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14. Endometriosekongress deutschsprachiger Länder, 24. und 25. März 2022, Online-Veranstaltung
Abstracts


Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie - Journal of Reproductive Medicine and Endocrinology 2022; 19 (Supplementum 2): 2-12

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14. Endometriosekongress deutschsprachiger Länder

24. und 25. März 2022, Online-Veranstaltung

Abstracts*

*Begutachtet und zusammengestellt vom wissenschaftlichen Komitee.

Ausgezeichnet mit dem Posterpreis Endometriose

6

Charakterisierung von Endometriose-assoziierten Nervenfasern und peripherer Sensibilisierung

R. Voltolini Velho, R. Hagen, J. Sehouli, S. Mechsner

Klinik für Gynäkologie mit Zentrum für onkologische ­Chirurgie, Endometriosezentrum, Charité –Universitätsmedizin Berlin, Deutschland

Thema Endometriose-assoziierte Nervenfasern und periphere Sensibilisierung

Zielsetzung Endometriose (EM) ist eine der häufigsten Differenzialdiagnosen bei chronischen Unterbauchschmerzen (UBS). Frauen unter Hormontherapie (HT) profitieren oft davon, können aber auch azyklische UBS unter der Therapie entwickeln. Aufgrund der Annahme, dass wahrscheinlich Mechanismen der neurogenen Inflammation an der Entstehung chronischer UBS beteiligt sind, wollten wir die Expression sensibler Nervenmarker in EM-assoziierten Nervenfasern von Patientinnen mit und ohne HT untersuchen. Die Eigenschaften des Gewebes wurden auch hinsichtlich des azyklischen UBS-Erlebens analysiert.

Patientinnen/Materialien Fünfundvierzig EM-Patientinnen und 10 Kontrollen, die sich einer Laparoskopie unterzogen hatten.

Methodik EM-Läsion wurde immunhistochemisch mit Antikörpern gegen die nozizeptiven Marker gefärbt: PGP9.5, SP; und Rezeptoren: NK1R, NGFp75, TRPV-1 und TrkA.

Ergebnisse EM-Patientinnen zeigten im Vergleich zu Kontrollen eine höhere Dichte an Nervenfasern (PGP9.5, SP) und eine erhöhte Expression von NGFp75, TRPV1, TrkA in EM-assoziierten Nervenfasern, sowie NK1R in Blutgefäßen und Immunzellen. Patientinnen mit HT haben blutungsassoziierte UBS, leiden aber auch unter azyklischen UBS. Es wurde eine Korrelation zwischen dem Schweregrad der Dyspareunie und der Dichte der Nervenfasern (PGP9.5, SP) sowie zwischen der NGFRp75-Expression in Blutgefäßen und dem zyklusabhängigen Schweregrad der Beckenschmerzen beobachtet. Interessanterweise wurde eine abnehmende Expression von NK1R in den Blutgefäßen unter HT beobachtet. Da der NK1R am Entzündungsgeschehen beteiligt ist (Vasodilatation und Induktion der Freisetzung von Interleukinen), lässt dies die Hypothese zu, dass HT zwar die Entzündung aufgrund des EM beeinflusst, aber im Rahmen der neurogenen Inflammation nicht gegen den Schmerz selbst hilft, da die anderen Marker mit der Behandlung nicht abnahmen und die Patientinnen unter den azyklischen UBS leiden.

Zusammenfassung Unter HT haben Patien­tinnen keine Blutung und keinen Eisprung, was mit Entzündungen und zyklischen UBS korreliert. Jedoch scheint der azyklische UBS auf eine periphere Sensibilisierung zurückzuführen zu sein, sobald er unter der Behandlung auftritt. Neurotransmitter, wie SP und ihre Rezeptoren, sind an Mechanismen der neurogenen Entzündung beteiligt, die bei Frauen, die von dieser chronischen Krankheit betroffen sind, für die Schmerzentstehung relevant sind. Zusammengefasst scheint die Vermutung nahe zu liegen, dass in beiden Gruppen (EM mit/ohne HT) eine neurogene Inflammation vorliegt, die zu einer peripheren Sensitivierung führt.

10

Einstellungen und Wahrnehmungen von Patientinnen hinsichtlich endokriner Endometriosetherapien: Eine internationale, mehrsprachige Umfrage unter Verwendung von Free-word association networks

L. Burla1, N. Turnherr1, J. M. Metzler1, B. File2, M. Stucki1, P. Inesch1

1Klinik für Gynäkologie, Universitätsspital Zürich, Schweiz; 2Wigner Research Centre for Physics, Budapest, Ungarn

Thema Endokrine Therapien für Endometriose

Zielsetzung Endokrine Medikamente stellen den derzeitigen Standard der konservativen Endometriosebehandlung dar. Sie haben eine gute Wirksamkeit und verbessern die Symptome sowie die Lebensqualität bei einem großen Teil der Patientinnen deutlich. In der klinischen Praxis stößt man jedoch manchmal auf Zweifel und Ablehnung gegenüber diesen Medikamenten, gleichzeitig sind in den nächsten Jahren keine richtigen Alternativen zu erwarten. Über die individuellen Schwierigkeiten und Bedenken gegenüber diesen Medikamenten sowie die Informationsquellen der betroffenen Frauen ist wenig bekannt. Ziel dieser Studie ist es, die Einstellungen und Wahrnehmungen zur endokrinen Endome­triosetherapie zu untersuchen, um die Ansprüche und Erwartungen der Patientinnen besser zu verstehen.

Patientinnen/Materialien Der Fragebogen richtete sich an Frauen, welche eine Endometrioseerkrankung haben.

Methodik Nach einer Pilotphase wurde eine internationale, mehrsprachige Online-Umfrage unter Endometriosepatientinnen durchgeführt, für deren Verbreitung die beliebtesten Social-Media-Kanäle Facebook, Instagram und Twitter genutzt wurden. Der Fragebogen enthielt freie Wortassoziationen sowie Fragen zur persönlichen Krankengeschichte, zu Informationsquellen und zu demographischen Daten.

