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Mitteilungen der Gesellschaften

Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie - Journal of Reproductive Medicine and Endocrinology 2020; 17 (3): 126-133

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Gesellschaftsmitteilungen – BRZ

OMV des BRZ findet als Präsenzveranstaltung statt

Auch wenn das Treffen der in Deutschland tätigen IVF-Gruppen am 30. Oktober 2020 virtuell durchgeführt wird, haben der Vorstand und die Geschäftsführung des BRZ beschlossen, die nachzuholende Ordentliche Mitgliederversammlung des Verbands (mit Vorstandswahlen) in Präsenz durchzuführen.

Zu dieser Entscheidung hat beigetragen, dass sich nach dem Sommer die jetzt geltenden Auflagen für Versammlungen der zu erwartenden Größenordnung der OMV erneut erleichtert haben werden. Selbst wenn dies nicht der Fall sein sollte, werden wir am Veranstaltungsort die Möglichkeit haben, das Treffen unter Beachtung der Abstands- und anderen Regeln durchführen zu können. Bei der Entscheidung spielte auch eine Rolle, dass der Verband dringend die Wahl des Vorstands durchführen muss, eine andere Art der Wahl, z. B. Briefwahl, satzungsgemäß aber nicht gegeben ist.

Samstag, 31. Oktober 2020,
voraussichtlich 11.00 bis 17.00 Uhr
Berlin, Hotel Abion Spreebogen
(wie immer).

Die BRZ-Mitglieder werden mit näheren Informationen im Lauf des kommenden Monats versorgt.

Umfrage des D·I·R zum Rückgang der Behandlungszyklen in Deutschland in den ersten Monaten der Corona-Pandemie

BRZ-PRESSEMITTEILUNG

COVID-19 – 50 % Rückgang bei der Behandlung ungewollt kinderloser Paare in Deutschland. Die Bereitschaft der Patientenpaare, sich behandeln zu lassen, ist jedoch ungebrochen.

Um die Auswirkung der Pandemie auf die Tätigkeit in den reproduktionsmedizinischen Zentren zu analysieren, führte das Deutsche IVF Register (D.I.R) auf Anregung und mit Unterstützung des Bundesverbands Reproduktionsmedizinischer Zentren Deutschlands e.V. (BRZ) im Mai eine Blitzumfrage durch. Auch zur Reaktion der Patientenpaare und ihre Entscheidung, eine Behandlung zu beginnen bzw. eben nicht zu beginnen oder fortzuführen, wollte man Informationen erhalten. Insgesamt beteiligten sich 72 Zentren (138) an der Umfrage, wobei 53 Einrichtungen im niedergelassenen Bereich tätig waren.

Hintergrund

Mitte März empfahl der BRZ seinen Mitgliedern, die mehr als 95 % aller Fertilitätsbehandlungen in Deutschland erbringen, im Hinblick auf die COVID-19-Pandemie bei der Behandlung ungewollt kinderloser Paare ein differenziertes Vorgehen. Während in Amerika und England die Fachgesellschaften ihren Mitgliedern eine Unterbrechung der Praxistätigkeit nahelegten und – wie in Großbritannien – sogar die weitere Behandlung verboten, setzte der BRZ auf die anhand der internationalen Datenlage möglichst genaue Information der Zentren und Aufklärung der verunsicherten Patientenpaare. Die Entscheidung über das Vorgehen verblieb letztendlich aber sowohl bei den Teams als auch bei den Patientenpaaren.

Vor dem Hintergrund der fehlenden Information war und ist es Aufgabe des BRZ, für eine weitere Diskussion zur Lage der Reproduktionsmedizin in Deutschland in Zeiten der COVID-19-Pandemie belastbare Daten über die Aktivität der Kinderwunschzentren in Deutschland zur Verfügung zu stellen. Auch dafür sollte die Umfrage und eine parallel vom D.I.R durchgeführte Analyse der bereits vorliegenden von allen Zentren gemeldeten Daten im kritischen Zeitraum dienen. (Zusammenstellung in der Hintergrundinformation).

Die unterschiedliche Reaktion der Zentren auf die Pandemie führte dazu, dass nur noch 57 % der Einrichtungen aus der Umfrage neue Behandlungen begannen. 44 % der Zentren gaben aber an, die Nachfrage der Patientenpaare sei ähnlich hoch wie vor dem Bekanntwerden von COVID-19. Bei 44 % ging die Nachfrage der Patienten zurück.

