Krause und Pachernegg
Verlag für Medizin und Wirtschaft
Artikel   Bilder   Volltext
Werbung
 
Seidlova-Wuttke D, Christoffel V, Heiden I, Jarry H, Spengler B, Wuttke W:
Die Wirkung von Belamcanda chinensis abstammenden Phytoöstrogenen auf die Serum-LH-Spiegel und auf die Expression von östrogenregulierten Genen im Uterus und im Knochen der ovarektomierten Ratte
Journal für Menopause 2000; 7 (2) (Ausgabe für Schweiz): 28-31
Journal für Menopause 2000; 7 (2) (Ausgabe für Deutschland): 28-31
Journal für Menopause 2000; 7 (2) (Ausgabe für Österreich): 28-31

Volltext (PDF)    Volltext (HTML)    Summary    Tabellen   

D er Konsum von Nahrungsergänzungsmitteln (NEM) ist in den letzten Jahren stetig angestiegen [1]. Mediale Diskussionen um Mikronährstoffgehalte von Nahrungsmitteln, BSE, Zusatzstoffe in Lebensmitteln, Pestizidrückstände im Gemüse und dergleichen lösen bei den KonsumentInnen Verunsicherung hinsichtlich der Nahrungsmittelqualität aus. Darüber hinaus ist ein Großteil der VerbraucherInnen zunehmend gesundheitsbewußter und setzt Erwartungen in Lebensmittel, die weit über den Nährwert hinausgehen. Das reichliche Vorhandensein von Vitaminen, Mineralstoffen, sekundären Pflanzen- und anderen Inhaltsstoffen ist zu einem Qualitätskriterium für ein Lebensmittel geworden. Durch entsprechende Nahrungsergänzungsmittel mit teilweise unglaublichen Wirkversprechen wird dem Wunsch der KonsumentInnen nach einem gesunden Lebensstil entsprochen. Der Markt ist mittlerweile unüberschaubar und die rechtliche Situation nur schwer überwachbar.



Begriffsdefinitionen, rechtliche Situation

NEM gelten als Verzehrprodukte und sind als solche im Lebensmittelgesetz (1975; BGBl. Nr. 86/1975) geregelt. Verzehrprodukte (§ 3) sind Stoffe, die dazu bestimmt sind, von Menschen gegessen, gekaut oder getrunken zu werden, ohne überwiegend Ernährungs- oder Genußzwecken zu dienen oder ein Arzneimittel zu sein. Bevor ein Produkt als NEM klassifiziert werden kann, ist zu prüfen, ob vorwiegend Ernährungszwecke oder arzneiliche Ziele verfolgt werden. NEM sollen die Ernährung um ernährungsphysiologisch günstige Substanzen erweitern [1].

Sie unterscheiden sich von Lebensmitteln dadurch, daß Verzehrprodukte bestimmte Nahrungsbestandteile, wie Vitamine, Mineralstoffe oder dergleichen, in konzentrierter Form enthalten und üblicherweise in arzneimittelähnlicher Form (Tabletten, Pulver, Kapseln) angeboten werden.

Verzehrprodukte unterliegen einer Anmeldepflicht beim zuständigen Bundesministerium, das innerhalb eines Zeitraumes von drei Monaten das Inverkehrbringen untersagen muß, wenn das Produkt den lebensmittelrechtlichen Vorschriften nicht entspricht. Erfolgt bis drei Monate nach Anmeldung keine Untersagung des Inverkehrbringens, bedeutet das lediglich, daß das Produkt dem Lebensmittelgesetz entspricht. Die gleichzeitige Abgrenzung zum Arzneimittelgesetz ist damit nicht gewährleistet.

Die Haftung für das Inverkehrbringen obliegt dem Produzenten (Importeur) für den Bereich der Produktion bzw. dem Händler für das Lagern und Verkaufen.

Verzehrprodukte unterliegen darüber hinaus den Vorschriften der Lebensmittelkennzeichnungsverordnung 1993 (BGBl. Nr. 72/1993), der zufolge die Verpackung Angaben über Inhalt, Hersteller, Mindesthaltbarkeitsdatum, Lagerungsbedingungen, Zutaten und Verbrauchsfristen aufweisen muß.

