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Nachruf Prof. Dr. med. Norbert Hofmann
12.Oktober 1928 – 27. März 2020


Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie - Journal of Reproductive Medicine and Endocrinology 2020; 17 (2): 96-97

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Nachruf Prof. Dr. med. Norbert Hofmann *12. Oktober 1928 – † 27. März 2020

Am 27. März 2020 ist Professor Dr.  ­Norbert Hofmann in seinem 92. Lebensjahr verstorben. Mit ihm verliert die Andrologie in Deutschland einen der letzten Repräsentanten aus der Pionier- und Gründerzeit des Faches.

Geboren wurde Norbert Fitzmaurice Hofmann – wir kannten ihn schlicht als Norbert Hofmann – am 12. Oktober 1928 in Osnabrück. Nach häufigem, durch die Berufstätigkeit des Vaters als Journalist bedingten, Wohnort- und Schulwechsel machte er 1949 in Aachen mit Auszeichnung Abitur. Wie er selbst erzählte, fand er nicht auf direktem Weg zum Arztberuf, sondern studierte zunächst Philosophie und Literatur in München und Marburg, widmete sich M. Heidegger und R. Bultmann. Sterben und Tod eines nahestehenden Menschen hätten ihn damals veranlasst, sich mit dem Leben an sich auseinanderzusetzen und sich der Medizin zuzuwenden. Nach Abschluss des Studiums und der Approbation als Arzt 1962 legte eine Dissertation über „Die Aktivierung der Proteolyse des menschlichen Serums und der Haut durch Heparine“ an der Düsseldorfer Hautklinik bereits den Grundstein zur dermatologischen Ausbildung. Norbert Hofmann ging jedoch zunächst an ein Hospital in Westafrika, bevor er bei W. Gahlen in Aachen und A. Greither in Düsseldorf seine dermatologische Facharztausbildung komplettierte. Nach einer Spezialausbildung am St. John‘s Hospital und am Leprosy Study Centre in London 1965 war er für drei Jahre erneut in Afrika tätig, diesmal als ­Consulting Dermatologist und Leiter des Lepraprogramms im südlichen Tansania. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland war er von 1969 bis 1975 als Oberarzt an der Universitätshautklinik Erlangen bei O. P. Hornstein tätig, baute dort eine andrologische Abteilung auf und erlangte 1973 die Venia legendi. Mit dem Wechsel an die Medizinische Fakultät der Universität Düsseldorf folgte 1977 die Ernennung zum außerplanmäßigen Professor, 1984 die Berufung als Universitätsprofessor. Mit einem wissenschaftlichen Symposium wurde Norbert Hofmann im Februar 1994 in den Ruhestand verabschiedet.

„Andrologie als interdisziplinäre Herausforderung“ – diesem Leitmotiv folgend hat Norbert Hofmann nicht nur die Düsseldorfer Andrologie geprägt, sondern die Entwicklung des Faches insgesamt maßgeblich mitgestaltet. Als „Mann der ersten Stunde“ war er Gründungsmitglied und Vizepräsident im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Andrologie (DGA), prägte als Tagungspräsident das wissenschaftliche Programm der ersten „ordentlichen“ Jahrestagung der DGA im März 1987 in Düsseldorf. Bereits viele Jahre vor der Einführung der Zusatzweiterbildung „Andrologie“ und der Etablierung entsprechender Fort- und Weiterbildungsprogramme hat Norbert Hofmann Kolleginnen und Kollegen in praxisnahen Seminaren auf „Wege zur Andrologie“ gebracht. Sein unermüdlicher Einsatz für die Andrologie, auch die berufspolitischen Aspekte, wurde 1994 mit der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft der DGA gewürdigt.