Der Wunsch nach einer Kinderwunschbehandlung war somit bei gut der Hälfte der Zielgruppe trotz hoher Infektionszahlen in der Allgemeinbevölkerung ungebrochen, konnte aber aufgrund der minutiösen Einhaltung nicht nur der Hygieneauflagen, sondern der allgemein für die Bevölkerung und Einrichtungen geltenden Vorschriften und der unterschiedlichen Behandlungsstrategien in den Zentren nicht erfüllt werden. Der Geburtenrückgang bei den Behandlungen nach Assistierter Reproduktion hat nicht nur Auswirkungen auf der persönlichen Ebene der Patientenpaare, sondern wird auch zu volkswirtschaftlichem Schaden führen.
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Über den BRZ
https://www.repromed.de
1996 wurde der Bundesverband Reproduktionsmedizinischer Zentren Deutschlands e.V. (BRZ) gegründet, weil die Gynäkologen und Gynäkologinnen mit dieser speziellen, noch jungen Weiterbildung sich berufspolitisch durch den Berufsverband der Frauenärzte (BVF) nicht vertreten fühlten. Heute ist der BRZ Hauptansprechpartner für Selbstverwaltung, Politik, Presse und mehr. Der BRZ vertritt vehement die Notwendigkeit eines zeitgemäßen Fortpflanzungsmedizingesetzes, durch das u.a. die Eizellspende im Zuge der Gleichstellung in Deutschland legalisiert wird. Neben seinen berufspolitischen und politischen Aktivitäten berät der BRZ auch Patientenpaare, primär beim Weg durch den dichten Dschungel der Modalitäten bei der Kostenübernahme.
Kontakt für Nachfragen
PD Dr. Ulrich A. Knuth
Komm. Vorsitzender des BRZ
uaknuth@gmail.com
0179 1050778
Monika Uszkoreit
BRZ Geschäftsführung
uszkoreit@repromed.de
0171-1436177
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Bereits am 30. April hat die Vorsitzende des D·I·R der ausdrücklichen Bitte des BRZ entsprochen, eine Sonderauswertung der Meldungen über die ARTbox® sowie eine „Blitzumfrage“ zur Behandlungssituation während der ersten Pandemie-Monate der Zentren durchzuführen.

Die entsprechenden Auswertungen, die den Zentren auch im Rahmen eines BRZ-Rundbriefs und über das Register zugänglich gemacht worden waren, finden sich in dieser Ausgabe des JRE nun auf den Gesellschaftsseiten des D·I·R.

Auch in einer Pressemitteilung des BRZ wurden die Ergebnisse unter einem etwas anderen Fokus dargestellt.

Korrespondenzadresse:

Monika Uszkoreit, BRZ

E-Mail: uszkoreit@repromed.de

Selektivvertrag „Reproduktionsmedizin“ der BKK VAG Bayern

Unter Mitarbeit des BRZ und besonderer Vorarbeit durch den Berufsverband Reproduktionsmedizin Bayern (BRB) wurde unter Federführung der BKK Vertragsarbeitsgemeinschaft im BKK Landesverband Bayern, ein Selektivvertrag zur Verbesserung der Finanzierung der Kinderwunschbehandlung bundesweit vorgelegt. Der Vertrag beinhaltet einen einfachen Methodenwechsel einer IVF- auf eine ICSI-Therapie (Rescue ICSI), einen Zuschuss bei Behandlungen jenseits der Altersgrenze bis zu 42 Jahren und die finanzielle Unterstützung eines Kryozyklus. Einzelheiten für die Einschreibung der Zentren und eventueller Patienten finden sich unter: BKK Kinderwunsch – Informationen für Zentren (https://www.bkk-bayern.de/versicherte/bkk-fuer-familien).

Korrespondenzadresse:

PD Dr. Ulrich A. Knuth
komm. Vorsitzender des BRZ

E-Mail: uaknuth@gmail.com

Corona-Warn-App

Dazu aus den iX Highlights das Editorial von Dr. Albrecht Kloepfer vom 22.6.2020 zur Corona-Warn-App.
Nachdruck mit freundlicher Genehmi
gung aus den iX Highlights – weitere Informationen unter www.ix-media.de)

Editorial

Montag, 22. Juni 2020

Jetzt ist sie da: Die Corona-App. Und der Erfolg ist ziemlich durchschlagend: Mehr als 10 Millionen Downloads seit Dienstag. Der Minister kann sich über´s Mitmachen der Bevölkerung nicht beklagen. Spannend dürfte allerdings werden, ob Aufwand und Ertrag in irgendeiner sinnvollen Relation stehen.

