Zum Nutzen der sogenannten "hochsensitiven" kardialen Troponinbestimmung in der klinischen Routine
Journal für Kardiologie - Austrian Journal of Cardiology 2010; 17 (9-10): 343-350
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Keywords: Troponin
Die Bestimmung des kardialen Troponins ist der goldene Standard in der Labordiagnostik des akuten Koronarsyndroms und hat schon seit vielen Jahren die Kreatinkinase-MBBestimmung in den Richtlinien der kardiologischen Fachgesellschaften verdrĂ€ngt. In der ursprĂŒnglichen Ăberarbeitung der Diagnosekriterien eines akuten Myokardinfarktes aus dem Jahr 2000 wurden sehr hohe Ziele an die PrĂ€zision der Troponintests im unteren Messbereich formuliert (Variationskoeffizient < 10 % an der oberen Normgrenze, die abweichend vom gĂ€ngigen Standard in der Labormedizin nicht als 97,5 %, sondern als 99-%-Perzentile der Messergebnisse in der Referenzpopulation definiert wurde), die zu diesem Zeitpunkt von keinem Routinetest erreicht werden konnten. Diese Kriterien, die auch in der universellen Definition des Herzinfarktes von 2007 bestĂ€tigt wurden, waren jedoch der Ausgangspunkt zur Entwicklung immer sensitiverer und prĂ€ziserer Troponintests. Mittlerweile sind die ersten âhochsensitivenâ Tests zugelassen worden, die diese hohen Anforderungen an die Messgenauigkeit erfĂŒllen. Diese analytischen Verbesserungen fĂŒhrten zu einer höheren klinischen frĂŒhen SensitivitĂ€t in der Infarktdiagnostik, allerdings auf Kosten der klinischen SpezifitĂ€t fĂŒr das Vorliegen eines akuten Koronarsyndroms. Mit diesen Tests kann im Gegensatz zu den Ă€lteren Testgenerationen auch bei einem GroĂteil von klinisch offensichtlich Herzgesunden das kardiale Troponin im Blut nachgewiesen werden, der Anteil jener Patienten ohne akutes Koronarsyndrom aber mit nachweisbarem Troponin nimmt deutlich zu. Daher wird die Interpretation der Messergebnisse sicherlich nicht leichter und serielle Blutabnahmen zur Differenzierung akuter und chronischer MyokardschĂ€digung bei leicht erhöhten Werten werden im klinischen Alltag noch wichtiger als bisher. Ebenso wichtig ist es, einen positiven Troponinwert nicht mit dem Vorliegen eines akuten Koronarsyndroms gleichzusetzen, diese Diagnose erfordert die Synthese von Klinik, EKG, Bildgebung und dem Troponinmessergebnis. Zahlreiche weitere Ursachen fĂŒr akute und chronische MyokardschĂ€digungen mĂŒssen beachtet werden.
Journal für Kardiologie - Austrian Journal of Cardiology 2010; 17 (9-10): 343-350
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Die Bestimmung des kardialen Troponins ist der goldene Standard in der Labordiagnostik des akuten Koronarsyndroms und hat schon seit vielen Jahren die Kreatinkinase-MBBestimmung in den Richtlinien der kardiologischen Fachgesellschaften verdrĂ€ngt. In der ursprĂŒnglichen Ăberarbeitung der Diagnosekriterien eines akuten Myokardinfarktes aus dem Jahr 2000 wurden sehr hohe Ziele an die PrĂ€zision der Troponintests im unteren Messbereich formuliert (Variationskoeffizient < 10 % an der oberen Normgrenze, die abweichend vom gĂ€ngigen Standard in der Labormedizin nicht als 97,5 %, sondern als 99-%-Perzentile der Messergebnisse in der Referenzpopulation definiert wurde), die zu diesem Zeitpunkt von keinem Routinetest erreicht werden konnten. Diese Kriterien, die auch in der universellen Definition des Herzinfarktes von 2007 bestĂ€tigt wurden, waren jedoch der Ausgangspunkt zur Entwicklung immer sensitiverer und prĂ€ziserer Troponintests. Mittlerweile sind die ersten âhochsensitivenâ Tests zugelassen worden, die diese hohen Anforderungen an die Messgenauigkeit erfĂŒllen. Diese analytischen Verbesserungen fĂŒhrten zu einer höheren klinischen frĂŒhen SensitivitĂ€t in der Infarktdiagnostik, allerdings auf Kosten der klinischen SpezifitĂ€t fĂŒr das Vorliegen eines akuten Koronarsyndroms. Mit diesen Tests kann im Gegensatz zu den Ă€lteren Testgenerationen auch bei einem GroĂteil von klinisch offensichtlich Herzgesunden das kardiale Troponin im Blut nachgewiesen werden, der Anteil jener Patienten ohne akutes Koronarsyndrom aber mit nachweisbarem Troponin nimmt deutlich zu. Daher wird die Interpretation der Messergebnisse sicherlich nicht leichter und serielle Blutabnahmen zur Differenzierung akuter und chronischer MyokardschĂ€digung bei leicht erhöhten Werten werden im klinischen Alltag noch wichtiger als bisher. Ebenso wichtig ist es, einen positiven Troponinwert nicht mit dem Vorliegen eines akuten Koronarsyndroms gleichzusetzen, diese Diagnose erfordert die Synthese von Klinik, EKG, Bildgebung und dem Troponinmessergebnis. Zahlreiche weitere Ursachen fĂŒr akute und chronische MyokardschĂ€digungen mĂŒssen beachtet werden.