Ergebnisse Insgesamt nahmen 3348 Frauen an unserer Studie teil. Aus dem Zusammentreffen der von den Teilnehmerinnen genannten Assoziationen zur endokrinen Endometriosetherapie ergaben sich sechs Module mit unterschiedlichen dominanten emotionalen Bezeichnungen. Fünf Module spiegelten negative mentale Verbindungen wider, wobei die am häufigsten genannten Wörter „Nebenwirkungen“, „Schmerzen“, „unwirksam“, „Depression“ und „Unsicherheit“ waren. Von den 12 am häufigsten gewählten Emotionen war nur eine positiv, nämlich „optimistisch“. Nebenwirkungen, die die psychische Gesundheit beeinträchtigen, sind der wichtigste Grund für die Entscheidung gegen eine endokrine Therapie in unserer Umfragepopulation. 27 % der Befragten gaben an, wenig oder gar nichts über endokrine Therapien bei Endometriose zu wissen. Soziale Medien waren die am häufigsten genutzten Informationsquellen und wurden auch als am nützlichsten eingestuft.

Zusammenfassung Eine sorgfältige Auf­klärung vor Beginn der Therapie sollte ernst genommen und auf die Bedenken der Patientinnen individuell eingegangen werden. Dies könnte dazu beitragen, Missverständnisse und Fehlinformationen zu verringern und die Therapietreue und -zufriedenheit zu verbessern.

1

Der Einfluss von sozialem Stress und Unterstützung auf Endometriose-Schmerzen

K. van Stein, M. Schick, M. Eckstein, B. Ditzen

Institut für Medizinische Psychologie, Uniklinikum Heidelberg, Deutschland

Thema Soziale Einflüsse auf Endometriose-Schmerzen

Zielsetzung a) Wie wirken sich Stress und soziale Unterstützung auf chronische Schmerzen im Alltag aus? b) Wie sieht die neurale Verarbeitung von akuten Schmerzreizen bei Endometriosepatienten vs. Kon­trollgruppe aus?

Patienten/Materialien Die Probanden (pro Teilstudie geplantes n = 60) werden uns durch die Endometriose-Sprechstunde des Klinikums, Rehazentren und gynäkologischen Praxen aus der Umgebung zugewiesen.

Methodik a) Alltagserhebung: Die Probanden und ggf. deren Partner füllen über eine Woche täglich jeweils sieben kurze Fragebögen zum aktuellen Befinden auf Smartphones aus. Dazu gehört das Schmerzlevel, die soziale Situation (Unterstützung, ­Konflikte), b) fMRT-Studie: Die Probanden erhalten leichte elektrische Schmerzreize, zunächst in einer No-Stress-Bedingung und später in einer sozialen Stresssituation. Die neurale Schmerzverarbeitung wird analysiert und verglichen mit einer gesunden Kontrollgruppe.

In beiden Studien werden Speichelproben für die Analyse von Kortisol-, Oxytocin-, Progesteron- und Estradiolwerten erhoben. Außerdem werden Fragebögen zu psychischen Symptomen, Trauma, Schmerz, Stress, Partnerschaft und sexueller Gesundheit beantwortet.

Ergebnisse Voraussichtlich können erste Ergebnisse präsentiert werden, die Datenerhebung läuft noch mind. bis Ende 2022.

Zusammenfassung In dieser aktuell noch laufenden Doppelstudie wird a) das Alltagserleben von Endometriose-Patienten erhoben und das Schmerzerleben mit Variablen wie Stress, Unterstützung und Hormonwerten in Bezug gesetzt. Zusätzlich werden ggf. die Partner einbezogen. b) die neurale Schmerzverarbeitung von Endometriosepatienten unter Ruhe- und Stressbedingung untersucht, sowie mit der einer gesunden Kontrollgruppe verglichen.

2

Kürzliche Diagnose von Endometriose: Darstellung der Endometriose­symptomatik und Untersuchung der Häufigkeit psychischer Störungen, sexueller Funktionsstörungen und früher traumatischer Erlebnisse

J. Netzl1, B.Gusy1, B. Voigt2, J. Sehouli3, S. Mechsner3

1Fachbereich Psychologie, Freie Universität Berlin; 2Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Psychosomatik, Charité – Universitätsmedizin Berlin; 3Klinik für Gynäkologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Deutschland

Thema Endometriosesymptomatik, psychische Störungen, sexuelle Funktionsstörungen und frühe traumatische Ereignisse bei Frauen mit kürzlich erfolgter Erstdiagnose Endometriose.

Zielsetzung Die Darstellung der Endometriosesymptomatik sowie die Feststellung der Häufigkeit psychischer Störungen, sexueller Funktionsstörungen und früher traumatischer Erlebnisse bei Frauen mit Endometriose zum Zeitpunkt der Erstdiagnose.

Patientinnen/Materialien Querschnittstudie mit n = 50 Probandinnen, die innerhalb der letzten 4 Wochen zum ersten Mal die Diagnose Endometriose erhalten hatten. Die Probandinnen beantworteten einen umfangreichen Fragebogen zur Symptomatik und Behandlung der Endometriose sowie das „Childhood Trauma Questionnaire“ (CTQ) zum ­Screening für traumatische Erlebnisse in Kindheit und Jugend. Das Diagnostische Interview für ­Psychische Störungen (DIPS) wurde mit jeder Probandin durchgeführt, um die Häufigkeit psychischer Störungen und sexueller Funktionsstörungen nach DSM-5 zu untersuchen.

Methodik Die Darstellung der soziodemographischen Daten und Endometriosesymp­tome erfolgte anhand von deskriptiver Statistik und Häufigkeiten. Um Charakteristika zu identifizieren, die mit einer aktuellen psychischen Störung assoziiert waren, wurden Gruppenvergleiche zwischen den Probandinnen der Stichprobe mit und ohne einer aktuellen psychischen Störung durchgeführt. Diese erfolgten über ?2-/Fisher-Yates-Test bei kategorialen Variablen und über Zweistichproben-t-Test/Mann-Whitney-U-Test bei kon­tinuierlichen Variablen.

Ergebnisse Zum Zeitpunkt der Studienteilnahme waren die Probandinnen im Mittel 27 Jahre alt und hatten die Diagnose Endometriose vor Mdn = 21 Tagen erhalten. Mehr als 90 % (n = 46, 93,9 %) der Probandinnen berichteten Dysmenorrhoe, zwei Drittel (n = 31, 62,0 %) nicht-zyklischen Unterbauchschmerz, ein Viertel (n = 12, 24,0 %) chronischen Unterbauchschmerz und mehr als Dreiviertel (n = 42, 84,0 %) berichteten Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Mehr als 40 % (n = 21, 42,0 %) erfüllten die Kriterien einer aktuellen psychischen Störung und zwei Drittel (n = 30, 60,0 %) die einer Lifetime-psychischen Störung. Jeweils 21 Probandinnen berichteten eine aktuelle sexuelle Funktionsstörung (42,0 %) und frühe traumatische Erlebnisse (42,9 %) .

