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Praxisrelevanz
Rutz W
Depression und Suizidalität bei Männern in Europa: Ein Problem männlichen psychischen Leidens und männlicher Suizidalität

Journal für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie 2010; 11 (3): 46-52

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Die geschlechtsspezifische personenbezogene Diagnostik und Therapie psychischer Erkrankungen, insbesondere depressiver Zustände und von Selbstmordneigung ist ein neues und zunehmend wichtiges Feld öffentlicher und individueller Gesundheitsvorsorge und Krankheitsbehandlung. Die allzu frühzeitige Sterblichkeit von Männern in individueller und gesellschaftlicher Krise wird hierbei als bedeutendes Problem öffentlicher Gesundheit erkannt, für die betroffenen Männer selbst, aber auch ihr Umfeld in der Familie, bei Freunden, auf Arbeitsplätzen und in der sozialen Umgebung. Die Kosten und das Leiden, die direkt und indirekt mit unerkannter und unbehandelter männlicher Depressivität, von ihr bedingter Gewalt, Selbstdestruktivität, Krankheit und gesellschaftlichem Stress verknüpft sind, sind immens. Europäische Regierungen, vor allem in Osteuropa, sowie internationale Organisationen wie die WHO und die Europäische Union, haben das Problem identifiziert, Maßnahmen angemahnt und Projekte initiiert. Eines der Hauptprobleme hierbei ist die mangelhafte Erkennung männlicher Depression und Suizidalität und die männliche Unwilligkeit, Hilfsangebote konventioneller Art in Anspruch zu nehmen. Im Hinblick auf dieses fehlende Hilfesuchenverhalten und die alexithymische Unfähigkeit von Männern, eigene Depression zu erkennen und Schwäche und Hilfebedürfnis rechtzeitig zu signalisieren, wird Hilfe in neuer Art angeboten werden müssen. Screeninginstrumente und aufsuchende Strategien – auf Arbeitsplätzen und in Familien, in Gemeinden, Vereinen und Gewerkschaften – sind gefordert. Lösungsmodelle, teilweise in der Praxis erprobt, wurden in in diesem Kapitel aufgezeigt. Eine weitere Steigerung des Problembewusstseins sowohl professioneller als auch politischer Entscheidungsträger ist jedoch vonnöten. Weitere Evalierungsforschung und Strategieentwicklung sind angezeigt und mögliche Wege wurden beschrieben. Gefordert ist auch eine Verbesserung der Kommunikation zwischen den Geschlechtern, ein gesteigertes Interesse an familienbezogener Aufklärungsarbeit und eine Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Sektoren der Gesellschaft – wie dem Arbeits- und Ausbildungssektor, dem sozialen Sektor, der Krankheits- und Gesundheitsfürsorge und der Justiz. Dabei bedarf es eines multiprofessionellen, multifaktoriellen und multidisziplinären Engagements. Männlicher Depressivität und Suizidalität und ihren vielfältigen Folgen kann vorgebeugt werden. Sie kann erkannt, behandelt und überwacht werden. Psychiatrie und allgemeinärztliche Versorgung stehen hier vor einer entscheidenden Herausforderung hinsichtlich Konsequenzanalyse, Beratung und Problemlösung.
 
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