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Aktuelles: Adäquate Progesteronspiegel für erfolgreiche ART Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie - Journal of Reproductive Medicine and Endocrinology 2021; 18 (4): 184 Volltext (PDF) Volltext (HTML) AktuellesAdäquate Progesteronspiegel für erfolgreiche ARTBei der Lutealphasenunterstützung im Rahmen einer ART (Assistierte Reproduktionstherapie) sollte der Progesteron-Serumspiegel bei mindestens 8,8 ng/ml liegen. Zu diesem Ergebnis kam eine kürzlich publizierte, groß angelegte, prospektive Kohortenstudie mit insgesamt 1150 Probandinnen [1]. Die Vorbereitung des Endometriums mittels Hormongabe wird bei einer Kinderwunschbehandlung mittels Kryozyklen häufig angewandt, wobei keine ausreichende Evidenz für die Empfehlung eines bestimmten Protokolls vorliegt [1]. Mag die Östrogengabe noch individuell angepasst sein, so erhalten Patientinnen zumeist dieselbe Progesteron-Dosis, ohne Individualisierung der Lutealphasenunterstützung. Als Grund dafür wird in der Arbeit von Labarta et al. angegeben, dass weder für eine optimale Progesteron-Dosierung vor dem Embryotransfer noch für den besten Weg der Administration ausreichende Evidenz vorliegt. Eine vorangegangene Studie ihrer Arbeitsgruppe bei Kryozyklen mit Eizellspenden hatte gezeigt, dass ein Progesteron-Serumwert von < 9,2 ng/ml die Rate an fortlaufenden Schwangerschaften (OPR, ongoing pregnancy rate) im Vergleich zu höheren Progesteron-Serumwerten um 20 % verringert hat (p < 0,05) [2]. Obwohl alle Patientinnen 400 mg mikronisiertes, vaginal appliziertes Progesteron (MVP) als Weichkapseln zweimal täglich erhalten hatten, wurde bei einem Viertel kein ausreichender Progesteronspiegel im Serum erreicht. Die aktuelle Studie hatte das Ziel herauszufinden, ob diese Ergebnisse auf Frauen mit hormonell gesteuerten Auftauzyklen (künstliche Kryozyklen) mit eigenen oder gespendeten Eizellen übertragbar sind [1]. Darüber hinaus sollte in dem großen Kollektiv der kritische Schwellenwert für die Progesteronkonzentration im Serum am Tag des Embryotransfers bestimmt werden, der die OPR sowie die Rate an Lebendgeburten (LBR, live birth rate) signifikant beeinflusst. MethodenAusgewertet wurden die Daten von 1150 Patientinnen ? 50 Jahren, davon 57,2 % mit gespendeten und 42,8 % mit eigenen Eizellen. Sie wiesen ein adäquates, dreischichtiges Endometriummuster und eine Endometriumdicke ? 6,5 mm nach Östrogenbehandlung in der proliferativen Phase und dem Beginn der Lutealphasenunterstützung mit MVP Weichkapseln (400 mg zweimal täglich für 5 Tage) vor dem Embryotransfer auf. Es wurden ein oder zwei Blastozyten transferiert. Primärer Endpunkt war die OPR in Abhängigkeit vom Progesteronspiegel am Tag des Embryotransfers. Sekundäre Endpunkte waren der Progesteron-Schwellenwert im Serum am Tag des Embryotransfers, unter dem die Schwangerschaftsrate signifikant abfällt, Schwangerschaftsverläufe in Abhängigkeit von dem Schwellenwert, Faktoren, die den Progesteronspiegel beeinflussen, sowie der Zusammenhang zwischen Progesteronspiegel und geburtshilflichen Parametern. Die Schwangerschaften wurden durch positiven ?-hCG-Test bzw. klinisch durch Nachweis zumindest einer Fruchtblase im Ultraschall gesichert. Die Fehlgeburtenrate wurde als Abort vor der SSW 12 definiert, inklusive biochemischen Fehlgeburten mit positivem ?-hCG-Test ohne Hinweis auf eine Fruchtblase sowie klinischen Aborten nach Bestätigung einer intrauterinen Fruchtblase. Die OPR war als Vorhandensein zumindest eines lebensfähigen Fötus nach SSW 12 definiert. ErgebnisseOPR-Daten lagen von 1148 Patientinnen vor, Daten zur LBR von 1125 Frauen. Insgesamt lag die Rate der fortgesetzten Schwangerschaften (OPR) bei 49 % und die LBR betrug 47 %. Der mittlere Serumspiegel von Progesteron am Tag des Embryotransfers betrug 12,1 ± 7,0 ng/ ml. Als kritischer Schwellenwert für den Fortgang der Schwangerschaft konnte ein Serum-Progesteronwert von 8,8 ng/ ml bestimmt werden. Frauen mit niedrigeren Progesteronspiegeln wiesen eine signifikant niedrigere OPR (36,6 % vs. 54,4 %; p < 0,001), niedrigere LBR (35,5 % vs. 52,0 %; p < 0,001) sowie höhere Fehlgeburtsraten (23 % vs. 13,5 %; p = 0,006) auf. Diese Resultate waren unabhängig davon, ob es sich um eigene oder gespendete Eizellen handelte. Progesteronspiegel über bzw. unter 8,8 ng/ml am Tag des Embryotransfers hatten auf geburtshilfliche Parameter wie Frühgeburtlichkeit, Geburtsgewicht, Schwangerschaftsdiabetes oder -bluthochdruck keinen signifikanten Einfluss. FazitDie Autoren schließen aus diesen Daten, dass es beim Einsatz von Progesteron zur Unterstützung der Lutealphase in der ART ausreicht, einen Schwellenwert des Progesteron-Serumwerts von 8,8 ng/ml zu überschreiten, um eine gute OPR zu erreichen. Höhere Progesteron-Serumwerte brachten keinen signifikanten therapeutischen Zugewinn hinsichtlich der OPR. Es besteht jedoch Bedarf an weiterer Forschung zur individualisierten Lutealphasenunterstützung, da nicht alle Patientinnen von einer einheitlichen Dosierung profitierten. Entscheidend scheint auch zu sein, dass das Progesteron am Wirkort verabreicht wird, da es sich bei vaginaler Gabe durch den uterinen First-Pass-Effekt vornehmlich im Uterus anreichert [3]. In Europa wird die vaginale Applikation gegenüber subkutaner oder intramuskulärer Verabreichung bevorzugt [4]. Literatur: 1. Labarta E, et al. Impact of low serum progesterone levels on the day of embryo transfer on pregnancy outcome: a prospective cohort study in artificial cycles with vaginal progesterone. Hum Reprod 2021; 36: 683–92. 2. Labarta E, et al. Low serum progesterone on the day of embryo transfer is associated with a diminished ongoing pregnancy rate in oocyte donation cycles after artificial endometrial preparation: a prospective study. Hum Reprod 2017; 32: 2437–42. 3. Bulletti C, et al. Targeted drug delivery in gynaecology: the first uterine pass effect. Hum Reprod 1997; 12: 1073–9. 4. Labarta E, et al. Relationship between serum progesterone (P) levels and pregnancy outcome: lessons from artificial cycles when using vaginal natural micronized progesterone. J Assist Reprod Genet 2020; 37: 2047–48. Weitere Informationen Besins Healthcare Germany GmbH Mariendorfer Damm 3 D-12099 Berlin E-Mail: medizin@besins-healthcare.com |
