Echokardiographie aktuell: Diagnose einer Typ-A-Aortendissektion mittels transthorakaler Echokardiographie
Journal für Kardiologie - Austrian Journal of Cardiology 2005; 12 (9-10): 244-245
Volltext (PDF) Fallbeschreibung Abbildungen mit Filmsequenzen
Keywords: Aortendissektion, Echokardiographie, Fallbericht
Vorgeschichte: Ein 57jĂ€hriger Patient wurde unserer Abteilung von einem auswĂ€rtigen Krankenhaus wegen rezidivierender Angina pectoris mit ziehendem Schmerz bis in das linke Schulterblatt zur Koronarangiographie zugewiesen. Die Beschwerden hatten bereits zehn Tage zuvor plötzlich begonnen. Weiters gab der Patient eine PrĂ€synkope an und klagte ĂŒber Heiserkeit. Das Labor zeigte eine infarkttypische Konstellation mit Erhöhung von CK, CK-MB, LDH, GOT und Troponin T. Im EKG fand sich ein Sinusrhythmus mit prĂ€terminal negativen T-Wellen in den Ableitungen II, III und aVF. Der Blutdruck wurde bei Aufnahme mit 136/76 mmHg gemessen. Auskultatorisch fiel ein diastolisches Decrescendo-GerĂ€usch auf, weshalb vor der geplanten Herzkatheteruntersuchung noch eine transthorakale Echokardiographie durchgefĂŒhrt wurde. Echokardiographie: Dabei zeigten sich im parasternalen LĂ€ngsschnitt ein normal groĂer, leicht hypertrophierter linker Ventrikel, ein dilatierter linker Vorhof und ein minimaler PerikarderguĂ. Die Mitral- wie auch die Aortenklappe waren morphologisch unauffĂ€llig. Bereits von dieser ersten Anlotstelle aus fiel eine deutliche Dilatation der Aorta ascendens mit einem maximalen Durchmesser von 54 mm auf. Vom Sinus Valsalvae offenbar schrĂ€g durch das Lumen der dilatierten Aorta verlaufend, lieĂ sich eine flottierende Struktur darstellen, hochgradig verdĂ€chtig auf einen Intima-Flap bei Aortendissektion (Abb. 1). Im apikalen FĂŒnfkammerblick zeigten sich ein hyperdynamer linker Ventrikel sowie eine mĂ€Ăige Mitralringverkalkung. An der Aortenklappe selbst waren auch von dieser Schallkopfposition aus keine AuffĂ€lligkeiten zu erkennen. Etwa 1 cm distal der Klappe zeigte sich jedoch wiederum eine â nunmehr quer durch das Aortenlumen verlaufende â Struktur, offenbar einer Dissektionsmembran entsprechend (Abb. 2). Farbdopplerechokardiographisch war eine deutliche Regurgitation durch die Aortenklappe zu erkennen (Abb. 3). Die mittels CW-Doppler bestimmte Druckhalbwertszeit des Regurgitationssignals betrug ca. 270 ms (Abb. 4) und wies somit auf eine mittel- bis höhergradige Aorteninsuffizienz hin. Auf einem modifizierten, durch die Aorta ascendens gelegten, parasternalen Kurzachsenschnitt war schlieĂlich die Dissektionsmembran klar zu erkennen (Abb. 5), sodaĂ bereits von transthorakal die Diagnose Typ-A-Aortendissektion mit hĂ€modynamisch wirksamer Aorteninsuffizienz gestellt werden konnte. Weiterer Verlauf: Von der ursprĂŒnglich geplanten Herzkatheteruntersuchung wurde aufgrund dieses Befundes Abstand genommen und der Patient stattdessen unverzĂŒglich zur Computertomographie gebracht. Darin wurde die echokardiographische Diagnose bestĂ€tigt: Dissezierendes Aneurysma der Aorta ascendens, Stanford Typ A bzw. DeBakey Typ II, die Dissektionsmembran vom Aortensinus bis in den Aortenbogen