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Frieling T  
GERD: Langzeitnebenwirkungen einer lebenslangen Einnahme von Protonenpumpenhemmern

Journal für Gastroenterologische und Hepatologische Erkrankungen 2011; 9 (4): 7-13

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Keywords: AllergieAntikoagulationClopidogrelGastroenterologieInfektionMalabsorptionOsteoporosePPI

Protonenpumpenhemmer (PPI) werden weltweit aufgrund von Fehlindikationen zu häufig und in zu hohen Dosen verschrieben. Hierbei können PPI selbst die Symptome erzeugen, die sie eigentlich behandeln sollen. Leitliniengerechte Indikationen für den Langzeiteinsatz von PPI sind die gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) mit „Step-down“-, „Ondemand“- bzw. „alternierender“ Therapie, die Blutungsprophylaxe bei Notwendigkeit einer längerfristigen Therapie mit traditionellen nichtsteroidalen Antirheumatika (tNSAR) und unter Therapie auftretenden gastrointestinalen Blutungen bzw. bei Vorliegen mindestens eines Risikofaktors (Alter > 60 Jahre, männliches Geschlecht, frühere gastrointestinale Blutung/Ulzera, orale Antikoagulation, Therapie mit Kortikosteroiden), die Notwendigkeit einer längerfristigen Therapie mit Acetylsalicylsäure (ASS) und unter Therapie auftretender gastrointestinaler Blutung, die längerfristige Therapie mit ASS und COX-2-Hemmern und eine Anamnese mit gastrointestinaler Blutung bzw. Vorliegen eines Risikofaktors und die längerfristige Einnahme von ASS und tNSAR bzw. ASS und Clopidogrel. PPI sollten auch aufgrund ihrer potenziellen Langzeitnebenwirkungen zurückhaltend eingesetzt werden. Hierbei ist die Datenlage bei Osteoporose und Knochenbrüchen uneinheitlich. Der Pathomechanismus ist unbekannt und eine klare Wirkung auf die Knochendichte besteht nicht. Eine allgemeine Empfehlung für eine Osteoporoseprophylaxe unter PPI-Langzeittherapie kann daher nicht ausgesprochen werden. Beim Einsatz von PPI zur Blutungsprophylaxe sollten die leitliniengerechten Indikationen beachtet werden. Es besteht eine Interaktion von PPI und Clopidogrel über Cytochrom-P450-Enzyme (CYP). Das klinische Risiko ist gering und kontrollierbar, zumal die Präparate aufgrund ihrer kurzen Halbwertszeit zeitversetzt (12–15 h) gegeben werden können. Die Minderung der Säurebarriere des Magens kann zu einem moderaten bis deutlich erhöhten Risiko für gastrointestinale Infektionen wie bakterielle Dünndarmfehlbesiedlungen, bakterielle Diarrhöen, Infektionen mit Salmonellen, Campylobacter, Clostridium difficile und Parasiten (z. B. Giardia lamblia) und bei der Leberzirrhose zur einer erhöhten Rate von spontan bakteriellen Peritonitiden bzw. eines hepatorenalen Syndroms führen. Extraintestinale Infektionen äußern sich durch ein moderat erhöhtes Risiko für ambulante Pneumonien. Im Gegensatz hierzu ist die PPI-Langzeittherapie nicht mit einem erhöhten Risiko für die Bildung einer atrophischen Gastritis, von Magen-, neuroendokrinen oder kolorektalen Tumoren assoziiert. Die marginale Beeinflussung der Resorption von Vitamin B12, Vitamin C und Eisen durch PPI spielt in der klinischen Routine keine Rolle. Eine Beziehung zwischen Säurehemmung und dem Auftreten einer eosinophilen Ösophagitis bzw. von Nahrungsallergien durch verminderten Abbau bzw. vermehrter Mukosaaufnahme von Allergenen durch erhöhte Permeabilität während der Säuresuppression wird vermutet, ist aber bisher nicht schlüssig nachgewiesen.
 
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