So ein bisschen ist es wie bei den flächendeckenden Tests symptomfreier Personen: Ja, man entdeckt dabei auch Covid19-Fälle – aber mit welchem Aufwand? Die IKK-Südwest war´s, glaube ich, die von einigen Wochen ausgerechnet hat, dass ein über asymptomatische Tests neu entdeckter Corona-Fall angesichts der aktuellen Inzidenz den Krankenkassen-Beitrag eines ganzen Jahres verfrühstücken würde. Ist das in einem solidarischen Versicherten-System zu rechtfertigen? Schwierige Frage, und ich gebe gerne zu, dass ich selbst hier auch noch unentschieden bin. (Entschieden bin ich allerdings insoweit, dass anlasslose Tests asymptomatischer Personen keine Aufgabe der gesetzlichen Krankenversicherung sind.)

Bei der „Corona-Warn-App“ kommen aber doch noch ein paar Aspekte hinzu. Zwar muss sich auch hier die Sinnhaftigkeit erst an den tatsächliche Meldezahlen erweisen – und ich bin gespannt, ob´s bei mir auch nur ein einziges Mal „klingelt“ –, aber das Ding hat auch darüber hinaus noch eine Reihe nützlicher Aspekte, die man ins Auge fassen sollte. Und die App-Entwicklung wurde nicht von der GKV finanziert, sondern liegt, wie´s sich gehört, in gesamtgesellschaftlicher, also steuerlicher Verantwortung.

Und was bringt die App nun – selbst wenn sie nichts bringt? Sie ist mit den bisherigen 10 Millionen Downloads ohne Frage schon jetzt ein nationales Gesundheitsprojekt. Sie ist Gespräch unter Freunden und KollegInnen, sie bringt noch mehr Menschen dazu, sich – wenn auch nur rudimentär – um ihre Gesundheit Gedanken zu machen. Und sie gewöhnt sie daran, dass dies auch digital möglich ist. (Die Verwendung von Health-Apps war ja bisher – da wollen wir uns nichts vormachen – eher ein Trend selbstoptimierungs-affiner Digital Natives.)

Dass selbst der Datenschutzbeauftragte und der Chaos Computer Club der App unter datenschutzrechtlichen Aspekten ihren Segen geben, ist Beweis dafür, dass Apps und Datenschutz im Gesundheitswesen keine unvereinbaren Gegensätze sein müssen, und auch wenn mehr denkbar wäre (z.B. die Erstellung von Bewegungesprofilen und auch räumlichen Covid19-Clustern), so ist es doch gut, dass das Ministerium um der Akzeptanz willen auf diese Möglichkeiten (die in Frankreich über eine zentrale Datenspeicherung genutzt werden) verzichtet hat. Nicht alles, was technisch möglich ist, sollte gemacht werden.

Also, die App ist schon jetzt ein Erfolg, auch wenn sie – so vermute ich – noch keinen einzigen Fall „gematched“ hat. Wichtig wäre es jetzt, gerade angesichts der beginnenden Urlaubssaison, die Datenbasis auf Grundlage des deutschen Modells europaweit zu vernetzen, und wichtig bleiben natürlich auch die anderen Corona-Maßnahmen. Aktuell jedenfalls scheinen wir das Geschehen einigermaßen gut im Griff zu haben, und wenn dann die App nicht „ausschlägt“ ist das ja auch eine gute Nachricht. Ich jedenfalls freue mich über mein „niedriges Risiko“, das mir meine App allmorgendlich bescheinigt. Mal sehen, wie´s in Spanien wird….