Das Lebensmittelrecht sieht keine Regelung des Vertriebsweges für Verzehrprodukte vor. Grundsätzlich ist der Vertrieb über Supermärkte, Drogerien, Reformhäuser und Apotheken möglich. Durch die Gewerberechtsnovelle 1997 wurde das Verbot des Versandhandels zum Schutz des Verbrauchers vor Gesundheitsgefährdung auf Verzehrprodukte ausgedehnt. Damit sind alle Formen des Einzelhandels, bei denen NEM schriftlich mittels Katalogen, Prospekten, Internet oder durch Vertreter angeboten und nach Bestellung dem Käufer auf dem Versandweg zugestellt werden, nicht mehr zulässig. Ebenso unzulässig ist es, Verzehrprodukte durch das Aufsuchen von Privatpersonen zum Zwecke des Sammelns von Bestellungen zu vertreiben.

Gesundheitsbezogene Werbung ist laut § 9 des Lebensmittelgesetzes grundsätzlich verboten, um dem Schutz des Konsumenten vor Täuschung gerecht zu werden. Damit ist es beim Inverkehrbringen von Verzehrprodukten nicht zulässig, sich auf die Verhütung, Linderung oder Heilung von Krankheiten zu beziehen, sich auf physiologische oder pharmakologische, insbesondere jungerhaltende, Alterserscheinungen hemmende, schlankmachende oder gesunderhaltende Wirkungen zu beziehen oder den Eindruck einer derartigen Wirkung zu erwecken sowie auf Krankheitsgeschichten, ärztliche Empfehlungen oder auf Gutachten hinzuweisen. Eine gesundheitsbezogene Angabe kann auf einen entsprechenden Antrag mit Bescheid zugelassen werden, sofern dies mit dem Schutz der KonsumentInnen vereinbar ist. Beispiele für eine zugelassene gesundheitsbezogenen Aussage sind für Kürbiskerne und Kürbiskernkapseln die Aussage: „Wirkt günstig auf Blase und Prostata“, oder für Leinsamen: „Bewährt bei ernährungsbedingter Darmträgheit und Verstopfung“.

Die Abgrenzung der Verzehrprodukte von Arzneimitteln ist weitaus schwieriger. Obwohl die rechtliche Situation relativ klar ist, obliegt die Einstufung in der Praxis oft der Interpretation. Es wird versucht, Beurteilungskriterien heranzuziehen, die eine Einordnung von NEM in eine der beiden Gruppen erlauben, wie z. B. Darreichungsform, Art und Dosierung der Inhaltsstoffe, Werbeaussagen, Produktaufmachung, Kennzeichnung und Vertriebsweg [1]. Die Darreichungsformen unterscheiden sich meist nicht. Im Fall von Vitaminpräparaten ist für die Abgrenzung zu Arzneimitteln die Dosierung ausschlaggebend. Das Gesundheitsministerium hat eine Liste von Vitaminen mit Grenzwerten der Tagesdosis erstellt, anhand derer die Einstufung eines Produktes als Verzehrprodukt oder Arzneimittel - bei Überschreitung - erfolgen kann.

Die entscheidenden Kriterien für die Einstufung eines Produktes als Arzneimittel sind Funktion und Zweckbestimmung. Bei der Prüfung der Funktion geht es um Art und Dosierung der Inhaltsstoffe. Damit ein NEM als Verzehrprodukt eingestuft werden kann, müssen seine Inhaltsstoffe einen Ernährungswert besitzen. Dies ist beispielsweise bei Vitaminen, Mineralstoffen und Ballaststoffen in physiologischen Mengen der Fall. Ähnlich verhält es sich mit nichtessentiellen Stoffen, die eine gesundheitsfördernde Wirkung haben und deshalb als ernährungsphysiologisch bedeutsam anzusehen sind, wie etwa sekundäre Pflanzenstoffe, sofern keine arzneilichen Ziele, wie beispielsweise die Heilung und Linderung von Krankheiten, verfolgt werden.

