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Schmitt A et al.  
Neurobiologie der chronisch schizophrenen Erkrankungen: Progressive Enzephalopathie oder Störung der Neuroplastizität?

Journal für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie 2011; 12 (2): 157-161

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Abb. 1: Schizophrenie



Keywords: PsychiatrieSchizophrenie

Nur wenig ist bekannt über die molekularen Ursachen und Neurobiologie eines progressiven Erkrankungsverlaufs der Schizophrenie mit fortschreitendem Volumenverlust in Schlüsselregionen des Gehirns. Insbesondere stellt sich die Frage, ob neben einer neuronalen Entwicklungsstörung eine progressive Enzephalopathie mit Neurodegeneration zum chronischen Verlauf der Erkrankung beiträgt. Auf zellulärer Ebene zeigten Post-mortem-Studien keine Abnahme der Neuronenzahl oder Astrogliose, wie man sie bei einer neurodegenerativen Enzephalopathie annehmen müsste. Es gibt jedoch Befunde einer Abnahme der Anzahl der Oligodendrozyten, die Myelinscheiden um die neuronalen Axone bilden. Ihr Verlust kann zu einer verminderten Nervenleitgeschwindigkeit und Störung der Makro-Konnektivität in neuronalen Netzwerken des Gehirns beitragen. Weiterhin gibt es Hinweise für verminderte synaptische Proteine, die zu einer Mikro-Konnektivitätsstörung mit verminderter synaptischer Plastizität führen. Das glutamaterge System hat eine besondere Bedeutung hinsichtlich der Verstärkung synaptischer Aktivität und Plastizität und ist im Sinne der Glutamathypothese der Schizophrenie vermindert aktiv. Dabei wirken Antipsychotika auch auf das glutamaterge System und die synaptische Plastizität, was durch vergrößerte Volumina subkortikaler Regionen verdeutlicht wird. Neue Substanzen, welche die synaptische Plastizität und Kognition verbessern, sind z. B. Erythropoietin oder Glutamatagonisten. Auch körperliches Training verbessert synaptische Plastizität und das Hippokampusvolumen bei schizophrenen Patienten und sollte somit eine Rolle im multimodalen therapeutischen Ansatz spielen.
 
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