Dr. Albrecht Kloepfer

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Professor Jörg Debatin, Leiter des Health Innovation Hub, hih, eine dem BMG zuarbeitende Einrichtung, vergleicht die Tracing-App mit einer Versicherung gegen Feuer. In einem Interview im Hamburger Abendblatt sagt der ehemalige Direktor der UKE (2003–2011): … „Zunächst einmal freuen wir uns ja über die niedrigen Infektionszahlen (in Deutschland, MRU). Sie zeigen, dass die bisherigen Maßnahmen die erwünschte Wirkung entfaltet haben. Und natürlich wird die App auch in dieser Situation benötigt. Definitiv! Wer die App nutzt, trägt künftig mit seinem Smartphone ein Stück persönliche Sicherheit bei sich. Auch wenn es derzeit nur noch wenige Infizierte gibt, besteht immer ein Risiko, dass man mit ihnen in Kontakt kommt, ohne es zu wissen. Das gilt auch für die Infizierten. Das ist ja das Tückische an Corona, dass Infizierte oft keine oder nur sehr leichte Symptome entwickeln und sich gar nicht oder erst spät testen lassen. Die App ist vergleichbar mit einer Versicherung gegen Feuer für das eigene Haus. Man schließt diese Police ab in dem Bewusstsein, dass man sich Sicherheit für den Fall der Fälle kauft und dennoch hofft, dass es zu Hause niemals brennt.“

Da wir alle eine Feuerversicherung benötigen, machen wir alle mit.

Die App zum Herunterladen und weitere Informationen:

https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/corona-warn-app

Korrespondenzadresse:

Monika Uszkoreit, BRZ

E-Mail: uszkoreit@repromed.de

Versicherungsschutz bei Cyberkriminalität

Versicherungssumme (2-fach maximiert)

Jahresumsatzsumme bis maximal

€ 150.000

€ 250.000

€ 500.000

€ 750.000

€ 1.000.000

€ 250.000

€ 455

€ 495

€ 565

€ 625

€ 665

€ 500.000

€ 575

€ 645

€ 725

€ 810

€ 875

€ 750.000

€ 670

€ 745

€ 850

€ 945

€ 1.040

€ 1.000.000

€ 745

€ 845

€ 955

€ 1.045

€ 1.170

Die Attraktivität von sensiblen Patientendaten macht insbesondere Arztpraxen und Kliniken zu gefragten Zielen der ­Cyberkriminalität. Cyberangriffe auf Kliniken und Praxen gefährden die Patientensicherheit. Doch wie ko?nnen Ärzte die Risiken identifizieren und wie ko?nnen sie sich davor schu?tzen? Wir haben die gute Zusammenarbeit mit der Assekuranz AG Luxembourg genutzt, und um eine Darstellung der Möglichkeiten eines Schutzes gebeten. Das konkrete Beispiel, das uns die Assekuranz AG Luxembourg bereitgestellt hat, zeigt den Mitgliedern des BRZ den für sie zu Sonderkonditionen möglichen Schutz. Weitere Fragen dazu können gern direkt an Markus Schon, aber auch an den BRZ gerichtet werden. Herr Schon ist auch der Ansprechpartner für Fragen zur Berufshaftpflichtversicherung. Seine Koordinaten finden sich nebenstehend.

Beispiel

Das Beispiel basiert auf einem Kinderwunschzentrum mit einem Jahresumsatz von 1.000.0000 Euro. Der Gesamtjahresbeitrag beträgt inklusive 19 % Versicherungssteuer 1392,30 Euro über den Anbieter Hiscox. Selbstverständlich sind auch andere Anbieter über die Assekuranz möglich. (Einen gesamten Beispielantrag mit Zusatzmodulen etc. erhalten Mitglieder des BRZ per Mail an ­uszkoreit@repromed.de.)

Die zu berechnende Prämie ergibt sich aus dem Jahresumsatz des Kinderwunschzentrums und der gewünschten Versicherungssumme. Die entsprechende Prämien-Tabelle ohne Sondernachlass und ohne Versicherungssteuer siehe oben.

Für die Mitglieder des BRZ können noch 10 % Sondernachlass in Abzug gebracht werden, so dass sich für dieses Zentrum final eine Prämie von 1253,07 Euro inklusive Versicherungssteuer ergibt.

