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Krentel H et al.  
Kongressankündigung: 14. Endometriosekongress Deutschsprachiger Länder
24.-25. März 2022


Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie - Journal of Reproductive Medicine and Endocrinology 2022; 19 (1): 46-48

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Kongressankündigung

Von der kooperativen Ausbildung zur interdisziplinären Versorgung der Endometriose

H. Krentel1, K. Bühler2, S. D. Schäfer3

1Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie, Ev. Bethesda Krankenhaus, Duisburg; 2Stiftung Endometrioseforschung, Westerstede; 3Klinik für Geburtshilfe und Gynäkologie, Universitätsklinik Münster, Deutschland

Vom 24.–25. März 2022 findet der 14. Endometriosekongress ­Deutschsprachiger Länder als vermutlich erster und einziger Onlinekongress dieser Art statt – eine Veranstaltung der SEF, in Kooperation mit AGEM, AGE, DGGEF, FertiProtekt und EEL

Wunsch oder Wirklichkeit?

Im Idealfall wird eine tief-infiltrierende Endometriose einer jungen Patientin mit Kinderwunsch beim Erstkontakt in einem für Diagnostik und Therapie der Endometriose zertifizierten Zentrum per transvaginalem Ultraschall in Kombination mit Anamnese und klinischer Untersuchung diagnostiziert.

Die erhobenen Befunde werden prätherapeutisch nach der neuen #Enzian-Klassifikation (siehe: www.endometriose-sef.de/aktivitaeten/klassifikation-enzian/) (Abb. 1) beschrieben und ein enstprechender Therapieplan erstellt [1].

Nehmen wir an, es handelt sich um einen #Enzian (u) O 1/2 A2 B 2/3 C3 Befund mit ausgeprägter Symptomatik im Sinne einer Dysmenorrhoe, Dyspareunie und Dyschezie. Es besteht der Verdacht auf Adhäsionen und eine peritoneale Beteiligung auch im Bereich der Ovarien und Tuben. Im Rahmen der präoperativen Vorbereitung erfolgen ein chirurgisches Konsil und eine Kontrolle der ovariellen Reserve mit Bestimmung des AMH im Serum oder auch eines AFC und je nach Fall ggf. auch eine Beratung über Methoden des „social freezings“. Die Operation wird mit dem Ergebnis einer tatsächlichen einzeitigen Sanierung der Erkrankung mit Entfernung aller Läsionen und unter Erhalt aller Strukturen und Funktionen interdisziplinär geplant und durchgeführt. Trotz tiefer Anastomose wird kein Anus praeter benötigt und es treten keine operativen oder postoperativen Komplikationen auf. Die Patientin wird auch postoperativ interdisziplinär betreut und verlässt die Klinik am 5. postoperativen Tag. Vor der Entlassung wird ein ausführliches Gespräch geführt, welches auch eine Beratung zum Kinderwunsch, zum Fertilitätserhalt, zu möglichen Behandlungen in einem Kinderwunschzentrum und zu medikamentösen Anschlusstherapien sowie Details zur Rehabilitation enthält. Nach einer Woche erfolgt eine Kontrolluntersuchung in der Klinik und im Anschluss findet ein Follow-up in Zusammenarbeit mit der betreuenden Praxis statt.

Ausbildung ist der Schlüssel

Grundlage für das oben beschriebene gezielte und klare Vorgehen ist eine exzellente Ausbildung aller Experten/-innen, welche Patientinnen mit den verschiedenen Formen und Symptomen der Endometriose behandeln. Neben der Kunst des Zuhörens ist natürlich die Kunst des klinischen Untersuchens inklusive der Palpation von tief-infiltrierenden Endometrioseherden oder Schmerzpunkten gefragt, welche Teil der üblichen Weiterbildung sein sollte.

Das Erkennen und Beschreiben von Läsionen der Blase, des Uterus, des Rektums, der Sakrouterinligamente, des rektovaginalen Septums; das Beschreiben von Endometriomen und pelvinen Adhäsionen, sowie der Funktion der Ureteren bedarf jedoch bereits einer speziellen Ausbildung in der Sonographie des kleinen Beckens. Dies gilt ebenso für die Betrachtung und Auswertung von radiologischen Befunden wie MRT-Bildern bei tief-infiltrierender Endometriose und Adenomyose.

