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Fallbeschreibung
Weihs W, Anelli-Monti B  
Echokardiographie aktuell: Transthorakale Echokardiographie bei kardialer Emboliequelle

Journal für Kardiologie - Austrian Journal of Cardiology 2013; 20 (11-12): 357-358

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Abb. 1: Kardiale Emboliequelle Abb. 2: Kardiale Emboliequelle Abb. 3: Kardiale Emboliequelle Abb. 4: Kardiale Emboliequelle Abb. 5: Kardiale Emboliequelle Abb. 6: Kardiale Emboliequelle Abb. 7: Kardiale Emboliequelle Zum letzten Bild
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Keywords: EchoFallbericht

Echokardiographie aktuell: Transthorakale Echokardiographie bei kardialer Emboliequelle

Anamnese

Eine 78-jährige Patientin wird wegen einer suspekten Raumforderung im linken Vorhof zur transösophagealen Echokardiographie zugewiesen. Anamnestisch bestehen bei der Patientin ein permanentes Vorhofflimmern sowie eine arterielle Hypertonie. Einige Monate zuvor erfolgte eine stationäre Behandlung aufgrund einer kardialen Dekompensation. Damals wurden echokardiographisch eine mittelgradig reduzierte Linksventrikelfunktion bei tachykarder Flimmerarrhythmie sowie erhöhte linksventrikuläre Füllungsdrücke und eine pulmonale Hypertonie festgestellt. Die Vorhöfe wurden beidseits als hochgradig dilatiert, jedoch ohne Raumforderung beschrieben.

Klinisch-physikalisch befindet sich die Patientin in einem normalen Allgemein- und Ernährungszustand. Auskultatorisch zeigt sich eine arrhythmische, normokarde Herzaktion, normale Herztöne, 2/6 Systolikum im 2. ICR rechts, die Lungen weisen ein Vesikuläratmen auf. Der übrige Status ist altersentsprechend. Der Blutdruck beträgt 145/80 mm Hg.

Die medikamentöse Behandlung besteht in Bisoprolol, Digitoxin, Telmisartan, Aldactone, Furosemid, Pantoprazol, Levothyroxin und Trazodon. Die orale Antikoagulation erfolgt mit Dabigatran 110 mg 1-0-1.

Im EKG zeigen sich eine FA mit ca. 65/min, ein Indifferenztyp, eine träge R-Progression über den BWA-Ableitungen sowie unspezifische Erregungsrückbildungsstörungen.

Echokardiographie

Bei der transthorakalen Untersuchung mit mäßiger Schallqualität zeigen sich ein konzentrisch hypertrophierter linker Ventrikel von normaler Größe und guter systolischer Funktion. Sowohl an der Mitral- als auch Aortenklappe liegen diskrete degenerative Veränderungen vor, jedoch ohne wesentliche Beeinträchtigung der Funktion. Der linke Vorhof imponiert bereits im parasternalen Längsschnitt deutlich dilatiert (Abb. 1). Letzteres kommt im apikalen Vierkammerblick wesentlich eindrucksvoller zur Darstellung, wobei sich keine eindeutige Raumforderung im linken Vorhof nachweisen lässt (Abb. 2). Erst bei einer entsprechenden Bewegung der Schallebene in Richtung Fünfkammerblick zeigt sich eine rundliche Struktur am Dach des linken Vorhofes (Abb. 3), welche auch in einer anderen Ebene sichtbar bleibt (Abb. 4). In der transösophagealen Untersuchung ist das linke Herzohr frei und weist Flussgeschwindigkeiten von knapp > 0,25 m/s auf (Abb. 5, 6). Am Dach des linken Vorhofes kommt eine ca. 2 × 3 cm große Raumforderung zur Darstellung (Abb. 7).

In Zusammenschau aller Befunde dürfte in erster Linie ein linksatrialer Thrombus vorliegen.

Verlauf

Nachdem eine Steigerung der Dabigatrandosis aufgrund einer reduzierten glomerulären Filtrationsrate (GFR 47 ml/min) nicht möglich ist, erfolgt eine Umstellung auf eine herkömmliche Antikoagulation mit Phenprocoumon (Ziel INR 2,5–3,0).

Kommentar

Die Frage nach einer kardialen Emboliequelle ist vor allem bei jüngeren Patienten mit kryptogenem zerebrovaskulären Ereignis ein häufiger Zuweisungsgrund zu einer echokardiographischen Evaluierung. Der transösophageale Zugang wird meist bevorzugt, da von transthorakal einerseits das linke Herzohr und andererseits ein offenes Foramen ovale als potenzielle Emboliequellen nicht optimal einsehbar sind. Das Cavum des linken Vorhofes ist jedoch in den meisten Fällen auch von außen gut beurteilbar. Im vorliegenden Fall gelingt die Darstellung des linksatrialen Thrombus sogar bei mäßiger Schallqualität. Interessanterweise ist das linke Herzohr, welches als Hauptquelle kardialer Embolien bei Vorhofflimmern gilt, frei und zeigt nur geringfügig reduzierte Flussgeschwindigkeiten.

Korrespondenzadresse:

DeptL Dr. Wolfgang Weihs

Dept. f. Kardiologie u. Intensivmedizin – LKH Graz-West

A-8020 Graz

Göstingerstraße 22


 
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