reichend, das wahre Lumen kleiner als das falsche, die Aorta descendens unauffĂ€llig (Abb. 6). Aufgrund dieses Befundes wurde der Patient sofort an die Abteilung fĂŒr Herzchirurgie transferiert. In einer Akutoperation wurden die gesamte Aorta ascendens sowie die Aortenklappe reseziert und durch ein klappentragendes Conduit ersetzt, die Koronarostien in modifizierter Cabrol-Technik reimplantiert. UnglĂŒcklicherweise verstarb der Patient trotz aller intensivmedizinischer MaĂnahmen bereits einen Tag spĂ€ter an einem Pumpversagen des linken Ventrikels. Diskussion: Angina pectoris, EKG und Labor haben zunĂ€chst den Verdacht auf ein akutes Koronarsyndrom erweckt. Bei genauerer Betrachtung der Anamnese mit plötzlichem Beginn der Schmerzen und Ausstrahlung derselben bis in das linke Schulterblatt sowie PrĂ€synkope und Heiserkeit muĂte man jedoch auch an eine Aortendissektion denken. Wegweisend war sicherlich die Auskultation des Diastolikums als Hinweis auf eine bedeutsame Aorteninsuffizienz, als deren Ursache sich dann echokardiographisch die Aortendissektion herausstellte. Zur Dissektion dĂŒrfte es wohl schon zu Schmerzbeginn, also etwa zehn Tage vor Diagnosestellung gekommen sein. Dies ist insofern bemerkenswert, als die akute Typ-A-Aortendissektion unbehandelt bereits in den ersten Tagen eine sehr hohe LetalitĂ€t aufweist. Bei unserem Patienten konnte trotz Operation im subakuten Stadium der fatale Ausgang letztlich nicht verhindert werden. Echokardiographie und Computertomographie sind die wichtigsten bildgebenden Verfahren in der Diagnostik der akuten Aortendissektion [1].
Journal für Kardiologie - Austrian Journal of Cardiology 2005; 12 (9-10): 244-245
Volltext (PDF) Fallbeschreibung Abbildungen mit Filmsequenzen
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Keywords: Aortendissektion, Echokardiographie, Fallbericht
Vorgeschichte: Ein 57jĂ€hriger Patient wurde unserer Abteilung von einem auswĂ€rtigen Krankenhaus wegen rezidivierender Angina pectoris mit ziehendem Schmerz bis in das linke Schulterblatt zur Koronarangiographie zugewiesen. Die Beschwerden hatten bereits zehn Tage zuvor plötzlich begonnen. Weiters gab der Patient eine PrĂ€synkope an und klagte ĂŒber Heiserkeit. Das Labor zeigte eine infarkttypische Konstellation mit Erhöhung von CK, CK-MB, LDH, GOT und Troponin T. Im EKG fand sich ein Sinusrhythmus mit prĂ€terminal negativen T-Wellen in den Ableitungen II, III und aVF. Der Blutdruck wurde bei Aufnahme mit 136/76 mmHg gemessen. Auskultatorisch fiel ein diastolisches Decrescendo-GerĂ€usch auf, weshalb vor der geplanten Herzkatheteruntersuchung noch eine transthorakale Echokardiographie durchgefĂŒhrt wurde. Echokardiographie: Dabei zeigten sich im parasternalen LĂ€ngsschnitt ein normal groĂer, leicht hypertrophierter linker Ventrikel, ein dilatierter linker Vorhof und ein minimaler PerikarderguĂ. Die Mitral- wie auch die Aortenklappe waren morphologisch unauffĂ€llig. Bereits von dieser ersten Anlotstelle aus fiel eine deutliche Dilatation der Aorta ascendens mit einem maximalen Durchmesser von 54 mm auf. Vom Sinus Valsalvae offenbar schrĂ€g durch das Lumen der dilatierten