Um nun alle Patientinnen adäquat und individuell beurteilen zu können, sind außerdem Kenntnisse und Fähigkeiten aus den Bereichen Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, Komplementärtherapie, Schmerztherapie und Rehabilitation erforderlich. Und dann wäre da noch die medikamentöse und chirurgische Therapie, welche wiederum ein solides Wissen der hormonellen Wirkweisen und Nebenwirkungen erfordert, sowie eine profunde Ausbildung in der minimal-invasiven gynäkologischen Chirurgie inklusive des pelvinen Retroperitoneums, der pelvinen Nerven und interdisziplinärer operativer Verfahren der Viszeralchirugie und Urologie.

Deutlich wird in jedem Fall, dass nur eine umfassende Aus- und Weiterbildung zu der beschriebenen Expertise einzelner Akteure und Teams führen kann. An einer solchen Ausbildung sind im besten Fall Expertinnen und Experten aller genannten Bereiche beteiligt, also Vertreter/-innen von allen Fachgesellschaften, die den 14. Endometriosekongress Deutschsprachiger Länder ausrichten und unterstützen.

Rasante Entwicklung

Auch wenn manchmal der Eindruck entsteht, es gäbe kaum neue Entwicklungen im Bereich der Endometriose, so sieht die Realität der vergangenen Jahre doch ganz anders aus. Die Entwicklung ist rasant. Die Zahl der Workshops, Kongresse und Webinare zum Thema „Endometriose“ hat sich vervielfacht und tatsächlich hat sich auch inhaltlich viel getan: Neben dem ehemaligen Goldstandard Laparoskopie hat sich der transvaginale Ultraschall zum Standard der Diagnostik und des Follow-up besonders bei tief-infiltrierender Endometriose entwickelt. Das Konzept der zweizeitigen Operationen ist dem interdisziplinären Ansatz eines gezielten einzeitigen fertilitätserhaltenden Vorgehens gewichen. Die #Enzian-Klassifikation, welche von Experten/ -innen der SEF unter Leitung von Prof. J. ­Keckstein entwickelt wurde, bietet nun eine umfassende Beschreibung der Erkrankung bei Ultraschall, MRT und Operation. Zuletzt hat sogar der französische Staatspräsident eine nationale Strategie zur Behandlung der Endometriose auf seine Agenda gesetzt.

Diese Dynamik und inhaltlichen Entwicklungen, auch aus der Grundlagenforschung, gilt es nun in der Breite zu vermitteln und in die hervorragenden Konzepte der institutionellen und individuellen Zertifizierung zu integrieren. Hierfür braucht es eine gemeinsame Kraftanstrengung aller beteiligten Akteure aus SEF, AGEM, AGE, DGGEF, FertiProtekt, EEL und weiterer Gesellschaften – und genau da setzt der diesjährige Kongress an: In 13 wissenschaftlichen Sitzungen, interaktiven Fallbesprechungen, Live-Sonographien und Live-Chirurgien, sowie Industriesymposien kommen Experten/-innen, Kollegen/-innen und Freunde aus eben diesen verschiedenen Gesellschaften zusammen und bringen uns gemeinsam auf den neuesten Stand zum Thema Endometriose.

Die Abstracts des 14. Endometriosekongresses Deutschsprachiger Länder sowie die Liste aller Preisträger werden in der kommendenden Ausgabe des Journals für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie publiziert.

Literatur:

1. Keckstein J, Ulrich UA, Sillem M, Oppelt P, Schweppe KW, Krentel H, et al. The #Enzian classification: A comprehensive non-invasive and surgical description system for endometriosis. Acta Obstet Gynecol Scand 2021; 100: 1165–75.

Korrespondenzadresse:

Dr. med. Harald Krentel

Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Gynäkologische Onkologie, Ev. Bethesda Krankenhaus

D-47053 Duisburg, Heerstraße 219

E-Mail: h.krentel@bethesda.de


 
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