Probandinnen mit einer aktuellen psychischen Störung nutzten signifikant häufiger hormonelle Präparate (p = 0,021, OR = 4,27) und erlebten mehr Einschränkungen ihrer sexuellen Funktion: Sie berichteten signifikant höhere Schmerzintensitäten während des Geschlechtsverkehrs (p = 0,027–0,028, d = 0,72–0,74) und waren signifikant häufiger von einer aktuellen sexuellen Funktionsstörung betroffen (p = 0,016, OR = 4,27).

Zusammenfassung Zum Zeitpunkt der ersten Diagnosestellung der Endometriose litten die untersuchten Frauen unter einer Vielzahl von Unterbauchschmerzsymptomen, berichteten eine hohe Rate von frühen traumatischen Erlebnissen und sexuellen Funktionsstörungen und ein erheblicher Teil erfüllte die Kriterien einer psychischen Störung. Diese Ergebnisse verdeutlichen die Relevanz der Forderung nach früherer Diagnosestellung und Behandlung, um das Fortschreiten der Schmerzsymptomatik zu verhindern, sowie die Notwendigkeit der Integration von Unterstützungsangeboten bezogen auf die psychische und sexuelle Gesundheit bei der Behandlung von Endometriose.

3

Interdisziplinäre Therapie der tief-­infiltrierenden Ureterendometriose

V. Mondaini, J. Schmolling, S. Wolf

Krankenhaus der Augustinerinnen Köln, Deutschland

Thema Tief-infiltrierende Endometriose der ableitenden Harnwege

Zielsetzung Interdisziplinäre Therapieplanung und urologische Mitdiagnostik

Patienten/Materialien Die Inzidenz der Endometriose des Harnableitungssystems liegt bei 1–3 %. Die Harnblase ist mit 85 % das häufigste betroffene Organ, gefolgt von den Harnleitern mit 12–14 %. Bei der Ureterendometriose wird zwischen der intrinsischen und extrinsischen Form unterschieden. Bei der deutlich häufigeren und meist asymp­tomatischen extrinsischen Ureterendome­triose kommt es, durch die Ummauerung mit Endometriosegewebe, zu einer Kompression des Ureters. Die Therapie der Wahl beinhaltet eine operative Ureterolyse mit Dekompression des betroffenen Ureters. Bei der selteneren intrinsischen Variante (< 0,3 %) handelt es sich um eine tiefe Infiltration des Ureters. Unspezifische Unterbauchschmerzen, Flankenschmerzen und Harnstau bis hin zur asymptomatischen Hydronephrose sind hier häufige Symptome. Eine Ureterteilresektion mit End-zu-End-Anastomose oder Ureterneuimplantation ist in den meisten Fällen indiziert.

Methodik Fallbeispiel

Ergebnisse Frau R., eine 33-jährige Patientin, stellte sich im Juni 2019 zur Mitbeurteilung bei klinisch hochgradigem V. a. tiefinfiltrierende Endometriose der Parametrien links mit Harnstau III. Grades, in unserer Endometriose-Sprechstunde vor. Die führende Symptomatik war eine ausgeprägte Dysmenorrhoe (NAS 9) sowie eine perimenstruelle und -ovulatorische Dyschezie, drei Jahre nach Absetzen der hormonellen Therapie aufgrund einer Therapieeinstellung bei neu aufgetretener arterieller Hypertonie. Zu diesem Zeitpunkt bestand bei der Patientin kein Kinderwunsch. Die palpatorische Erstuntersuchung zeigte eine dorsal fixierte Cervix mit gering mobilem Uterus und einen Druckschmerz im Douglas. Sonographisch ergab sich der V. a. Adenomyosis uteri der Hinterwand am isthmozervikalen Übergang, sowie ein negatives „sliding-sign“ im Bereich des Rektums. Zudem zeigte sich ein Harnstau III. Grades rechts. Die Patientin erhielt präoperativ eine weiterführende Diagnostik mittels MRT, 3D-Rekonstruktion der ableitenden Harnwege und eine Zystoskopie mit protektiver Doppel-J-Schienen-Anlage.

Die im Anschluss durchgeführte operative Therapie beinhaltete eine diagnostisch/operative Hysteroskopie, sowie eine operative Laparoskopie. Dabei erfolgte eine interdisziplinäre Resektion der Endometriose beidseits paramentran, sowie eine Ureterolyse beidseits und eine Resektion des distalen endometriosebefallenen Ureters mit Harnblasenteilresektion mit Neuimplantation per Boari-Plastik vom Gibson Schnitt durchgeführt. Die final histologisch bestätigte Dia­gnose ergab ein rASRM Stadium III und ein Score nach #ENZIANs P1 O0/0 T0/0 A0 B3/2 C0 FB FU FA R0. Am Ende der Operation ist der Situs Endometriose frei.

Der weitere stationäre Aufenthalt der Patientin gestaltete sich komplikationslos. Der Blasenkatheter verblieb für 7 Tage und die Ureterschienen konnten regelrecht entfernt werden. Als postoperative Rezidivprophylaxe wurde der Patientin leitliniengerecht die Einnahme eines 2 mg Dienogest-Mono-Präparates mit dem Ziel einer therapeutischen Amenorrhoe bis zum Eintreten des Kinderwunsches empfohlen.

Zusammenfassung Entscheidend bei V. a. Endometriose ist neben einer umfangreichen Anamnese, Palpation und Vaginalsonographie die Nierensonographie bei häufig asymptomatischem Harnstau im Falle einer Ureterbeteiligung. Bei V. a. Beteiligung des Urogenitaltraktes kann im Einzelfall ein Ausscheidungsurogramm oder MRT zur weiteren Diagnostik durchgeführt werden.

Für ein gutes operatives Ergebnis ist eine umfangreiche ggf. interdisziplinäre Planung des operativen Vorgehens unabdingbar.

4

MRT-basierte Texturanalyse (Radiomics) als vielversprechendes nicht-invasives Diagnoseinstrument bei der Adenomyose

L. Burla1,2, E. Sartoretti1, M. Mannil3, S. Seidel4, T. Sartoretti1, P. Imesch1, 5

1Klinik für Gynäkologie, Medizinische Fakultät, Universitätsspital Zürich, Schweiz; 2Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe, Kantonsspital Schaffhausen, Schweiz; 3Klinik für Radiologie, Universitätsklinikum Münster, Deutschland; 4Klinik für Radiologie und Nuklearmedizin, Kantonsspital Schaffhausen, Schweiz; 5Klinik für Gynäkologie, Klinik Bethanien, Zürich, Schweiz

Thema MRI-Diagnostik Adenomyose

Zielsetzung In dieser Proof-of-Concept-Studie soll die MRT-basierte Texturanalyse (Radiomics) als nicht-invasives Diagnoseinstrument bei der Adenomyose untersucht werden.