Aorta verlaufend, lieĂ sich eine flottierende Struktur darstellen, hochgradig verdĂ€chtig auf einen Intima-Flap bei Aortendissektion (Abb. 1). Im apikalen FĂŒnfkammerblick zeigten sich ein hyperdynamer linker Ventrikel sowie eine mĂ€Ăige Mitralringverkalkung. An der Aortenklappe selbst waren auch von dieser Schallkopfposition aus keine AuffĂ€lligkeiten zu erkennen. Etwa 1 cm distal der Klappe zeigte sich jedoch wiederum eine â nunmehr quer durch das Aortenlumen verlaufende â Struktur, offenbar einer Dissektionsmembran entsprechend (Abb. 2). Farbdopplerechokardiographisch war eine deutliche Regurgitation durch die Aortenklappe zu erkennen (Abb. 3). Die mittels CW-Doppler bestimmte Druckhalbwertszeit des Regurgitationssignals betrug ca. 270 ms (Abb. 4) und wies somit auf eine mittel- bis höhergradige Aorteninsuffizienz hin. Auf einem modifizierten, durch die Aorta ascendens gelegten, parasternalen Kurzachsenschnitt war schlieĂlich die Dissektionsmembran klar zu erkennen (Abb. 5), sodaĂ bereits von transthorakal die Diagnose Typ-A-Aortendissektion mit hĂ€modynamisch wirksamer Aorteninsuffizienz gestellt werden konnte. Weiterer Verlauf: Von der ursprĂŒnglich geplanten Herzkatheteruntersuchung wurde aufgrund dieses Befundes Abstand genommen und der Patient stattdessen unverzĂŒglich zur Computertomographie gebracht. Darin wurde die echokardiographische Diagnose bestĂ€tigt: Dissezierendes Aneurysma der Aorta ascendens, Stanford Typ A bzw. DeBakey Typ II, die Dissektionsmembran vom Aortensinus bis in den Aortenbogen reichend, das wahre Lumen kleiner als das falsche, die Aorta descendens unauffĂ€llig (Abb. 6). Aufgrund dieses Befundes wurde der Patient sofort an die Abteilung fĂŒr Herzchirurgie transferiert. In einer Akutoperation wurden die gesamte Aorta ascendens sowie die Aortenklappe reseziert und durch ein klappentragendes Conduit ersetzt, die Koronarostien in modifizierter Cabrol-Technik reimplantiert. UnglĂŒcklicherweise verstarb der Patient trotz aller intensivmedizinischer MaĂnahmen bereits einen Tag spĂ€ter an einem Pumpversagen des linken Ventrikels. Diskussion: Angina pectoris, EKG und Labor haben zunĂ€chst den Verdacht auf ein akutes Koronarsyndrom erweckt. Bei genauerer Betrachtung der Anamnese mit plötzlichem Beginn der Schmerzen und Ausstrahlung derselben bis in das linke Schulterblatt sowie PrĂ€synkope und Heiserkeit muĂte man jedoch auch an eine Aortendissektion denken. Wegweisend war sicherlich die Auskultation des Diastolikums als Hinweis auf eine bedeutsame Aorteninsuffizienz, als deren Ursache sich dann echokardiographisch die Aortendissektion herausstellte. Zur Dissektion dĂŒrfte es wohl schon zu Schmerzbeginn, also etwa zehn Tage vor Diagnosestellung gekommen sein. Dies ist insofern bemerkenswert, als die akute Typ-A-Aortendissektion unbehandelt bereits in den ersten Tagen eine sehr hohe LetalitĂ€t aufweist. Bei unserem Patienten konnte trotz Operation im subakuten Stadium der fatale Ausgang letztlich nicht verhindert werden. Echokardiographie und Computertomographie sind die wichtigsten bildgebenden Verfahren in der Diagnostik der akuten Aortendissektion [1].
