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Schläfke D et al.  
Substanzabhängigkeit und Aggressivität

Journal für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie 2010; 11 (3): 70-76

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Abb. 1: Delikt



Keywords: AggressionAlkoholDelinquenzDeutschlandEntzugPsychiatrie

Hintergrund: Der Konsum von Alkohol und psychotropen Substanzen zeigt in Deutschland eine hohe Ausprägung und führte zur Entwicklung einer speziellen Entziehungsmaßregel (§ 64 StGB) für Menschen, die eine Straftat im Zusammenhang mit ihrer Sucht begangen haben. Es gibt nur wenige Untersuchungen zum Zusammenhang von süchtigem Verhalten und Aggressivität bzw. Delinquenz, die mit diesen Studienergebnissen erweitert werden sollen. Methode: Für die Untersuchung wurden die Informationen aus der Basisdokumentation (BADO mit delinquenter und psychiatrischer Vorgeschichte) und die Daten der Aufnahmediagnostik (SCL-90-R, STAXI) aus der Klinik für Forensische Psychiatrie Rostock ausgewertet. Es lagen von 268 Probanden die Daten aus der BADO (Gruppe 1) und von 116 Probanden die Daten von SCL-90-R und STAXI (Gruppe 2) vor. Ergebnisse: Deutlich wurden Zusammenhänge zwischen einem frühen Suchtmittelkonsum und dem kindlichen bzw. jugendlichen Alter bei Delinquenzbeginn und zu gleichzeitig vorliegenden, vielfältigen psychosozialen Problemen und psychischen Auffälligkeiten bei diesen Patienten. In der Psychodiagnostik gab die Patientengruppe mit Suchtbeginn vor dem 16. Lebensjahr eine signifikant höhere Bereitschaft an, sich aggressiv durchzusetzen. Gleichzeitig sind diese Patienten auch signifikant weniger gut in der Lage, ihren Ärger zu kontrollieren. Sie weisen ein höheres Ausmaß an Aggressivität/Feindseligkeit sowie eine höhere Belastung mit komorbiden psychischen Störungen auf. Schlussfolgerung: Insbesondere für junge Menschen scheint eine enge Beziehung zwischen früh einsetzendem Suchtmittelgebrauch und vielfältigen sozialen Problemen zu bestehen, die dann auch aggressives und delinquentes Handeln einschließen. Eine klare Beziehung zwischen einzelnen aggressionsauslösenden Faktoren und dem spezifischen Verhalten in einer Gewalthandlung konnte nicht hergestellt werden. Jedoch weisen die Ergebnisse auf eine prinzipielle Unterscheidungsfähigkeit zwischen den Altersstufen des Suchtmittelkonsumbeginns auch in psychologischen Variablen zur Aggressivität.
 
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