Zur Beurteilung der Zweckbestimmung werden die Aufmachung des Produktes sowie die Werbeaussagen herangezogen. Sehr oft werden durch den Produktnamen oder durch auf der Packung, Packungsbeilage oder in Anzeigen angekündigte Wirkungen beim Verbraucher arzneimitteltypische Wirkungserwartungen geweckt. Auch Formulierungen wie „Dosierung“, „Einnahmeempfehlung“ oder „Frei von Nebenwirkungen“ können zur Feststellung führen, daß es sich bei einem Produkt um ein Arzneimittel handelt. Relativ klar ist die Situation bei Präparaten zur Gewichtsreduktion. Diese Schlankheitsmittel sind auf alle Fälle zweckbestimmt. Obwohl sie - unrechtmäßig - als NEM in Verkehr gebracht werden, handelt es sich durchwegs um nicht zugelassene Arzneimittel [1].

Bis vor kurzem gab es keine einheitliche Regelung für NEM innerhalb der Europäischen Union. Am 12. Juli 2002 wurde die Richtlinie 2002/46/EG (Tabelle 1) des Europäischen Parlaments und des Rates im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften L183, S. 51 veröffentlicht, die eine Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedsstaaten über NEM zum Ziel hat. Sie muß bis 31. Juli 2003 in das jeweilige nationale Recht umgesetzt werden [2].



Marktsituation

Das Angebot an NEM ist umfangreich und unüberschaubar. Es reicht von den klassischen Nährstoffen wie Vitamine und Mineralstoffe über verschiedene Fettsäuren, Aminosäuren, sekundäre Pflanzenstoffe bis hin zu pharmakologisch wirksamen Pflanzenauszügen [3] (Tabelle 2).

Die Erweiterung des Substanzspektrums basiert vielfach auf In-vitro-Untersuchungen, selten auf Interventionsstudien [4].

Oft bewegen sich die Anbieter diverser Produkte hart an den rechtlichen Grenzen, nicht selten werden diese auch weit überschritten. Der Versandhandel von NEM ist in Österreich seit 1997 verboten. Um diese Regelung zu umgehen, werden viele Produkte von ausländischen Firmensitzen aus an österreichische KonsumentInnen verschickt, die ihre Bestellung schriftlich, telefonisch oder via Internet aufgegeben haben. Vielfach werden Produkte - verbotenerweise - mit gesundheitsbezogenen Angaben oder therapeutischen Wirkversprechen beworben. Schließlich werden auch Produkte als Nahrungsergänzungsmittel angeboten, die klar als Arzneimittel einzustufen sind.

Tabelle 3 gibt - stellvertretend für das unüberschaubare Angebot aller Präparate - einen Auszug an NEM und deren gesundheitsbezogene Bewerbung beziehungsweise Wirkversprechen, wie sie im Internet angegeben werden.

Besonders groß ist das Angebot von NEM, die neben ihrer Ergänzungswirkung der täglichen Ernährung auch insbesondere der Gewichtsreduktion oder Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen dienen sollen. Zur „Unterstützung einer Gewichtsreduktion“ werden unter anderen Präparate aus oder mit Apfelessig, Algen, Ananas, Artischockenextrakt, CLA, Chitosan, Carnitin, Coenzym Q10, Gerstengras, Green Tea, Puh-Erh Tea, Pyruvat, Papaya, Zitronen und Zucchini angeboten. Für die „Stärkung des Herzens“ oder zur „Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen“ findet man vor allem NEM mit den Vitaminen E, C, B6, B12, Folsäure, Biotin, den Mineralstoffen Magnesium und Selen sowie speziellen Fettsäuren (Lachsöl, Nachtkerzenöl) am Markt. Dazu kommen noch Coenzym Q10, pflanzliche Extrakte aus Knoblauch, Weißdorn, Ginseng, Mistel, Akazienfasern und sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe wie Phytosterine (z. B. aus der Inka-Gurke), Saponine (Yuccapräparate), Lycopin, Flavonone (Grapefruitkernextrakte), Anthozyane (Heidelbeerextrakte), Flavonole (Zwiebelöl), Flavanole (Rotwein- und Grüntee-Extrakte) oder auch Isoflavonoide (Rotkleepräparate).

