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Gille G et al.  
Der Kinderwunsch Jugendlicher zwischen Wunsch und Wirklichkeit - Ärztliche Gespräche mit jungen Mädchen in Schulen

Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie - Journal of Reproductive Medicine and Endocrinology 2011; 8 (2): 100-107

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Abb. 1: Bedingungsebenen der geschlechtlichen Identitätsbildung



Keywords: GesellschaftswandelVerhältnisprävention

Sexualität und Fortpflanzung gehören zu den pubertätsassoziierten Themen, die im Zentrum des Interesses von Jugendlichen stehen – insbesondere bei Mädchen darüber hinaus auch Menstruation, Zyklus und Kinderwunsch. Dieses Interesse sollte von der Politik, der Schule und von Ärztinnen und Ärzten genutzt werden, jungen Mädchen ein umfassendes Bewusstsein für ihre Fähigkeit zu vermitteln, Kinder bekommen zu können und so dazu beizutragen, den eigenen Körper kennen und schätzen zu lernen. Unverzichtbar sind auch die Kenntnisse zur hormonellen Kontrazeption und zu den die Fruchtbarkeit gefährdenden STDs. Dies betrifft insbesondere die Chlamydien und die HPV-Impfung, damit sie ihren Körper schützen können und die individuelle Fertilität (= Fekundität) nicht bereits auf der Wissensebene scheitert. Es muss zudem ins Bewusstsein gerückt werden, dass die Fruchtbarkeit in aller Regel heute früh einsetzt und wahrscheinlich zunächst im Interesse von Schulabschluss, Ausbildung und Berufstätigkeit über viele Jahre nicht genutzt wird. Das Wissen darum, dass auf der anderen Seite die Fähigkeit, schwanger werden zu können, jenseits des 30. Lebensjahr deutlich abzunehmen beginnt, hilft den Mädchen, den Kinderwunsch an der richtigen Stelle in der Biografie einordnen zu können (Verhaltensprävention). Elterngeld und Kitaplätze ermöglichen zwar vor allem gut ausgebildeten Frauen die Arbeitsmarktpartizipation, aber sie schaffen allein noch keine steigenden Geburtenraten. Solange das Familienleben den gleichen stressenden Ansprüchen an das Qualitätsmanagement unterworfen ist wie die Karriereplanung, sind damit junge Frauen und ihre Familien in aller Regel überfordert. Damit Jugendliche Mut haben zur Familiengründung und insbesondere intelligente und leistungsfähige Mädchen dieses Klima der Hierarchisierung von Berufs- und Familienleben nicht länger über Ausweichverhalten kompensieren müssen, bedarf es über die materielle Anerkennung hinaus vor allem eines gesamtgesellschaftlichen Traditionalisierungsschubes in der Anerkennung von Beziehungs- und Erziehungsleistung (Verhältnisprävention).
 
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