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Praxisrelevanz
Aigner M
News-Screen Psychiatrie

Journal für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie 2026; 27 (1): 14-17

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Im Kontext des gesellschaftlichen Megatrends „Gesundheit“ gewinnt Ernährung zunehmend an Bedeutung und rückt auch in der Forschung zu psychischen Erkrankungen stärker in den Fokus. Aktuelle Evidenz weist darauf hin, dass bestimmte Ernährungsweisen depressive Symptome moderat beeinflussen können. Insbesondere die mediterrane sowie die ketogene Ernährung zeigen potenziell positive Effekte. Diese lassen sich vor allem durch metabolische Mechanismen, entzündungsmodulierende Prozesse sowie verhaltensbezogene Veränderungen erklären.
Gleichzeitig ist klar festzuhalten, dass Ernährung keine antidepressive Therapie ersetzt. Für eine Monotherapie besteht bislang keine ausreichende Evidenz, ebenso wenig für eine verlässliche Prävention depressiver Erkrankungen allein durch diätetische Maßnahmen. Ernährungsinterventionen können jedoch als adjuvante Maßnahme sinnvoll sein, insbesondere im Rahmen eines multimodalen Behandlungskonzepts.
Ein potenzieller Nutzen zeigt sich vor allem bei leichten bis mittelgradigen Depressionen, bei Patientinnen und Patienten mit ausgeprägter somatischer Komorbidität (z. B. metabolischem Syndrom) sowie bei hoher intrinsischer Motivation zur Lebensstiländerung. Nicht geeignet sind Diäten hingegen als Akuttherapie, als alleinige Behandlungsform bei schweren Depressionen oder als Ersatz evidenzbasierter pharmakologischer oder psychotherapeutischer Verfahren.
Ergänzend zeigt die Metaanalyse von Quan et al. 2022 [1], dass eine gluten- und kaseinfreie Ernährung stereotype Verhaltensweisen reduzieren und die kognitive Leistungsfähigkeit von Kindern mit Autismus-Spektrum-Störung verbessern kann.
Insgesamt spricht die aktuelle Datenlage für einen unterstützenden, jedoch nicht monokausalen Einfluss der Ernährung auf psychische Symptome. Klinische Relevanz entfalten diätetische Interventionen ausschließlich im Zusammenspiel mit weiteren therapeutischen Maßnahmen im Sinne eines ganzheitlichen, multimodalen Behandlungsansatzes. Gleichzeitig besteht weiterhin erheblicher Forschungsbedarf, da das potenzielle Wirkfeld der Ernährung in der Psychiatrie noch nicht abschließend geklärt ist.
 
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