Charakteristisch ist für viele, daß zwar mögliche potentiell wirksame Inhaltsstoffe beschrieben werden, jedoch die Angaben über die enthaltenen Mengen fehlen.

Als Motive für die Verwendung von NEM werden von Verbrauchern einerseits die Erwartung eines gesundheitlichen Zusatznutzens über die herkömmliche Nährstoffversorgung hinaus sowie andererseits die Kompensation einer unausgewogenen Ernährungsweise genannt [1, 5].

In Deutschland konsumieren zwischen 20 und 35 Prozent der Erwachsenen NEM. Frauen nehmen häufiger Supplemente ein als Männer. Darüber hinaus steigt die Einnahmeprävalenz mit zunehmendem Alter und korreliert positiv mit einem höheren Bildungsniveau [1]. Diese Beobachtungen stimmen mit Ergebnissen internationaler Studien überein [6]. In einer niedersächsischen Erhebung zeigte sich weiters, daß überwiegend Multivitaminpräparate verwendet werden und daß die Hauptbezugsquellen die Apotheken (38,8 %) und der Lebensmittelhandel (22,7 %) sind [1].

Die Konsumenten von NEM weisen ein überdurchschnittlich hohes Gesundheitsbewußtsein auf. Sie ernähren sich gesünder [7], sind sportlich aktiver [8, 9] und haben Lebensstilmuster, die mit einem geringeren Risiko für chronische Erkrankungen assoziiert sind [10].

In einer vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) durchgeführten Internet-Befragung zum Thema „Gesunde Ernährung“, in der auch eine Frage zu NEM enthalten war, antworteten 68 % der 167 TeilnehmerInnen, daß man keine NEM benötige, um sich gesund zu ernähren. 13 % waren der Meinung, eine ausgewogene Ernährung könne nur mit NEM erreicht werden, der Rest gab an, daß die Einnahme von NEM „manchmal“ notwendig sei [11].



Empfohlene Zufuhr

Diverse mit Ernährungsfragen beschäftigte Organisationen formulieren immer wieder Zufuhrempfehlungen für verschiedene Lebensmittel. Die empfohlenen Zufuhrmengen für Obst und Gemüse zum Beispiel liegen bei mindestens 400 g pro Tag (Weltgesundheitsorganisation) [12] bzw. 400 g Gemüse und 250 bis 300 g Obst oder fünf Portionen pro Tag (Deutsche, Österreichische und Schweizerische Ernährungsgesellschaften) [13]. Sie werden von einem Großteil der ÖsterreicherInnen allerdings nicht erreicht. Das schlägt sich auch in der Nährstoffversorgung jener nieder: Dem österreichischen Ernährungsbericht 1998 zufolge ist die Versorgung der ÖsterreicherInnen mit einigen Vitaminen und Mineralstoffen als kritisch anzusehen [14]. Daraus einen Bedarf zur Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln abzuleiten, ist dennoch unzulässig, da grundsätzlich die Deckung des Nährstoffbedarfs durch eine abwechslungsreiche, vollwertige Ernährung mit einem hohen Anteil an pflanzlichen Lebensmitteln gedeckt werden kann und Nachteile eines falschen Ernährungsverhaltens nicht mit einer Einnahme von NEM kompensiert werden können.

In besonderen Lebenssituationen, wie beispielsweise in der Schwangerschaft, Stillzeit, im hohen Lebensalter, durch den entsprechenden Lebensstil (Rauchen, Sport, Diäten) oder auch durch spezielle gesundheitliche Probleme (z. B. bei Nahrungsmittelallergien, Unverträglichkeiten) kann es sein, daß eine ausreichende Nährstoffversorgung nicht allein über die Nahrung erreicht werden kann. So wird zum Beispiel in den DACH-Referenzwerten die Empfehlung ausgesprochen, daß Schwangere zusätzlich zu den für nicht schwangere Erwachsene empfohlenen 400 µg Nahrungsfolat die gleiche Menge synthetisches Folat aufnehmen sollten [13].