Patientinnen/Materialien 9 ­Patientinnen (40,4 ± 5,4; Durchschnittsalter ± SD) mit Adenomyose und 6 Patientinnen ohne Adenomyose (40,6 ± 4,3) wurden in diese retrospektive Studie an einem Zentrum eingeschlossen. Der histologische Befund stand jeweils als Referenzstandard nach Hysterektomie zur Verfügung.

Methodik Präoperative T2-gewichtete (T2w) MR-Bilder wurden für die Bildanalysen verwendet. Insbesondere wurde der Uterus jeder Patientin mit einem speziellen Softwareprogramm in 3D segmentiert und 884 Radiomics-Merkmale wurden extrahiert. Anschließend wurden einzelne und kombinierte Radiomics-Merkmale, wie sie in Machine-­Learning- (ML-) Modellen implementiert sind, mittels Receiver-Operating-Characteristics- (ROC-) Analysen bewertet.

Ergebnisse Es wurden 11 relevante Merkmale identifiziert. Die diagnostische Leistung der einzelnen Merkmale bei der Unterscheidung der Adenomyose von der Kontrollgruppe war mit AUC-Werten zwischen 0,78 und 0,98 hoch. Die Leistung von ML-Modellen, die mehrere Merkmale enthalten, war mit AUC-Werten von 1 und AUPR-Werten (Area under the Precision-Recall Curve) von 0,4 hervorragend.

Zusammenfassung Eine Reihe von Radiomics-Merkmalen, die aus routinemäßigen T2-gewichteten MRT-Sequenzen abgeleitet wurden, ermöglichten eine genaue Unterscheidung zwischen Uteri mit Adenomyose und Uteri einer repräsentativen Kontrollgruppe.

5

Einfluss der Schmerzbelastung auf die depressive Symptomatik bei ­Endometriose-Patientinnen während der COVID-Pandemie

M. Helbig, J. Drumm, F. Fürst, N. K. Schaal, T. Fehm, I. Beyer

Universitätsfrauenklinik Düsseldorf, Deutschland

Thema Schmerzbelastung und depressive Symptomatik während der COVID-Pandemie

Zielsetzung Wie geht es Endometriose­patientinnen während der COVID-Pandemie?

Patientinnen/Materialien Insgesamt 80 Patientinnen, die sich in unserem Endometriosezentrum vorgestellt und unseren COVID-­Fragebogen vollständig ausgefüllt hatten

Methodik Patientinnen, die sich in unserem Endometriosezentrum vorgestellt hatten und die Studienkriterien erfüllten, wurde während der COVID-Pandemie die Studienteilnahme angeboten. Per E-Mail wurde anschließend der Link zu einem Online-Fragebogen (SoSci-Survey) verschickt. Die 80 vollständig ausgefüllten Fragebögen und Daten wurden mittels SPSS ausgewertet und analysiert.

Ergebnisse Die Auswertung der Fragebögen ergab einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Schmerzbelastung und der depressiven Symptomatik bei Endometriosepatientinnen während der Pandemie. Patientinnen mit stärkeren Schmerzen zeigten eine signifikant höhere depressive Symptomatik als Patientinnen ohne oder mit geringen Schmerzen. Zudem zeigte sich, dass diejenigen Endometriosepatientinnen, die sich durch die Folgen der COVID-Pandemie mit ihren Schmerzen allein gelassen gefühlt hatte bzw. das Gefühl hatten, die Schmerzen alleine aushalten zu müssen, ebenfalls höhere depressive Symptome aufwiesen (p-Werte < 0.001).

Zusammenfassung Zusammenfassend lässt sich beobachten, dass Endometriosepatientinnen mit einer hohen Schmerzbelastung eine signifikant höhere depressive Symptomatik während der COVID-Pandemie aufwiesen. Die Folgen der COVID-Pandemie führten oftmals zu dem Gefühl, mit den Beschwerden allein zurecht kommen zu müssen bzw. Schmerzen allein aushalten zu müssen, was wiederum die depressiven Symptome verstärkte. Als behandelnde Ärzte/Ärztinnen sollten wir uns dieser Zusammenhänge bewusst sein und versuchen, durch gezielte Angebote und Unterstützung gegenzusteuern.

7

Laparoskopische Sanierung einer, tief die Sakralwurzel infiltrierende Endometriose mittels Neuromodulation-geleiteter Operation – Fallbericht ­eines multidisziplinären Ansatzes

S. Notaro, L. Steinkasserer, M. Steinkasserer,

Zentrales Krankenhaus Bozen, Italien

Thema Laparoskopisch radikale Eradikation einer tief infiltrierender Endometriose (TIE) der Sakralplexuswurzeln

Zielsetzung Minimierung iatrogener Schädigung bei radikaler chirurgischer Sanierung einer tief infiltrierenden Endometriose (TIE)

Patientinnen/Materialien Wir führten eine laparoskopische, vollständige Exzision der infiltrierenden Endometriose mit Beteiligung der linken Sakralplexuswurzeln, unter Zuhilfenahme von direkter motorischer Sakralwurzel-Neurostimulation [1] mit zusätzlicher Kontrolle der transkraniellen Magnetstimulation durch (TMS) [2].

In unserem Fallbeispiel handelte es sich um eine 32-jährige Nullipara, ohne Voroperationen, mit der Diagnose einer tief infiltrierenden Endometriose des linken Parametriums, die den Plexus sacralis und den linken Ureter mit konsekutiver ipsilateraler Hydronephrose infiltrierte.

Die Patientin zeigte die klassischen Endome­triose-assoziierten Symptome, wie linksseitige Ischialgie, leichte funktionelle Beeinträchtigung mit Claudicatio, antalgische Bewegungsmuster, chronische Beckenschmerzen, starke Dysmenorrhoe und primäre Sterilität.

Methodik Laparoskopisch erfolgten zunächst die Adhäsiolyse und die der topographischen Anatomie entsprechende, korrekte chirurgische Präparation des Operationsgebietes. Danach wurde eine sterile monopolare Sonde an das zu exzidierende Gewebe angelegt und die induzierte Muskelaktivität akustisch und visuell gemessen. Zusätzlich wurde eine Kontrolle mittels TMS durchgeführt, um sicherzustellen, dass keine Anzeichen einer neurologischen Funktionsbeeinträchtigung vorlagen.

