoxid führt. Um die Muskeldurchblutung zu verbessern und die Glukoseaufnahme zu steigern, wird vermehrt Insulin produziert. Dies legt eine mögliche Assoziation zwischen vermehrtem Fruktosekonsum, Hyperurikämie und metabolischem Syndrom nahe. Auch wenn es zu früh ist, die Hypertonie durch Senken des Harnsäurespiegels zu therapieren, ist es doch lohnend, über mögliche Zusammenhänge zwischen Hyperurikämie und Hypertonie nachzudenken.
 
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