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Summary
Schacht E et al.  
Die Wirkung von Alfacalcidol auf den Muskel, das neuromuskuläre System, auf die Sturzgefahr und auf Frakuren

Journal für Mineralstoffwechsel & Muskuloskelettale Erkrankungen 2008; 15 (3): 132-139

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Keywords: AlfacalcidolOsteoporoseVitamin D

Muskelschwäche, neuromuskuläre Defizite, Gleichgewichts- und Gehstörungen sind Manifestationen einer Mobilitätsverschlechterung und erhöhen das Risiko von "intrinsischen" Stürzen. Stürze in höherem Alter brechen Knochen, die Furcht vor Stürzen vermindert das Selbstbewusstsein und körperliche Aktivitäten und dies initiiert einen "Circulus vitiosus". Frakturen werden auch als relevante Folge von Osteoporose angesehen, aber mehr als 90 % der Oberschenkelhalsfrakturen sind sturzbedingt. D-Hormon (1,25[OH]2D; Calcitriol), der aktive Vitamin-D-Metabolit, und sein Rezeptor (VDR) spielen eine bedeutende Rolle bei der Muskelentwicklung. Höheres Alter ist signifikant assoziiert mit reduzierter VDR-Expression in menschlichem Skelettmuskelgewebe, genauso wie mit D-Hormon-abhängigen Veränderungen im Muskelfasertyp, Muskelzelldifferenzierung und -metabolismus. Eine positive Korrelation wurde zwischen der femoralen Muskelkraft und -funktion und Serumspiegeln von D-Hormon bei älteren Frauen und Männern gefunden. Diese Wechselwirkung wurde stark unterstützt durch die jüngst gefundene Tatsache, dass höhere D-Hormon-Spiegel im Serum bei älteren Frauen mit niedrigeren Sturzraten korreliert sind. Alle diese Resultate zusammen lassen vermuten, dass die altersassoziierte Zunahme der Stürze teilweise durch einen Abfall der D-Hormon-Spiegel und des VDR erklärbar ist. Eine eingeschränkte Nierenfunktion ist sehr nachteilig für die Aktivierung von D-Hormon und könnte in Zukunft zur Identifizierung von Patienten mit niederer Knochendichte und Muskelleistung, erhöhtem Sturzund Frakturrisiko führen. Die histochemische Klassifizierung basierend auf Muskelbiopsien offenbarte, dass eine sechsmonatige Behandlung mit 1 µg Alfacalcidol täglich die Zahl und den Durchmesser der "Fast Twitch Typ II A"-Fasern erhöht. Bei älteren osteopenischen Frauen war Calcitriol in der Lage, die Abnahme der physischen Performance zu verzögern. Eine signifikante Reduktion der Sturzrate nach drei Jahren Therapie mit 0,5 µg Calcitriol täglich bei selbständig lebenden, osteopenischen Frauen ohne Vitamin-D-Mangel und insbesondere mit eingeschränkter Nierenfunktion wurde beschrieben. Mit Alfacalcidol, einem vorteilhaften Prodrug von Calcitriol, konnte nach neun Monaten Therapie die Reduktion von Stürzen um 50–70 % bewiesen werden: bei älteren, selbständig lebenden Frauen und Männern mit normalen Vitamin- D-Spiegeln im Serum und bei einer Kalziumaufnahme von mehr als 500 mg Kalzium aus der Diät oder mit einer Kreatinin-Clearance von weniger als 65 ml/min. Metaanalysen auf der Basis von kontrollierten, randomisierten klinischen Studien mit Alfacalcidol und Calcitriol zeigten die höhere Reduktion von Stürzen, vertebralen und nicht vertebralen Frakturen gegenüber genuinem Vitamin D. Die pleiotropen Effekte von Alfacalcidol auf den reduzierten Kalzium-Metabolismus in den Muskeln, auf die Regulierung der Muskelfaserzusammensetzung, auf die erniedrigte Muskelfunktion und neuromuskuläre Koordination sind einzigartig und differenzieren somit diese Therapieform von allen anderen antiosteoporotischen Medikamenten. Die Basis für die Überlegenheit von Alfacalcidol gegenüber genuinem Vitamin D ist die Tatsache, dass Alfacalcidol ohne metabolische Aktivierung in der Niere wirkt und auf diese Weise höhere Konzentrationen von D-Hormon an den Zielorganen, wie z. B. an den Muskeln, Nerven und im Gehirn, auftreten und damit eine erhöhte lokale Expression von VDR. Genuines Vitamin D scheint hauptsächlich bei Vitamin-D-Mangel-Patienten mit normaler Nierenfunktion aktiv zu sein.
 
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