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News-Screen Psychiatrie Journal für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie 2024; 25 (4): 114-115 Volltext (PDF) Praxisrelevanz Die Studie von Minichino et al. (2024) ist die erste Metaanalyse über die Auswirkungen psychotroper Medikamente auf das Darmmikrobiom in klinischen Populationen. Die wichtigsten Erkenntnisse sind: (A) Die Behandlung mit Antipsychotika und Antidepressiva ist mit signifikanten Veränderungen der Diversitätsindizes, der Taxonomie und der Funktionalität des Darmmikrobioms verbunden. (B) Diese Darmmikrobiomparameter zu Beginn waren mit der nachfolgenden therapeutischen Reaktion auf Antidepressiva und Antipsychotika verbunden. (C) Es gab geschlechtsspezifische Unterschiede im Darmmikrobiom, die mit der Exposition gegenüber Antipsychotika in Zusammenhang standen, wobei weibliche Teilnehmerinnen im Vergleich zu männlichen Teilnehmern eine geringere Alpha-Diversität aufwiesen, allerdings weisen die meisten der aufgenommenen Studien erhebliche methodische Einschränkungen auf. Diese Arbeit zeigt, dass Psychopharmaka mit einem veränderten Darmmikrobiom bei Patienten mit psychotischen und affektiven Störungen assoziiert sind und dass die Wechselwirkung zwischen Psychopharmaka und Darmbakterien möglicherweise Aufschluss über die Wirksamkeit und Verträglichkeit bei psychiatrischen Erkrankungen geben kann. Die Erforschung der Wechselwirkung zwischen Psychopharmaka und dem Mikrobiom ist ein relativ neues Feld: Davey et al. (2013) untersuchten die Wirkung des atypischen Antipsychotikums Olanzapin auf das Mikrobiom und den Stoffwechsel von Mäusen. Jiang et al. (2015) zeigten die Wirkung von Antidepressiva (insbesondere SSRIs wie Fluoxetin) auf das Mikrobiom von Mäusen. Zhu et al. (2020) untersuchten den potenziellen Einsatz von Probiotika zur Unterstützung der Wirkung von Antidepressiva bei Patienten mit Depressionen. Cussotto et al. (2019) gaben einen Überblick über Mikrobiomveränderungen durch Psychopharmaka. Vich Vila et al. (2020) untersuchten, wie verschiedene Arten von Antidepressiva das Mikrobiom von Menschen beeinflussen. Die Forscher fanden, dass bestimmte Klassen von Antidepressiva, wie SSRI (z. B. Citalopram), mit einer Veränderung in der bakteriellen Zusammensetzung des Darms assoziiert sind. Diese Studie lieferte wichtige Daten über die Mikrobiomveränderungen in Menschen, die Antidepressiva einnehmen, und trägt dazu bei, die möglichen Langzeitwirkungen auf die psychische und körperliche Gesundheit zu verstehen. Krause et al. (2021) konzentrierten sich darauf, wie Antipsychotika, insbesondere Risperidon, über Veränderungen im Mikrobiom zur Neuroinflammation beitragen können. Diese Studien verdeutlichen, dass Psychopharmaka wie Antidepressiva und Antipsychotika tiefgreifende Auswirkungen auf das Darmmikrobiom haben können. Die Erkenntnis, dass das Mikrobiom nicht nur beeinflusst wird, sondern möglicherweise auch die Wirkung und Nebenwirkungen dieser Medikamente moduliert, führt zu einem wachsenden Interesse an der Entwicklung neuer Behandlungsansätze. Psychobiotika könnten in Zukunft eine vielversprechende Ergänzung zur traditionellen Psychopharmakotherapie darstellen. Vergleiche dazu auch: News-Screen Psychiatrie 2023; 24 (4): 134–136. |
