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Praxisrelevanz
Aigner M
News-Screen Psychiatrie

Journal für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie 2025; 26 (3): 81-82

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In Lancet Psychiatry wurde 2025 eine Netzwerk-Meta-Analyse zur ADHS-Therapie im Erwachsenenalter publiziert. Die Behandlung der ADHS im Erwachsenenalter basiert bisher vorwiegend auf Evidenz aus Kurzzeit-RCTs. Unklar war lange, welche pharmakologischen und nicht-pharmakologischen Interventionen tatsächlich die stärkste Wirksamkeit und beste Akzeptanz zeigen.
In dieser Arbeit wurden 113 randomisierte kontrollierte Studien mit knapp 15.000 Erwachsenen in einer Komponenten- Netzwerk-Metaanalyse ausgewertet. Primäre Endpunkte waren Symptomveränderung (Selbst- und Fremdrating) und Therapieakzeptanz (Abbruch aus jeglichem Grund).
Die Arbeit zeigt, dass Stimulanzien (Methylphenidat, Amphetamine) und Atomoxetin die einzigen Interventionen sind, die konsistente, klinisch relevante Verbesserungen der Kernsymptome im Vergleich zu Placebo bringen, mit moderaten Effektstärken (SMD ca. -0,4 bis -0,6). Die Akzeptanz von Stimulanzien ist vergleichbar mit Placebo, Atomoxetin und Guanfacin sind mit mit erhöhter Abbruchrate verbunden. Nicht-pharmakologische Verfahren (CBT, Psychoedukation, tDCS etc.) zeigten nur in Fremdratings Vorteile, nicht jedoch in Selbstratings. Für die Lebensqualität und den Langzeitnutzen gibt es keine belastbare Evidenz.
Für die Praxis bestätigt sich, dass Stimulanzien die First-line- Behandlung im Erwachsenenalter, mit Atomoxetin als Alternative bei Kontraindikationen oder Missbrauchsrisiko, bleiben. Nicht-medikamentöse Verfahren sind als Add-on sinnvoll, aber nicht als alleinige Erstlinienstrategie. Das Monitoring von Blutdruck und Puls ist obligat, da die kardiovaskuläre Sicherheit weiterhin ein zentrales Thema bleibt.
Langfristige Wirksamkeit und Lebensqualität sollten stärker in zukünftigen Studien untersucht werden – aktuell müssen diese Aspekte klinisch individuell bewertet werden. Die Netzwerk-Metaanalyse von 2025 in Lancet Psychiatry festigt die Rolle von Stimulanzien als Goldstandard in der Erwachsenen-ADHS. Für die klinische Praxis bedeutet das: Medikamente sind wichtig für die Kernsymptome, begleitende psychotherapeutische Verfahren können Funktion und Adhärenz unterstützen – die Kombination bleibt daher oft der pragmatischste Ansatz.
 
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