Korrespondenzadresse:

Markus Schon

Assekuranz AG Luxembourg

Diplom-Volkswirt, Leiter Ärzte-Service

E-Mail:
markus.schon@assekuranz-ag.com

Ein unterstützungswürdiges Forschungsprojekt

Über das langjährige BRZ-Mitglied und Vorstandsmitglied Dr. Klaus Fiedler wurde uns ein Forschungsprojekt nahegebracht, das ein angehender Mediziner in Angriff genommen hat. Der Arbeitstitel lautet:

„Welche Bereitschaft besteht im ambulanten deutschen Gesundheitssektor, auf den Klimawandel zu reagieren?“

Bisher spielt Klimaschutz und Umweltbelastung im deutschen Gesundheitssystem eine untergeordnete Rolle. Dabei trägt der Gesundheitssektor mit 5,2 % erheblich zu den hohen Emissionen des Landes bei. Aus diesem Grund bieten die über 100.000 Arztpraxen in Deutschland ein hohes Potenzial zum Einsparen von Energie und Ressourcen. Ärzte (stets m, w, d in der Folge) genießen ein hohes Maß an Vertrauen in der Bevölkerung und haben mit ihrem direkten und regelmäßigen Kontakt zu Menschen aus allen gesellschaftlichen Bereichen ein großes Multiplikator-Potenzial.

Mittels einer Online-Umfrage sollen frauenärztlich tätige Kolleginnen und Kollegen, Allgemeinmediziner und Kinderärzte zu ihrer Bereitschaft zur Umstrukturierung von Arztpraxen sowie ihrer Arbeit mit Patienten angesichts des Klimawandels befragt werden. Hier sollen die Teilnehmenden Fragen zu verschiedenen Themenbereichen wie Energie, Transport, Arbeit mit Patienten und nicht zuletzt Öffentlichkeitsarbeit beantworten. Damit könnten zum einen Ansatzpunkte für klimafreundliche und nachhaltige Initiativen innerhalb des gemeinsamen Arbeitsfeldes sichtbar werden und entstehen, zum anderen könnte ein breiteres medizinisches Publikum und möglicherweise auch Patienten auf das Spannungsfeld Klimawandel und Gesundheit sowie auf Handlungsmöglichkeiten aufmerksam und aufmerksam gemacht werden. Gerade auch im Bereich der Reproduktionsmedizin sind die möglichen Auswirkungen des Klimawandels auf die Fertilität von Bedeutung.

Weitere Informationen und Hintergründe sowie der Zugang zum Online-Fragebogen können im Netz bei repromed.de, Rubrik Mitteilungen, abgerufen werden.

Wir denken, dass der BRZ ein solches Forschungsvorhaben nicht nur befürworten, sondern auch medial unterstützen sollte.

Korrespondenzadresse:

Nikolaus Mezger

Medizinstudent

Universita?t Leipzig

Medizinischer Doktorand

AG Global Health Martin-Luther-Universita?t Halle-Wittenberg

E-Mail: nikolausmezger@posteo.de

Gesellschaftsmitteilungen – DGGEF

Das Kisspeptin-/KiSSR1-System

Im Jahr 1996 isolierte DannyWelch erstmals eine neuartige cDNA aus Tumorzellen, die offenbar dafu?r sorgte, dass diese nicht metastasierten („Metastin“). Der G-Protein-gekoppelte Rezeptor (GPR54) hierfu?r, also fu?r das heutige Kisspeptin, wurde erstmals 1999 entdeckt (Ratte), das dazugehörige Protein Kisspeptin erst zwei Jahre später. Das zugrundeliegende Gen ist das KiSS1. Die etwas eigentu?mliche Namensgebung soll darauf zuru?ckgehen, dass das Labor von Danny Welch in Hershey, einem Ort in Pennsylvania, lag. Dieser Ort wurde von Milton Hershey Anfang des 20. Jahrhunderts fu?r die Arbeiter seiner Schokoladen­fabrik gebaut, deren bekanntestes Produkt „Hershey’s Kisses“, eine Su?ßigkeit in Tropfenform, bis heute ist.

KiSS1 liegt auf Chromosom 1 (1q32) (ein KiSS2 soll bei Säugetieren nicht existieren). Es kodiert zunächst fu?r ein Protein mit 145 AS, aus dem das eigentliche Kisspeptin mit 54 AS hervorgeht. Beschrieben sind weitere bioaktive Teilungsvarianten mit z. B. 10, 13 oder 14 AS (Kisspeptin 10 [KP-10], Kisspeptin 13 [KP-13], Kisspeptin 14 [KP-14]).