Es existiert mittlerweile eine Vielzahl von Studien, die die Wirkungen von Supplementen in der Prävention wie auch in der Therapie diverser Krankheiten untersuchten [15-22]. Die Ergebnisse variieren stark (Tabelle 4).

Eine Nährstoffsupplementation kann positive Effekte erzielen, sie kann wirkungslos sein oder sogar negative Auswirkungen haben. Man nimmt an, daß die positiven Wirkungen vieler Nahrungsinhaltsstoffe nur im Verbund mit anderen wirksamen Nahrungskomponenten, wie er in natürlichen Lebensmitteln gegeben ist, zu Tage treten [13]. Darüber hinaus ist vielfach die Bioverfügbarkeit der Nährstoffe aus Lebensmitteln höher als jene aus synthetischen Präparaten [23].

Werden bestimmte Mikronährstoffe über den Bedarf hinaus aufgenommen, so bleiben sie meist ohne physiologische Wirkungen, weil der Organismus über Kompensationsmechanismen verfügt: schlechte Absorption, beschleunigte Verstoffwechselung, vermehrte Speicherung und Ausscheidung [24]. Bei einigen Nährstoffen, vor allem bei den fettlöslichen Vitaminen A und D, sowie bei einigen Mineralstoffen, beispielsweise Selen und Fluorid, können Zufuhrmengen, die deutlich über den Referenzwerten liegen, zu gesundheitlich unerwünschten Wirkungen führen. Aus diesem Grund wird versucht, für jeden Nährstoff auch die Zufuhrmenge zu ermitteln, für deren chronische Zufuhr erste unerwünschte Wirkungen bekannt sind. So hohe Zufuhrmengen sind allerdings nur durch Supplemente zu erreichen, bei einer vollwertigen Ernährung nach den Empfehlungen einschlägiger Institutionen besteht keine Gefahr der Überversorgung mit bestimmten Nährstoffen [13].

Die American Heart Association (AHA) weist auf ihrer Homepage ihre wissenschaftliche Stellungnahme zu Vitamin- und Mineralstoffsupplementen aus. Prinzipiell sei die Erfüllung der Recommended Dietary Allowances (RDAs) des National Research Council die beste Möglichkeit, den Nährstoffbedarf sicher und ausreichend zu decken. Supplemente werden - mit einer Ausnahme - nicht empfohlen, weil die wissenschaftlichen Hinweise für deren Vorteile nicht ausreichend seien. Menschen mit hohen Triglyzeridwerten und Patienten mit kardivaskulären Erkrankungen könnten allerdings von der Einnahme höherer Dosen an Omega-3-Fettsäuren, als diese in Lebensmitteln vorkommen profitieren, so daß bei diesen Personen nach Rücksprache mit ihrem Arzt eine Supplementation in Erwägung gezogen werden kann [25].

Die American Cancer Society informiert auf ihrer Homepage, daß zum jetzigen Zeitpunkt keine Beweise hinsichtlich der Effektivität von Nahrungsergänzungsmitteln in der Krebstherapie vorlägen. Darüber hinaus wird gewarnt, daß einige Inhaltstoffe negative Wirkungen haben können, wie beispielsweise eine Reduktion der Effektivität einer Chemo- oder Strahlentherapie. Die Einnahme von Supplementen wird nicht generell abgelehnt, die individuell angepaßte Entscheidung solle aber nur in Rücksprache mit dem Arzt erfolgen [26].

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weist in ihrem World Health Report 2002 darauf hin, daß in bezug auf die Unterernährung von Kindern die Supplementation von Eisen, Vitamin A und Zink eine Interventionsmöglichkeit zur Minimierung des Risikos für Mangelzustände an diesen Mikronährstoffen sein könne [27].