Unter dieser ständigen Kontrolle wurde eine vollständige Exzision der tief infiltrierenden Endometriose erreicht, wobei die anatomische und funktionelle Integrität der Nervenfasern sichergestellt werden konnte. Zusätzlich erfolgte eine Ureteroneozystostomie links. Die Operationszeit betrug 240 Minuten, der Blutverlust 150 ml.

Iatrogene Schäden und Verletzungen konnten vermieden und folglich neurologische Komplikationen abgewendet werden.

Ergebnisse Der postoperative Verlauf gestaltete sich völlig komplikationslos, sodass die Patientin am 7. postoperativen Tag bei subjektivem Wohlbefinden in häusliche Pflege entlassen werden konnte. Die Kontroll­visite 6 Wochen postoperativ war unauffällig. Drei Monate nach der Operation war die Patientin schmerzfrei ohne neurologische-funktionelle Defizite.

Zusammenfassung Die Endometriose im kleinen Becken kann somatische Nerven infiltrieren und schwere, die Lebensqualität der Patientinnen beträchtlich einschränkende, neuropathische Symptome verursachen. Es handelt sich um eine Form der Erkrankung, der bisher wenig Aufmerksamkeit gewidmet wurde [3].

Die laparoskopische Exzision von TIE der Parametrien mit Beteiligung der Sakralwurzeln ist ein anspruchsvolles chirurgisches Verfahren, welches sowohl gute anatomische Kenntnisse als auch exzellente chirurgische Fähigkeiten erfordert.

Es ist bekannt, dass die Entfernung dieser Herde Symptome der Patientinnen verringert und ihre allgemeine Lebensqualität verbessert. Auch wenn die Schmerzen nach dem Eingriff schnell regredieren, können als postoperative Komplikationen sensorische oder motorische Defizite, einschließlich Blasenfunktionsstörungen, über Monate oder Jahre hinweg bestehen [4].

Zusammenfassend lässt sich in unserem Fallbericht diese komplexe Operation, die über intraoperative direkte motorische Nervenstimulation und TMS geleitet wurde, als ein sicheres Verfahren darstellen. Durch das hier beschriebene Procedere wird die Operationszeit nicht wesentlich verlängert, iatrogene Schäden werden vermieden und neurologische Komplikationen reduziert.

Literatur:

1. Possover R, et al. The „Laparoscopic Neuro-Navigation“ -- LANN: from a functional cartography of the pelvic autonomous neurosystem to a new field of laparoscopic surgery. Minim Invasive Ther Allied Technol 2004;13: 362–7.

2. Groppa S, et al. A practical guide to diagnostic trans­cranial magnetic stimulation: report of an IFCN committee. Clin Neurophysiol 2012; 123: 858–82.

3. Denton RO, et al. Sciatic syndrome due to endometriosis of sciatic nerve. South Med J 1955; 48: 1027–30.

4. Roman H, et al. Excision of deep endometriosis nodules of the sciatic nerve in 10 Steps. JIMIG 2021; 28: P1685–1686.

8

Koinzidenz von Uterusfehlbildungen und Endometriose – ein klinisch relevantes Problem?

E. Piriyev, T. Römer

Evangelisches Klinikum Köln Weyertal, Deutschland

Thema Endometriose, Uterusfehlbildung

Zielsetzung Es wird vermutet, dass Uterusfehlbildungen und Endometriose eine hohe Koinzidenz haben, die bei obstruktiven Fehlbildungen deutlich höher zu erwarten ist, als bei non-obstruktiven Fehlbildungen. Der Zusammenhang Endometriose und Uterusfehlbildungen ist möglicherweise auf die verstärkte retrograde Menstruation zurückzuführen. Dies betrifft daher besonders ob­struktive Fehlbildungen.

Patientinnen/Materialien In der Studie wurden Patientinnen mit Uterusfehlbildungen, die im Zeitraum vom 01.12.2014 bis zum 30.11.2019 in unser Klinikum eingewiesen wurden, überprüft.

Methodik In dieser retrospektiven Studie wurde untersucht, ob bei Patientinnen mit Uterusfehlbildungen eine höhere Prävalenz der Endometriose besteht.

Zusammenfassung Es wurden 279 Fälle analysiert. 263 (94,2 %) Patientinnen hatten eine non-obstruktive, 12 (4,3 %) Patientinnen eine obstruktive Uterusfehlbildung und 4 (1,4 %) Patientinnen eine Uterus-Agenesie/Hypoplasie. 209 (74,9%) Patientinnen hatten eine histologisch gesicherte Endometriose (peritoneale, zystische oder tief infiltrierende Endometriose) und bei 70 (25,1 %) wurde keine Endometriose nachgewiesen. In 27 Fällen handelte es sich neben peritonealer und Ovar-Endometriose auch um eine tief infil­trierende Endometriose (ENZIAN ABC).

9

Koexistenz der Endometriome mit extraovarieller Endometriose und Adhäsionen

E. Piriyev, S. Schiermeier, T. Römer

Evangelisches Klinikum Köln Weyertal, Deutschland

Thema Endometriom

Zielsetzung Endometriose ist eine chronische Erkrankung, von der etwa 10 % der Frauen im reproduktiven Alter betroffen sind. Dies führt zu einer erheblichen Morbidität und letztendlich zu einem großen Problem für das Gesundheitssystem. Ovarielle Endometriose, als Endometriome bekannt, ist die häufigste Lokalisation. Durch transvaginalen Ultraschall können Endometriome leicht diagnostiziert werden. Die diagnostische Hauptherausforderung ist die Erkennung von extraovariellen Endometriose und endome­triosebedingten Läsionen wie peritoneale und tief infiltrierende Endometriose (DIE) und Adhäsionen.

Patientinnen/Materialien In diese retro­spektive Studie wurden die Patientinnen eingeschlossen, die vom Januar 2014 bis zum Oktober 2019 in Academic Hospital Cologne Weyertal wegen eines Endometrioms behandelt wurden. Insgesamt waren es 1054 Patientinnen. Es wurden unselektioniert 310 Krankengeschichten ausgesucht und die Daten analysiert.