Ihnen allen gemeinsam ist das C-terminale Dekapeptid, das fu?r die Rezeptorbindung essentiell ist. Der Rezeptor selbst (KiSS1R [Rhodopsin-Familie]) besteht aus 398AS und ist durch 7 transmembranöse Regionen charakterisiert. Auffällig ist die hohe Anzahl an steroid-ähnlichen Formationen.

Kisspeptin wird v.a. in folgenden hypothalamischen Kernen synthetisiert:

  • Nucleus arcuatus (ARC)
  • Nucleus periventricularis anteroventralis (AVPV).

Weitere Kisspeptin-synthetisierende Neu­rone finden sich im Nucleus periventricularis (PE), im Nucleus praeopticus anterodorsalis (AP), im Hippocampus und in den Amygdalae.

Außerhalb des ZNS findet sich das ­Kisspeptin-/KiSS1R-System v. a. im Neo­cortex der Nebennierenrinde, dem Ovar (Granulosa-, Theca- und Lutealzellen), den Leydig-Zellen, den uterinen Epithel- und Stromazellen mit einer deutlichen Zunahme während der Dezidualisation, im Syncytiotrophoblasten bzw. später in der Plazenta.

Fu?r die Steuerung der Reproduktion sind die Neuronen im AP des Hypothalamus von zentraler Bedeutung: Dort sind GnRH- (Gonadoliberin-) haltige Areale in hoher Konzentration nachzuweisen. Kisspeptin ist in der Lage, via seinem Rezeptor KiSS1 die Freisetzung von GnRH zu stimulieren.

Die hypophysäre Freisetzung von FSH und auch LH wird wesentlich durch gonadale Steroide mittels Ru?ckkopplung geregelt. Das trifft auch auf Kisspeptin zu. So exprimieren Kisspeptin-Neurone Steroidrezeptoren, wie z. B. Estrogen-Rezeptoren (ER?, ER?), und auch den Androgenrezeptor.

Eine Blockade des KISS1-Rezeptors oder eine Inaktivierung des Gens fu?hrt im Tierversuch zu einer Verschiebung des Pubertätseintrittes. Es gilt heute als gesichert, dass eine Aktivierung des Kisspep­tin-/KiSS1R-Systems ­zusammen mit einer Zunahme der Kisspeptin-exprimierenden Neurone den Eintritt der Pubertät triggert. Modulatoren der Kisspeptin-Aktivierung sind u. a. das Makorinring-Finger-Protein 3 (MKRN3; aus der Familie der Makorine) sowie das Protein des DLK1-Genes (Delta-like Homolog): ihr Funktionsverlust löst eine zentrale, vorzeitige Pubertät aus (Pubertas praecox; CPP).

Kisspeptin beeinflusst die Prolaktinsynthese und -sekretion. Die entsprechenden Neurone sind normalerweise fu?r eine Senkung der Prolaktinsynthese verantwortlich. Kommt es jedoch zu einer Steigerung der Prolaktinsekretion (z. B. durch ein Adenom), so wird die Kisspeptin-Synthese gehemmt.

Diese Einbettung des Kisspeptin-/KiSS1R-Systems in zentralnervöse Regelkreise macht verständlich, dass dem System auch eine Bedeutung im Sexualverhalten bzw. der emotionalen Steuerung beigemessen wird. Es wird sogar vermutet, dass das Kisspeptin-/KiSS1R-System auch eine olfaktorische Beeinflussung der hypothalamischen hypophysären Achse ermöglicht.

Das uterine Kisspeptin-/KiSS1r-System ist offenbar fu?r den embryonalen Implantationsprozess (mit-) verantwortlich. Nach Aktivierung durch Steroide wie Estrogene und Progesteron fördert es die Dezidualisation und die Expression von Zytokinen wie z. B. des LIF (­Leukämie-Inhibitionsfaktor) oder des IGF-1. Umgekehrt scheint es aber auch den Invasionsprozess (v. a. des extravillösen Trophoblasten [EVT]) durch Inhibition verschiedener Matrix-Metalloproteinasen (MMP) und des VEGF-A (vasoendothelialer Wachstumsfaktor A) zu hemmen/regulieren.