Fazit

NEM können - gezielt eingesetzt - dazu beitragen, die Nährstoffversorgung der Gesamtbevölkerung im allgemeinen und bestimmter Bevölkerungsgruppen im besonderen zu verbessern. Bei einigen Nährstoffen, wie beispielsweise bei der Folsäure, ist der Vorteil einer Supplementierung in speziellen Lebenssituationen wissenschaftlich abgesichert, sodaß diese von einschlägigen Institutionen empfohlen wird [13]. Der überwiegende Großteil der Substanzen ist aber noch nicht eingehend auf sein gesundheitsförderndes Potential untersucht. Aus diesem Grund kann keine generelle Empfehlung zur Supplementierung ausgesprochen werden. Vielmehr muß vor einer Selbstmedikation gewarnt werden, weil negative Auswirkungen nicht ausgeschlossen werden können.

Selbst wenn die positiven Aspekte einer Zufuhr von NEM abgesichert sind, so kann diese eine verantwortungsbewußte Ernährungsweise bestenfalls ergänzen, nicht aber ersetzen. Gerade das erhoffen sich aber, Umfragen zufolge, viele KonsumentInnen [1].

Das Angebot an Präparaten zur Nahrungsergänzung ist unüberschaubar und vielfach auch unseriös. Die Grenzen der Legalität werden oft überschritten. Darüber hinaus ist die Rechtslage mitunter unklar, die Kontrolle erfolgt unzureichend. Mit der neuen EU-Richtlinie zu NEM ist allerdings ein erster Schritt getan, eine europaweit gültige Regelung zu installieren.

Gerade weil NEM frei verkäuflich sind, muß der Schutz des Konsumenten besonders ernst genommen werden. In der momentanen Marktsituation ist dieser aber nur unzureichend gegeben, wie man anhand der vielen - illegalen - gesundheitsbezogenen Angaben und Wirkversprechen sehen kann.

Als Anforderungen an NEM für die Zukunft müssen also Wirksamkeitsnachweise einerseits und umfassender Konsumentenschutz andererseits gefordert werden.

Literatur:

1. Hahn A, Wolters M. Nahrungsergänzungsmittel - eine Bestandsaufnahme. Erno 2000; 1: 167-75.

2. Muermann B. Nahrungsergänzungsmittel - europäische Entwicklungen. Ernährungs-Umschau 2002; 49: 309-11.

3. Hahn A. Nahrungsergänzungsmittel. Deutscher Apotheker Verlag, Stuttgart, 2000.

4. Grossklaus R. Die Bewertung von Nahrungsergänzungsmitteln aus der Sicht des Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetzes. Ernährungs-Umschau 2000; 47: 132-41.

5. Read MH, Bock MA, Carpenter K, Medeiros D, Oritz M, Raab C, Schutz H, Sheehan E, Williams DK. Health beliefs and supplement use: adults in seven western states. J Am Diet Assoc 1989; 89: 1812-3.

6. Fischer B, Döring A. Häufigkeit der Einnahme von Vitamin- und Mineralstoffpräparaten. Vergleich nationaler und internationaler Studien. Ernährungs-Umschau 1999; 46: 44-7.

7. Klipstein-Grobusch K, Kroke A, Voss S, Boeing H. Einfluss von Lebensstilfaktoren auf die Verwendung von Supplementen in der Brandenburger Ernährungs- und Krebsstudie. Z Ernährungswiss 1998; 37: 38-46.

8. Mensink GBM, Ströbel A. Einnahme von Nahrungsergänzungspräparaten und Ernährungsverhalten. Gesundheitswesen 1999; 61 (Sonderheft 2): S132-S137.

9. Bodenbach S, Weinkauf B. Die Einnahme von Vitaminpräparaten in Deutschland. Z Ernährungswiss 1997; 36: 57-8.

10. Slesinski MJ, Subar AF, Kahle LL. Dietary intake of fat, fiber and other nutrients is related to the use of vitamin and mineral supplements in the United States: The 1992 National Health Interview Survey. J Nutr 1996; 126: 3001-8.