Methodik Es wurde die Koexistenz der Endometriome mit Adhäsionen (Adnex- und Douglasadhäsionen) im kleinen Becken, ­peritonealer und tief infiltrierender Endometriose abhängig von der Größe und der Seite der Endometriome bewertet. Die Größe der Endometriome wurde mittels sonographischer Bilder kontrolliert. Außerdem wurden die Vor-Operationen im kleinen Becken berücksichtigt (z. B. LSK bei Endome­triose und/oder Endometriome, Adhäsiolyse, ­Myomenukleation per LSK oder Laparotomie, Sectio caesarea etc.).

Alle Endometriome sowie die peritoneale Endometriose waren durch einen Pathologen histologisch gesichert. Als peritoneale Endometriose wurde nur die oberflächliche Endometriose ohne tiefe Infiltration bewertet. Das bedeutet, in Fällen, wo eine Patientin nur eine tief infiltrierende Endometriose hatte, wurde die peritoneale Endometriose als „negativ“ bewertet. Die Lokalisation der Adhäsionen sowie die Existenz der tief infiltrierenden Endometriose wurden durch die Operationsberichte kontrolliert. Die Größe der Endo­metriome wurden gemäß der #ENZIAN-Klassifikation aufgeteilt (< 3 cm, 3–7 cm, > 7 cm).

Ergebnisse In unserer Studie traten nur in 2,3 % der Fälle Endometriome alleine auf, das heißt ohne extraovarielle Endometriose und/oder Adhäsionen. In der Gesamtpopulation hatten 80,6 % (250) der Patientinnen eine peritoneale Endometriose, 43,2 % (134) der Patientinnen eine tief infiltrierende Endometriose und 38 % (118) der Patientinnen eine peritoneale und tief infiltrierende Endometriose. In unserer Analyse fanden wir heraus, dass bei einseitigen Endometriomen kein Zusammenhang zwischen Endometriomgröße und Adnexadhäsionen besteht. Das Risiko einer Douglas-Obliteration steigt bei einseitigen Endometriomen mit der Größe der Endometriome. Bei bilateralen Endometriomen ist das Risiko einer komplexen Verwachsung unabhängig von der Größe des Endometrioms relevant höher als bei einseitigen Endometriomen (Douglas-Obliteration 31,5 % vs. 16 %, bilaterale Adnexadhäsionen 45,2 % vs. 21,1 %). Einseitige Adnexadhäsionen traten bei bilateralen Endometriomen nur in 13,7 % auf.

Zusammenfassung Endometriome sind in der gynäkologischen Praxis ein relevantes Problem. Vor allem bei Frauen im reproduktiven Alter haben sie eine besondere Bedeutung. Hier muss berücksichtigt werden, dass die Endometriome meistens mit peritonealer Endometriose vorkommen und eine chirurgische Therapie sinnvoll sein kann. Bei der chirurgischen Behandlung ist jedoch mit Adhäsionen zu rechnen, was die Operation erschweren könnte. Besonders bei großen und bilateralen Endometriomen beobachtet man eine hohe Koexistenz mit extraovariellen Endometriomen und Adhäsionen. Daher soll eine Operation durch einen erfahrenen Operateur erfolgen.

11

#ENZIAN vs. rASRM – Vergleich der Klassifikationen zur Abbildung der Schmerzstärke

A. Weißleder1, L. Schwendt1, 2, P. Drazic2

1Klinik XX Gynäkologie, Bundeswehrkrankenhaus Westerstede; 2Endometriosezentrum Ammerland, Ammerland ­Klinik GmbH, Akademisches Lehrkrankenhaus der MH-­Hannover, Deutschland

Thema Endometrioseklassifikationen

Zielsetzung Eine ideale Klassifikation der Endometriose sollte u. a. den Schweregrad des Schmerzes abbilden können [1]. Die meistangewendete Endometriose-Klassifi­ka­tion rASRM zeigt eine geringe Korrelation mit Symptomen [2]. Der Schweregrad des Schmerzes kann mittels Numerischer Analogskala, kurz NRS, abgebildet werden. Ob dieser Schweregrad in der rASRM-Stadieneinteilung und der neuen umfassenden #­ENZIAN-Klassifikation von 2021 [3] abgebildet wird, soll mit der folgenden Untersuchung geklärt werden.

Patientinnen/Materialien Wir betrachteten über 300 Patientinnen retrospektiv, die im Jahr 2021 in dem Endometriosezentrum Ammerland betreut worden sind. Diese wurden präoperativ zur Schmerzstärke befragt. Im Rahmen der nachfolgenden Operation wurde die vorliegende Endometriose mittels beider o. g. Klassifikationen beschrieben.

Ausgeschlossen wurden Frauen mit Adenomyosis uteri und makroskopisch und histologisch ausgeschlossener Endometriose. Somit konnten wir insgesamt 292 anonymisierte Datensätze auswerten.

Methodik Es erfolgte eine deskriptive Auswertung der Daten anhand des Mittelwertes.

Ergebnisse In der untersuchten Gesamtpopulation waren die Patientinnen im Mittel 32 Jahre alt und wiesen eine NRS von 6,7 auf (Tab. 1).

Zusammenfassung Aufgrund der vorlie­genden Ergebnisse können derzeit keine nennenswerten Unterschiede in den o. g. Klassifikationen ermittelt werden. In der #ENZIAN-Klassifikation fällt jedoch eine ansteigende NRS je nach Größe des befallenen Peritoneums auf. Patientinnen höherer Stadien weisen eine höhere Anzahl an Voroperationen auf, möglicherweise infolge einer Rezidivsituation oder einer inkompletten Sanierung. Erwähnenswert ist jedoch, dass die NRS in der Gesamtpopulation mit rund 7 angegeben wurde und den enormen Leidensdruck der Patientinnen bemerkenswert widerspiegelt. Limitierend ist der bisherig geringe Datensatz, welcher jedoch zukünftig erweitert werden wird.

Literatur:

1. Engel J, et al. Klassifikation der Endometriose. Der Gynäkologe 2015; 48. DOI. 10.1007/s00129-014-3423-z.

2. Johnson NP, et al. World Endometriosis Society consensus on the classification of endometriosis. Hum Reprod 2017; 32: 315–24.

3. Keckstein J, et al. Classification of deep endometriosis (DE) including bowel endometriosis: From r-ASRM to #Enzian-classification. Best Pract Res Clin Obstet Gynaecol 2021; 71: 27–37.

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Minimal-invasive Resektion der Zwerchfellendometriose

D. Dayan, M. Schmid, W. Janni, K. Hancke, H. Schäffler, K. Pfister, S. Lukac

Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Universitätsklinikum Ulm, Deutschland

Thema Operative Behandlung der Endometriose mit atypischen Lokalisation

Zielsetzung Fallbericht von 3 Fällen mit laparoskopischer Resektion der tiefinfiltrierenden Endometriose (TIE) am Zwerchfell mittels Single-surgeon-single-cavity-Verfahren in Rahmen der komplexen Endometriosesanierung.