Zuru?ck zu „Metastin“ (siehe oben). Die Hemmung der Metastasierung beim malignen Melanom (MM) durch das Kisspe­ptin-/KiSS1R-System war die erste Funktion, die beschrieben wurde und auch zur Entdeckung des Systems fu?hrte. Diese Eigenschaft zusammen mit einer Tumorsuppression lässt sich bei vielen Malignomen nachweisen. Beim triple-negativen Mammakarzinom (TNBC) scheint das freilich anders zu sein: hier geht eine Überexpression des Kisspeptin-/KiSS1R-Systems mit einer Tumorpromotion einher, wobei bislang nicht verstanden ist, ob dies Ausdruck einer unmittelbaren Tumorprogression oder einer zellulären Gegenregulation ist.

Weiterführende Literatur:

– Abreu AP, Dauber A, Macedo DB, et al. Central precocious puberty caused by mutations in the imprinted gene MKRN3. N Engl J Med 2013; 368: 2467–75.

– Brown RS, Herbison AE, Grattan DR. Prolactin regulation of kisspeptin neurons in the mouse brain and its role in the lactation-induced suppression of kisspeptin expression. J Neuroendocrinol 2014; 26: 898–908.

– Cao Y, Li Z, Jiang W, Ling Y, et al. Reproductive functions of Kisspeptin/KISS1R systems in the periphery. Reprod Biol Endocrinol 2019: 17; Article number: 65.

– Comninos AN, Dhillo WS. Emerging role of kisspeptin in sexual and emotional brain processing. Neuroendocrinol 2018; 239: 195–202.

– Gomes LG, Cunha-Silva, Crespo RP, et al. DLK1 is a novel link between reproduction and metabolism. J Clin Endocrinol Metab 2019; 104: 2112–20.

– Guzman S, Brackstone M, Wondisford F, et al. KISS1/KISS1R and breast cancer; metastasis promoter. Sem Reprod Med 2019; 37: 197–206.

– Janak PH, Tye KM. From circuits to behavior in the amygdala. Nature 2015; 3: 284–433.

– Pineda R, Plaisier F, Millar RP, et al. Amygdala kisspeptin neurons: putative mediators of olfactory control of the gonadotropic axis. Neuroendocrinol 2017; 104: 223–38.

– Radowick S, Babwah AV. Regulation of pregnancy: evidence for major roles by the uterine and placental Kisspeptin/KISS1R signaling systems. Sem Reprod Med 2019; 37: 182–90.

Korrespondenzadresse:

Prof. Dr. Dr. med. habil. ­Wolfgang Wu?rfel

Kinderwunsch Centrum Mu?nchen

D-81241 München, Lortzingstraße 26

E-Mail: verwaltung@ivf-muenchen.de

Gesellschaftsmitteilungen – Deutsches IVF-Register e.V. (D·I·R)®

Auswirkungen der COVID-19-Situation auf die Reproduktionsmedizin in Deutschland

Ergebnisse der D·I·R-Sonderumfrage und Sonderauswertung

Das D·I·R hat im Mai 2020 eine Sonderumfrage mit qualitativer Ausrichtung und eine Sonderauswertung mit quantitativer Ausrichtung zum Thema „­COVID-19 und seine Auswirkungen auf die Reproduktionsmedizin in Deutschland, Januar bis April 2020“ unternommen.

Spannend war dabei auch, einmal ein sehr zeitnahes und besonderes Geschehen aus den Feedbacks der D·I·R-Mitglieder und den Daten des Deutschen IVF-Registers auswerten, verknüpfen und dokumentieren zu können. Die in allen Zentren befindliche ARTbox® vereinfachte hierbei vieles. Auf Basis der umfangreich ­teilnehmenden D·I·R-Mitglieder/Zentren konnten wir ein relativ umfassendes und konkretes Bild der COVID-19-Auswirkungen auf die Reproduktionsmedizin in Deutschland zeichnen.

Wir haben also nicht nur die Daten aus dem Register ausgewertet, woran 114 Zentren von 139 D·I·R-Mitgliedern/Zentren teilnahmen. Zeitgleich hatten wir eine Blitzumfrage gestartet: auch hier haben wir einen sehr guten und belastbaren Rücklauf von 72 D·I·R-Mitgliedern/Zentren erhalten. Somit konnte das D·I·R sowohl quantitative als auch qualitative Aussagen treffen und diese auch miteinander kombinieren.

Unserer besonderer Dank gilt dabei den 72/114 D·I·R-Mitgliedern/Zentren, die uns ihr Feedback bzw. ihre Daten zeitnah und aktuell zur Verfügung stellten!

