Krause und Pachernegg
Verlag für Medizin und Wirtschaft
 
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Jarisch R
NEU-rodermitis: Was ist neu, was ist bewährt?

Journal für Pneumologie 2016; 4 (1): 30-33

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Keywords: HautbarriereImmundysregulationImmuntherapieKlimaNeurodermitis

Die Neurodermitis (atopische Dermatitis, AD) ist eine genetisch bedingte Erkrankung der Haut mit Neigung zu trockener Haut und Ekzemen und ist oft Vorläufer für Rhinitis, Asthma und Nahrungsmittelallergien. Die Prävalenz ist klimaabhängig und erreicht 25 % in Nordeuropa und nur 1 % an den Küsten Südeuropas. Luftfeuchtigkeit und Sonnenbestrahlung heilen bzw. verhindern das Auftreten. Grundlage der Erkrankung ist eine veränderte Hautbarriere und Immundysregulation. Das Fehlen von Filaggrinen führt zu einem Feuchtigkeitsverlust des Stratum corneum und zu einer Erhöhung des transepidermalen Wasserverlusts. Veränderungen der „innate immunity“ führen zu einer Reduktion der antimikrobiellen Peptide. Besiedelung der Haut mit den Superantigenen Staphylokokkus aureus und Pityrosporum ovale führt zu einer Verschlechterung der Ekzeme. Statt Antibiotikagabe empfiehlt sich die Waschung der Haut mit „Stellisept med Waschlotion“, das von orthopädischen Chirurgen präoperativ eingesetzt wird. Neben Reinigung der Haut ist auch die Reinigung der Naseneingänge (besonders starke Besiedelung von S. aureus) wichtig.
Das Adhäsionsmolekül Claudin-1 ist hochsignifikant invers zu den Eosinophilen und dem Gesamt-IgE-Spiegel und kann zur Therapiekontrolle herangezogen werden. Claudin-1-Mangel erhöht das Risiko für das Auftreten viraler Erkrankungen der Haut wie Ekzema herpeticatum und Mollusca contagiosa. IL-4 und IL-17 sind erhöht; IL-4-Antikörper können therapeutisch eingesetzt werden.
„First line“-Therapie sind tägliche Ölbäder (pH-5-Eucerin) und Cremes (Ultrasicc), die im Sauren gepuffert und pH stabilisiert sind. Bei Schüben sind Kortisonexterna „First line“-Therapie, gefolgt von Calcineurin-Inhibitoren (Tacrolimussalben zwei Mal wöchentlich). Die Vitamine B6, C und D sind therapeutisch wirksam.
Der Histaminspiegel ist in schweren Fällen erhöht. Histamin-Intoleranz findet sich in einer Subgruppe der Patienten. Da Histamin die Differenzierung der epidermalen Keratinozyten und die Funktion der Hautbarriere unterdrückt, ist die Gabe von Antihistaminika und eine histaminfreie Diät sinnvoll. Bei Hausstaubmilben- oder Pollenallergie mit Rhinitis und Asthma ist eine Allergen-Immuntherapie wirksam und indiziert. Therapieerfolge mit monoklonalen anti-IgE-Antikörpern (Omalizumab) konnten bei Patienten mit fehlender Filaggrin-Mutation gesehen werden.
In Summe ist die AD heute in der Hand des Dermatologen eine gut behandelbare Erkrankung mit Aussicht auf Spontanheilung.
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