Patientinnen/Materialien Im Jahr 2021 wurde in unserer Klinik bei 3 Patientinnen aufgrund therapieresistenter und zunehmender Beschwerden eine operative Sanierung der TIE durchgeführt. Es erfolgte eine Resektion des Darmbefalls mit zusätzlicher Resektion der Zwerchfellendometriose. Die Patientinnen waren 25, 27 und 28 Jahre alt, mit normalem BMI. Zwei von ihnen hatten zusätzlich eine primäre Sterilität und alle 3 waren bereits extern wegen Endometriose voroperiert. Klinisch berichteten alle Patientinnen über zyklische Schulterschmerzen.

Die Patientinnen wurden zwischen März und August 2021 operiert. Intraoperativ wurden folgende Stadien festgestellt: Fall 1: ENZIAN A3, B3, C1, FA, FU, FI, FD (2 cm TIE rechts), rASRM IV; Fall 2: ENZIAN A3, B1, C3, FA, FU, FI, FD (> 2 cm mehrere TIE rechts), rASRM IV; Fall 3: ENZIAN A2, B2, C1, FA, FD (> 2 cm große mehrere TIE beidseits), rASRM II. Im Rahmen der Endometriosesanierung erfolgte bei allen Patientinnen eine laparoskopische Resektion der Zwerchfellherde.

Methodik Die Eingriffe wurden per umbilikalem Zugang mit 10 mm 30° Optik durchgeführt. Es wurden zusätzlich zwei je 5 mm Arbeitstrokare im Oberbauch rechts und mittig platziert.

Ergebnisse Eine transmurale Resektion des Zwerchfells mit Eröffnung der Pleurahöhle war notwendig. Bei 2 der 3 Fälle zeigten sich hinter der Leber weitere TIE-Herde, welche eine Mobilisierung der Leber erforderten. Nach Resektion der Herde wurde die Zwerchfellöffnung mittels Vicryl-Naht USP 1 verschlossen. Um die Anlage einer Throaxdrainage zu vermeiden, wurde das letzte Stück der Öffnung unter Absaugen des Pneumothorax per laparoskopischem Sauger und tiefer Blähung der Lungen mittels Tabakbeutelnaht verschlossen. Alle Patientinnen konnten planmäßig zwischen dem 3. und 7. postoperativen Tag ohne Komplikationen entlassen werden. Bei der Follow-up-Kontrolle 6 Monate nach der Sanierung wurden keine periodenassoziierten Schulterschmerzen mehr berichtet; eine Patientin war bereits schwanger.

Zusammenfassung Eine laparoskopische minimal invasive Sanierung der TIE am Zwerchfell ist in erfahrenen Händen ein sicheres Verfahren, das ein gutes klinisches Outcome für die betroffenen Patientinnen haben kann.

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Follow-up einer prospektiv-randomisierten, kontrollierten klinischen Studie zur Adhäsionsprophylaxe mit 4DryField® PH nach Endometriose-Resektion

B. Krämer, S. Kommoss, S. Hoffmann, S. Brucker, K. Schneider, V. Sommerlath, J. Andress, F. Neis, A. Höller

Universität-Frauenklinik Tübingen, Deutschland

Thema Endometriose, Schmerzen und Fertilität

Zielsetzung In unserer randomisierten, kontrollierten Studie zu 4DryField® PH zeigten die primären Endpunktdaten eine signifikante Reduktion des Adhäsionsscores um 85 %. Im Folgenden werden die Daten der sekundären Endpunkte vorgestellt, die während der Nachverfolgung über 12 Monate erhoben wurden.

Patientinnen/Materialien Fünfzig Patientinnen mit einem zweistufigen Eingriff bei tief infiltrierender Endometriose wurden eingeschlossen.

Methodik Die Interventionsgruppe wurde in beiden Eingriffen mit 4DryField® PH-Gel behandelt, die Kontrollgruppe erhielt Kochsalzlösung. Die Schmerzwerte wurden prä- und 1, 6 und 12 Monate postoperativ erfasst, um zyklusunabhängige Beckenschmerzen, Dysmenorrhöe, Dyspareunie, Dyschezie und Dysurie zu bewerten. Empfehlung zur Adhäsiolyse, Kinderwunsch und Schwangerschaften wurden ebenfalls erfasst. 92 % der Patientinnen schlossen die Nachverfolgung ab.

Ergebnisse In beiden Gruppen traten keine Komplikationen auf. Alle Schmerzwerte und die Rate der Patientinnen mit Empfehlung zur Adhäsiolyse (indirekte Indikationsstellung aufgrund der Zunahme der Schmerzen) waren in der Interventionsgruppe nach 12 Monaten niedriger. Wobei der Endpunkt „Schmerz“ nicht nur von der Adhäsionsbildung abhängig ist, sondern z. B. auch vom Wiederauftreten der Endometriose. Daher ist die Varianz hoch und eine statistische Signifikanz schwer zu erreichen.

Dennoch konnte eine signifikant höhere Schwangerschaftsrate in der Interventionsgruppe nachgewiesen werden: 7 von 11 Patientinnen mit Kinderwunsch (64 %) der 4DryField® PH-Gruppe wurden schwanger und nur 3 von 14 (21 %) der Kontrolle. Zudem verbesserten sich die Werte für zyklusunabhängige Beckenschmerzen, Dysmenorrhöe und Dyspareunie in der Interventionsgruppe signifikant. In der Kontrollgruppe hingegen wurde eine signifikante Verbesserung nur für Dysmenorrhöe erzielt.

Zusammenfassung Die Daten der sekundären Endpunkte unterstreichen die Ergebnisse der primären Endpunkte, d. h. 85%ige Reduzierung der Adhäsionen mit 4DryField® PH. Der signifikante Anstieg der Schwangerschaften ist bemerkenswert.

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Wie wird es mir nach der OP gehen? – Einflussfaktoren des postoperativen Befindens bei Patientinnen mit Endometriose

N. Hirsing, A.-K. Meyrose, Y. Nestoriuc, O. Buchweitz

Klinische Psychologie; Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg, Deutschland

Thema Erwartungen, Endometriose, Laparoskopie

Zielsetzung Diese Studie untersucht medizinische und psychologische Einflussfaktoren des postoperativen Behandlungsergebnisses bei Patientinnen mit Endometriose. Von besonderem Interesse sind dabei Erwartungen als potentiell modifizierbare Faktoren.