Im ersten Teil der Ergebnisse gehen die Ergebnisse auf das qualitative Feedback aus der D·I·R-Blitzumfrage ein: Wie viele der teilnehmenden D·I·R-Mitglieder/Zentren (und bei welcher Zentrumsart) erhielten ein Verbot zum Start neuer Zyk­len, wie viele legten sich selbstständig/freiwillig ein solches Gebot auf? Wie viele setzen entsprechende Maßnahmen vor Ort für Belegschaft, Patienten und Abläufe um und starteten auf dieser Basis auch neue Zyklen? Wie ist die regionale Verteilung auf Basis der D·I·R-Auswertungsregionen? Wurden neue Behandlungen ausgesetzt? Wann begann dies, wie lange dauerte diese Unterbrechung, wann endete sie? Wurden auch neue Zyk­len gestartet? Wie schätzten die Zentren die Patientennachfrage ein?

Die quantitative Auswertung im zweiten Teil der Ergebnisse zeigte die verschiedensten Aspekte auf. Selbstverständlich analysierte sie zunächst den Vergleich der Auswertungszeiträume Januar bis April und März bis April 2020 gegenüber den jeweiligen Vorjahreszeiträumen auf Basis der begonnene Zyklen mit Startdatum im Auswertungszeitraum. Für den Auswertungsschwerpunkt März bis April 2020 gegenüber Vorjahr ging sie dann tiefer und zeigte zum Beispiel Analysen auf Basis der D·I·R-Auswertungsregionen mit Blick auf regionale Unterschiede, Analysen nach der Art des Zentrums (Universitätskliniken, niedergelassene Kinderwunschzentren) oder die Unterschiede und Entwicklungen differenziert nach Frischzyklen und Auftauzyklen.

Schlussendlich kombinierte das D·I·R die qualitativen mit den quantitativen Ergebnissen, was eine besonders interessante Kombination aus den verschiedenen qualitativen Status in den Zentren und den quantitativen Zahlen darstellt.

Eine Auswertung gestarteter Zyklen pro Tag veranschaulichte noch einmal deutlich die Auswirkungen, konnte den jüngsten Trend in Richtung des Endes des Aprils 2020 aufzeigen und eine darauf basierende Prognose formulieren.

Spätestens das kommende D·I·R-Jahrbuch (Veröffentlichung im Rahmen des XXXIV. Jahrestreffens der Deutschen IVF-Gruppen Ende Oktober) wird das Thema „COVID-19 und seine Auswirkungen auf die Reproduktionsmedizin in Deutschland“ wieder aufnehmen.

Die Ergebnisse der Auswertung stehen allen Interessierten über die Startseite des Deutschen IVF-Registers (D·I·R)® zur Verfügung: www.deutsches-ivf-register.de

Für weitere Informationen, Rückfragen und Anregungen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Wichtiger Termin

Avis der Ordentlichen Mitgliederversammlung des Deutsches IVF-Register e.V. (D·I·R)®

Die nächste ordentliche D·I·R-Mitgliederversammlung war ja bereits geplant: Sie sollte im Rahmen des XXXIV. Jahrestreffens der Deutschen IVF-Gruppen (Hotel Abion Spreebogen, Berlin) am 30.10.2020 stattfinden.

Im Rahmen dieser Mitgliederversammlung sind auch turnusgemäß die Wahlen des Vorstands und des Kuratoriums auf der Tagesordnung. Wir möchten Interessenten gerne zur Mitarbeit im D·I·R einladen, dazu nehmen Sie bitte gerne einen unverbindlichen Kontakt zur D·I·R-Geschäftsstelle (­geschaeftsstelle@­deutsches-ivf-register.de) auf.

Das diesjährige IVF-Treffen wird wie bekannt leider nicht wie gewohnt stattfinden können. Zum Stand des Redaktionsschlusses für das JRE 3/2020 wird an alternativen Veranstaltungskonzepten gearbeitet, die die D·I·R-Präsentationen und die D·I·R-Mitgliederversammlung in anderer Form ermöglichen werden.

Korrespondenzadresse:

Markus Kimmel

Deutsches IVF-Register e.V. (D·I·R)®

Geschäftsstelle und Koordination Datenmanagement

E-Mail: geschaeftsstelle@deutsches-ivf-register.de


 
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