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit lag Norbert Hofmann auch in seiner täglichen Arbeit bei der Versorgung von Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch am Herzen. Zusammen mit G. Freundl richtete er eine der ersten gemeinsamen gynäkologisch-andrologischen Sprechstunden an einem deutschen Universitätsklinikum ein. Ebenso basierte seine wissenschaftliche Arbeit auf einer intensiven Kooperation mit verschiedenen Disziplinen in Biologie und Medizin an der Universität Düsseldorf, beispielsweise mit H. G. Goslar, S. G. Haider und D. Passia (Anatomisches Institut) sowie W. und B. Hilscher (Med. Institut für Umwelthygiene) im Arbeitskreis „Biologie und Klinik der Reproduktion“. Im Zentrum des wissenschaftlichen Interesses stand eine systematische, auf die Ätiopathogenese der jeweiligen Störungen ausgerichtete Analyse der Pathomorphologie menschlicher Spermato­zoen, die zur „Düsseldorfer Klassifikation“ der Spermatozoenmorphologie führte. Ein weiterer Schwerpunkt wurde durch die 1975 publizierte Habilitationsschrift zum Thema „Störungen der Fertilität Mannes durch chronische Entzündungen der akzessorischen Geschlechtsdrüsen und der ableitenden Samenwege“ vorgegeben – ein Gebiet, das uns bis heute intensiv beschäftigt. Nach seiner Emeritierung ist Norbert Hofmann noch über viele Jahre „Grundlagenwissen schaffend“ neugierig geblieben und hat so auch unser Tun kritisch begleitet.

Norbert Hofmanns ärztliche Kunst wurde vom Verständnis für die Nöte seiner Patienten, in der Andrologie vom Einfühlungsvermögen in die Situation des kinderlosen Paares getragen. Sowohl in seiner Haltung als Arzt als auch als Wissenschaftler, akademischer Lehrer und Mentor war Norbert Hofmann ein Vorbild. Mit seiner Denk- und Arbeitsweise hat er die nachfolgende(n) Gene­ra­tion(en) in der Andrologie geprägt, seinen Schülern das Rüstzeug für den Aufbau bzw. die Fortführung andrologischer Ambulanzen in der dermatologischen Universitätsmedizin mitgegeben (G. Haidl, Bonn; H.-Chr. Schuppe, Gießen; N. Neumann, Düsseldorf).

Um seine Person machte Norbert ­Hofmann kein großes Aufheben, sondern vermied eher das „Rampenlicht“ der akademischen Gemeinde oder der großen Kongresse. Nicht von ungefähr wurde er von seinem Hamburger Kollegen Carl Schirren als einer der „Stillen im Lande“ charakterisiert. Doch wer Norbert ­Hofmann näher kannte, wusste sehr wohl, dass er mit Ruhe und Bedacht Überzeugungsarbeit leisten, in der ­Sache hart verhandeln und beispielsweise ärztliche wie berufspolitische Belange abzusichern vermochte. Diejenigen, die ihn allein in der Andrologie, in seiner „Eremitage“ im dritten Stock des „Hinterhauses“ der Düsseldorfer Hautklinik verorteten, wurden immer wieder von seinem scharfen Auge, seinen treffsicheren Analysen auf klinisch-dermatologischem Parkett überrascht. Die wenigsten wussten von den vielen anderen Facetten seines Lebens, so der Kennerschaft in Bezug auf bildende Kunst, seinen Pflichten und Aktivitäten als Unternehmer und Gesellschafter der Aachener Verlags­gesellschaft und nicht zuletzt von seinen persönlichen Schicksalsschlägen.

Mit großer Dankbarkeit blicken wir gerne zurück und werden Prof. Norbert Hofmann in Würdigung seiner Leistungen ein ehrendes Andenken bewahren. Unsere Gedanken und unsere Anteilnahme sind bei seiner Familie.

Prof. Dr. med. Hans-Christian Schuppe (Giessen), für die Alumni der „Düsseldorfer Andrologie“

Prof. Dr. med. Sabine Kliesch (Münster), Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Andrologie

Prof. Dr. med. Frank-Michael Köhn (München), Vorsitzender des Arbeitskreises Andrologie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft

Korrespondenzadresse:

Prof. Dr. med. Hans-Christian Schuppe

Sektion Andrologie

Klinik und Poliklinik für Urologie, Kinderurologie und Andrologie

Universitätsklinikum Gießen und ­Marburg GmbH-Standort Gießen

Justus-Liebig-Universität Gießen

D-35385 Gießen, Gaffkystraße 14

E-Mail: Hans-Christian.Schuppe@derma.med.uni-giessen.de


 
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