Journal für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie 2025; 26 (2): 39-47
Volltext (PDF) Summary
Keywords: Angsterkrankung, antidepressive Therapie, Demenz, Phytotherapie, Psychiatrie, unipolare Depression, antidepressant therapy, anxiety disease, dementia, phytotherapy, unipolar depression
In order to adapt to situations threatening health or life, a physiological response of fear is of utmost importance. If, however, fear occurs without a real threat and thus impairs the quality of life and overall functionality of a patient, it is considered pathological. Anxiety diseases are the most common psychiatric diseases and are often associated with depression and further psychosomatic and cognitive symptoms. Pathophysiologically, they are multifactorial diseases resulting from an interplay of genetic and environmental factors. Since the COVID-19 pandemic, an increase in their incidence was observed. A precise evaluation of the individual symptoms and comorbid conditions including the medical history is vital in ensuring the right diagnosis and best possible individual treatment.
To enable the best possible quality of life and overall functionality, as well as to minimize the risk of chronicity, early initiation of an adequate therapy is necessary. The main pillars of the recommended treatment include psychotherapy and psychopharmacotherapy, whereby a steadily growing demand for phytopharmacotherapeutic substances was observed especially in the last decades. Therefore, promising phytotherapeutic agents have increasingly been studied in systematic international research projects. Currently, the lavender oil preparation Silexan® shows the best evidence for the treatment of anxiety diseases and depression, as well as the frequently associated sleep disturbances and psychosomatic symptoms. In mild to moderate depressive episodes, the St. John‘s wort extract WS®5570 may also be considered based on the available data. In the treatment of stress symptoms and exhaustion, positive effects have been reported for Rhodiola rosea extract SHR-5, which acts as a herbal adaptogen. Furthermore, the specialized extract EGb 761®, derived from Ginkgo biloba L., represents an evidence-based option for mild cognitive symptoms, such as in the context of Mild Cognitive Impairment (MCI). This extract has also repeatedly shown positive effects on associated neuropsychiatric symptoms, which frequently occur in the course of dementia.
Kurzfassung: Um schnelle Anpassungen in Gefahrensituationen
zu ermöglichen, ist die physiologische
Angstreaktion essenziell und evolutionär
entscheidend. Tritt die Angst hingegen ohne reale
Bedrohung auf und beeinträchtigt das Leben der
Betroffenen, wird sie als pathologisch betrachtet.
Angsterkrankungen gehören zu den häufigsten
psychiatrischen Erkrankungen und treten oft gemeinsam
mit Depressionen auf. Die Entstehung
von Angsterkrankungen und der Depression ist als
multifaktoriell anzusehen, wobei das Zusammenspiel
zwischen genetischen und Umweltfaktoren
von entscheidender Bedeutung ist. Seit der COVID-
19-Pandemie konnte eine Steigerung der Prävalenzraten
dieser Erkrankungen beobachtet werden. Um
die korrekte Diagnose stellen zu können und somit
den Patienten die optimale Behandlung anbieten zu
können, ist eine sorgfältige Anamnese und der Ausschluss
organischer Ursachen essenziell.
Entscheidend ist eine frühzeitige und angemessene
Therapie, um eine Chronifizierung zu vermeiden
und den Betroffenen die bestmögliche Lebensqualität
und Funktionalität zu ermöglichen. Zu den Hauptpfeilern
der Behandlung zählen Psychotherapie und
Psychopharmakotherapie, wobei die Nachfrage nach
pflanzlichen Arzneimitteln für psychiatrische Erkrankungen
von Patienten häufig thematisiert wird.
Daher wurden pflanzliche Substanzen, die sich in
der Vergangenheit als wirksam erwiesen haben, im
Rahmen diverser Forschungsarbeiten zunehmend
systematisch untersucht. Hierbei weist aktuell das
Lavendelölpräparat Silexan® eine gute Evidenzlage
für die Behandlung von Angsterkrankungen und
der Depression sowie der häufig assoziierten Schlafstörungen
und psychosomatischen Beschwerden
auf. Bei milden bis moderaten depressiven Episoden
kann anhand der vorliegenden Datenbasis auch der
Johanniskrautextrakt WS®5570 erwogen werden.
Für die Behandlung von Stresssymptomen und Erschöpfungszuständen
wurden positive Effekte für
den als pflanzliches Adaptogen wirkenden Rosenwurzextrakt
berichtet. Bei milden kognitiven Beeinträchtigungen,
wie es beispielsweise im Rahmen des
sog. „Mild Cognitive Impairments“ (MCI) der Fall ist,
kann der aus Ginkgo biloba L. hergestellte Spezialextrakt
EGb 761® evidenzbasiert eingesetzt werden.
Dieser zeigte wiederholt positive Auswirkungen
auf assoziierte neuropsychiatrische Symptome, die
häufig im Rahmen dementieller Erkrankungen auftreten.
