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Marcus U  
Die Rückkehr der Syphilis

Blickpunkt der Mann 2007; 5 (3): 6-13

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Abb. 1: Syphilisfälle - Deutschland Abb. 2: Syphilis - Aachen Abb. 3: Syphilis - Deutschland



Keywords: AIDSsexually transmitted infectionsexuelle GesundheitSTISyphilis

Begünstigt durch die wirksamen Behandlungsmöglichkeiten mit Penicillin und durch ausgeprägte Verhaltensänderungen besonders gefährdeter Bevölkerungsgruppen im Zuge der AIDS-Epidemie erreichte die Syphilis in Deutschland in den 1990er Jahren einen historischen Tiefstand. Eine durch die sozioökonomischen Umwälzungen in Osteuropa ausgelöste heterosexuelle Syphilisepidemie führte seit Anfang der 1990er Jahre zwar zu sporadischem Import von Syphilis aus Ost- und Südosteuropa nach Deutschland, aber erst die Wiederausbreitung der Syphilis in der Gruppe der Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), führte seit 2000 zu einem nachhaltigen Anstieg der Syphiliszahlen in Deutschland. Derzeit werden ca. ¾ aller Syphilisfälle in Deutschland bei MSM diagnostiziert. In der Gruppe der MSM sind Männer mit gleichzeitig vorliegender HIV-Infektion besonders stark betroffen – sie stellen etwa die Hälfte der Erkrankungen bei MSM. Die Re-Etablierung der Syphilis auf endemischem Niveau bei MSM signalisiert zum einen die Überwindung des "AIDS-Traumas" der 1980er und frühen 1990er Jahre, zum anderen reflektiert sie das Fehlen einer geeigneten, nicht primär auf HIV fokussierten STI- (Sexually Transmitted Infections-) Präventionsstrategie für die zahlenmäßig wachsende Gruppe von mit HIV lebenden MSM. Die augenblickliche epidemiologische Situation wird gekennzeichnet durch ein erhöhtes endemisches Level der Syphiliszirkulation bei MSM, auf dessen Basis sich lokale und regionale "Ausbruchswellen" durch das Land bewegen. Auch in der heterosexuellen Bevölkerung werden – in der Regel kleinere und selbstlimitierende – lokale "Ausbrüche" beobachtet. Hat sich die Syphilis aber erst einmal in gesundheitlich schlecht versorgten, besonders gefährdeten Randgruppen (z. B. drogennehmende Prostituierte) festgesetzt, kann es auch zu langanhaltenden heterosexuellen Infektketten kommen. Die Finanzierung und Bereitstellung der im Infektionsschutzgesetz geforderten Untersuchungs-, Beratungs- und Therapieangebote durch den öffentlichen Gesundheitsdienst durch die zuständigen Länder und Kommunen ist bislang völlig unzureichend.
 
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