11. NN. Functional Food - gesunde Geschäfte. Konsument 2001; 8: 6-9.

12. Joint WHO/FAO expert consultation on diet, nutrition and the prevention of chronic diseases. Draft: diet, nutrition and the prevention of chronic diseases. WHO, Geneva, 2002.

13. Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Österreichische Gesellschaft für Ernährung, Schweizerische Gesellschaft für Ernährungsforschung, Schweizerische Vereinigung für Ernährung. D-A-CH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr. Umschau Braus, Frankfurt am Main, 2000.

14. Elmadfa I, Burger P, König J, Derndorfer E, Kiefer I, Kunze M, Leimüller G, Manafi M, Mecl H, Papathanasiou V, Rust P, Vojir F, Wagner K-H, Zarfl B. Österreichischer Ernährungsbericht 1998. Institut für Ernährungswissenschaften der Universität Wien, Wien, 1998.

15. Green NS. Folic acid supplementation and prevention of birth defects. J Nutr 2002; 132 (Suppl 8): 2356S-2360S.

16. Shea B, Wells G, Cranney A, Zytaruk N, Robinson V, Griffith L, Ortiz Z, Peterson J, Adachi J, Tugwell P, Guyatt G; The Osteoporosis Methodology Group and The Osteoporosis Research Advisory Group. Meta-analyses of therapies for postmenopausal osteoporosis. VII. Meta-analysis of calcium supplementation for the prevention of postmenopausal osteoporosis. Endocr Rev 2002; 23: 552-9.

17. Reid ME, Duffield-Lillico AJ, Garland L, Turnbull BW, Clark LC, Marshall JR. Selenium supplementation and lung cancer incidence: an update of the nutritional prevention of cancer trial. Cancer Epidemiol Biomarkers Prev 2002; 11: 1285-91.

18. Yusuf S, Dagenais G, Pogue J, Bosch J, Sleight P. Vitamin E supplementation and cardiovascular events in high-risk patients. The Heart Outcomes Prevention Evaluation Study Investigators. N Engl J Med 2000; 20: 154-60.

19. The Alpha-Tocopherol, Beta Carotene Cancer Prevention Study Group. The effect of vitamin E and beta carotene on the incidence of lung cancer and other cancers in male smokers. N Engl J Med 1994; 330: 1029-35.

20. Omenn GS, Goodman GE, Thornquist MD, Balmes J, Cullen MR, Glass A, Keogh JP, Meyskens FL Jr, Valanis B, Williams JH Jr, Barnhart S, Cherniack MG, Brodkin CA, Hammar S. Risk factors for lung cancer and for intervention effects in CARET, the Beta-Carotene and Retinol Efficacy Trial. J Natl Cancer Inst 1996; 88: 1550-9.

21. Kucuk O, Sarkar FH, Djuric Z, Sakr W, Pollak MN, Khachik F, Banerjee M, Bertram JS, Wood DP. Effects of lycopene supplementation in patients with localized prostate cancer. Exp Biol Med 2002; 227: 881-5.

22. Keith ME, Jeejeebhoy KN, Langer A, Kurian R, Barr A, O'Kelly B, Sole MJ. A controlled clinical trial of vitamin E supplementation in patients with congestive heart failure. Am J Clin Nutr 2001; 73: 219-24.

23. Thiel RJ. Natural vitamins may be superior to synthetic ones. Med Hypothesis 2000; 55: 461-9.

24. Elmadfa I, Leitzmann C. Ernährung des Menschen. Ulmer, Stuttgart, 1998.

25. http://www.americanheart.org

26. http://www.cancer.org

27. World Health Organization. The World Health Report 2002. WHO, Geneva, 2002.

Aus dem Institut für Sozialmedizin der Universität Wien

Korrespondenzadresse: Univ.-Doz. Dr. Ingrid Kiefer, Institut für Sozialmedizin der Universität Wien, A-1090 Wien, Rooseveltplatz 3;

E-Mail: ingrid.kiefer@univie.ac.at

 
copyright © 2003-2006 Krause & Pachernegg | powered by cybirion.com
 
Werbung