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Krüger THC  
Hormonelle und zentrale Regulation von sexueller Lust und Bindung

Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie - Journal of Reproductive Medicine and Endocrinology 2011; 8 (Sonderheft 2): 25-29

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Abb. 1: Hirnregion - Sexueller Reiz



Keywords: hormoneLustSexualitätZentrales Nervensystem

Die Psychobiologie menschlichen Sexual- und Bindungsverhaltens ist erst seit wenigen Jahren Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Tierexperimentelle Untersuchungen belegen, dass insbesondere dem vom Dopamin gesteuerten Belohnungssystem, aber auch anderen Neurotransmittern und Hormonen wie Testosteron, Prolaktin und Oxytocin eine führende Rolle in der Regulation von sexueller Lust und Funktionen sowie Partnerbindung zukommen. Vor diesem Hintergrund wurden von uns systematische Untersuchungen zu den hormonellen Effekten von sexueller Erregung und Orgasmus bei Männern und Frauen durchgeführt und neuronale Korrelate für die unterschiedlichen Phasen des sexuellen Reaktionszyklus beschrieben. Zusammenfassend zeigen diese bildgebenden und neuroendokrinen Arbeiten, dass während sexueller Aktivität ein spezifisches Netzwerk neuronaler Strukturen (v. a. Hypothalamus, Cingulum, Frontalhirn und Basalganglien) und hormoneller Faktoren (v. a. Oxytocin, Prolaktin) aktiviert bzw. ausgeschüttet werden. Dieser neuronale Schaltkreis sowie die hormonellen Faktoren sind von erheblicher reproduktiver und verhaltensbiologischer Bedeutung. So sind einige Komponenten beispielsweise auch für das sog. konditionierte Belohnungslernen verantwortlich, das letztlich zu einer stabilen Paarbindung zwischen 2 Geschlechtspartnern führen kann. Ein gewisser Gegenspieler dieses Phänomens ist der sog. Coolidge-Effekt, der ein abnehmendes sexuelles Verlangen bei zunehmender Bekanntheit eines sexuellen Reizes beschreibt und mit einer Verminderung der zentralen Dopaminkonzentration einhergeht. Diese Erkenntnisse sind nicht nur grundlagenwissenschaftlicher Natur. Sie ermöglichen auch die Entwicklung neuer pharmakologischer Ansätze für die Behandlung von sexuellen Funktionsstörungen über z. B. dopaminerge Substanzen oder Neuropeptiden wie Oxytocin. Zudem ist das Wissen um diese neurobiologischen Phänomene auch eine Bereicherung für psycho-/sexualtherapeutische Ansätze, deren Auswirkungen auf die Plastizität des Gehirns nachweisbar sind.
 
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