Journal für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie 2025; 26 (1): 3-8
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Keywords: chronisch entzündliche Darmerkrankungen, Immunsuppression-Kombinationstherapie, Multiple Sklerose, TNF-alpha-Inhibitor, chronic inflammatory bowel disease, combination therapy, immunosuppression, multiple sclerosis
The coexistence of two different autoimmune diseases, such as Multiple Sclerosis (MS) and Chronic Inflammatory Bowel Disease (IBD), is frequently reported and presents specific challenges for treatment. The therapeutic interactions are complex, as medications like TNF-alpha inhibitors can trigger the onset of MS, while other treatments (natalizumab, ozanimod) show efficacy against both diseases.
The following presents two patients suffering primarily from IBD who developed a demyelinating disease while undergoing treatment with TNF-alpha inhibitors. Even after discontinuation the TNF-alpha inhibitor the MRI lesions persisted or progressed, so that a MS with positive oligoclonal bands was diagnosed. The demyelinating lesions were not considered solely a side effect associated with TNF-alpha inhibitors. Initially, we attempted an immunosuppression monotherapy with reported effects against both diseases.
Both patients were initially treated with ozanimod. This resulted in satisfactory control of MS in both patients, but initially not of the IBD. Only with dual immunosuppression using vedolizumab, a gut-specific alpha-integrin antagonist, in addition to ozanimod good control of the IBD was achieved. One patient has been symptom- and side-effect-free for 22 months on this combination therapy. The other patient was switched back to monotherapy with ozanimod after 4 months due to nonspecific side effects, and she is now also symptom-free regarding both diseases.
Finally, we give an overview of the evidence of dual immunosuppression in IBD and MS. More data about the combination of immunosuppressants are needed, particularly with respect to potential side effects such as opportunistic infections.
Kurzfassung: Das gemeinsame Auftreten von
zwei verschiedenen Autoimmunerkrankungen wie
einer Multiplen Sklerose (MS) und einer chronisch
entzündlichen Darmerkrankung (CED) wird gehäuft
beschrieben und stellt die Therapie vor spezifische
Herausforderungen. Die therapeutischen Interaktionen
sind komplex, da einerseits Medikamente
wie TNF-alpha-Inhibitoren das Auftreten der MS
triggern können, andererseits andere Präparate (Natalizumab,
Ozanimod) eine Wirksamkeit gegen beide
Erkrankungen entfalten.
Im Folgenden werden zwei Patienten vorgestellt,
die primär an einer CED erkrankten und jeweils
unter einer Therapie mit TNF-alpha-Inhibitoren
eine demyelinisierende Erkrankung entwickelten.
Auch nach Absetzen des TNF-alpha-Inhibitors persistierten
die demyelinisierenden MRT-Läsionen
bzw. zeigten einen Progress, sodass bei positiven
oligoklonalen
Banden eine MS diagnostiziert wurde
und die demyelinisierenden Läsionen nicht nur als
reine TNF-alpha-Inhibitor-assoziierte Nebenwirkung
eingestuft wurden. Primär wurde versucht, die
Patienten auf eine Monoimmunsuppression einzustellen,
die gegen beide Erkrankungen wirksam ist.
Beide Patienten wurden zunächst auf Ozanimod
eingestellt. Darunter kam es bei beiden Patienten zu
einer zufriedenstellenden Kontrolle der MS, jedoch
zunächst nicht der CED. Erst unter einer dualen Immunsuppression
mit Vedolizumab, einem darmspezifischen
Alpha-Integrin-Antagonisten, zusätzlich zu
Ozanimod kam es zu einer guten Kontrolle der CED.
Ein Patient ist seit 22 Monaten unter dieser Kombinationstherapie
beschwerde- und nebenwirkungsfrei.
Die andere Patientin wurde nach 4 Monaten wegen
unspezifischer Nebenwirkungen auf eine Monotherapie
mit Ozanimod zurückgesetzt, unter der sie
jetzt ebenfalls in Bezug auf beide Erkrankungen beschwerdefrei
ist.
Zuletzt wird ein Überblick über die Datenlage von
dualer Immunsuppression bei CED und MS gegeben.
Mehr Daten über Kombinationstherapien sind notwendig,
vor allem in Hinblick auf Sicherheit bezüglich
opportunistischer Infektionen.