Patientinnen/Materialien Zielstichprobe: Patientinnen mit oder dem Verdacht auf Endometriose und Laparoskopie-Termin in der Frauenklinik an der Elbe (Hamburg).

Materialien: Primärer Endpunkt ist die subjektive Beeinträchtigung durch die Beschwerden im Alltag (Pain-Disability-Index, Gesamtscore 0–70; je höher der Gesamtscore, desto größer die Beeinträchtigung), sekundäre Endpunkte sind u. a. Endometriose­beschwerden und die Lebensqualität. Als unabhängige und modulierende Maße werden u. a. präoperative Behandlungserwartungen (Treatment-Expectation-Questionnaire, Gesamtscore 0–10; je höher der Gesamtscore, desto positiver die Behandlungserwartungen), medizinische Charakteristika der Endometriose (z. B. rASRM-Stadium, #ENZIAN-­Score), Ängstlichkeit und Depressivität erfasst.

Methodik In einer klinischen Mixed-Method-­Kohortenstudie werden n = 300 ambulante Patientinnen über einen Zeitraum von 12 Monaten einmal prä- und achtmal postoperativ zu ihren aktuellen Beschwerden und Beeinträchtigungen, Erwartungen, Lebensqualität und allgemeinem Wohlbefinden befragt. Ergänzend dazu nimmt jeweils eine Teilstichprobe von n ~ 20 an 1) halbstrukturierten Interviews prä- und postoperativ oder 2) postoperativ an einer Smartphone-basierten Tagebuchstudie zu ihrem aktuellen Befinden und Erwartungen teil.

Ergebnisse Von August 2021 bis Januar 2022 wurden bisher n = 71 Patientinnen nach intraoperativer Bestätigung der Verdachtsdiagnose und vollständiger Sanierung der Endometriose in die Studie eingeschlossen. Die Patientinnen sind zwischen 18 und 48 Jahre alt (m = 30,00 ± 6,9). Als primären Behandlungsgrund gaben 80,3 % ausschließlich Endometriose-Beschwerden, 19,7 % einen unerfüllten Kinderwunsch und Endometrio­se-Beschwerden an. Die durchschnittliche Dauer der Laparoskopie betrug 67,9 Minuten (± 27,0), die intraoperative Komplikationsrate lag bei < 1 %. In der Vorgeschichte sind 16,9 % der Patientinnen bereits wegen Endometriose laparoskopisch operiert worden. Bei 83,1 % des Kollektivs handelt es sich um eine Primärdiagnose.

Intraoperativ zeigte sich in 78 % der Fälle eine minimale und milde Endometriose, die bei 11 Patientinnen (19,6 %) mit einer tief infiltrierende Endometriose einherging. 22,0 % der Patientinnen hatten eine moderate bis schwere Endometriose, die bei 8 Patientinnen (53 %) mit einer tief infiltrierende Endome­triose kombiniert war. Bei 3 der 19 Patientinnen war nur das A-Kompartiment betroffen, bei 11 nur das B-Kompartiment und bei 5 das A & B-Kompartiment.

Die betrachtete Stichprobe zeigt im Vergleich zu Frauen in der Allgemeinbevölkerung eine fast 5-fach höhere Beeinträchtigung im Alltag (m = 31,1 ± 13,7 vs. m = 6,9 ± 11,1) und höhere somatische Beschwerden allgemein (m = 15,2 ± 5,8). Zudem scheinen die Patientinnen sowohl ängstlicher (m = 2,4 ± 1,7 vs. m = 0,9 ± 1,1) als auch depressiver (m = 2,4 ± 1,4 vs. m = 1,0 ± 1,2) zu sein als Frauen in der Allgemeinbevölkerung. Als klinisch auffällig ängstlich können 23,9 % der Stichprobe eingeschätzt werden, klinisch auffällig depressiv sind 22,5 %. Patientinnen zeigen im Schnitt positive Erwartungen an eine Symptomverbesserung durch die Laparoskopie (m = 6,9 ± 2,1), die bei 33,8 % der Patientinnen jedoch unter dem Durchschnitt anderer klinischer Kollektive (m = 7,5 ± 2,3) liegen, die kurz vor einer psychotherapeutischen oder medizinischen Behandlung standen. Erwartungen bezüglich negativer Auswirkungen (m = 2,0 ± 2,3) liegen ebenfalls vor, wobei diese bei 15,5 % der Patientinnen über dem Durchschnitt des klinischen Vergleichskollektivs (m = 2,5 ± 2,4) liegen.

Zusammenfassung Endometriose ist mit erheblichen körperlichen Beschwerden und Beeinträchtigungen assoziiert, die zu hohen psychosozialen Belastungen der Patientinnen im Alltag führen.

Aktuelle Studien zeigen, dass 20–30 % der Patientinnen, trotz erfolgreicher Sanierung der Endometriose, weiter bedeutsame endometriosespezifische Beschwerden und Beeinträchtigungen berichten. Das legt nahe, dass nicht nur medizinische, sondern auch psychologische Faktoren wie Erwartungen eine Rolle für das Behandlungsergebnis darstellen. Aus diesem Grund sollen, basierend auf den Ergebnissen dieser Studie, Behandlungsmöglichkeiten mittelfristig verbessert und um bedarfsangepasste psychologische Interventionen ergänzt werden.

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Prädiktoren von Partnerschafts- und Sexualitätszufriedenheit und dyadische Effekte bei Paaren mit Endometriose

D. van Eickels1, M. Schick1, A. Germeyer2, S. Rösner2, T. Strowitzki2, T. Wischmann1, B. Ditzen1

1Institut für Medizinische Psychologie, Universitätsklinikum Heidelberg; 2Abteilung Gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsstörungen, Universitäts-Frauenklinik Heidelberg, Deutschland

Thema Endometriose und Partnerschaft

Zielsetzung Untersuchung des Zusammenhangs psychosozialer Faktoren und Kinderwunsch mit der Partnerschaftszufriedenheit (PZ) und Sexualitätszufriedenheit (SZ) bei Paaren mit Endometriose.

Patienten/Materialien Fragebogen-Querschnittsstudie mit Items zu Partnerschaft, Schmerz, Sexualität, Depressivität, sozialer Unterstützung und vorhandenem Kinderwunsch bei Frauen mit Endometriose und deren Partnern am Universitätsklinikum Heidelberg. Es wurden die Antworten von 62 Frauen und 46 Partnern verwendet (darunter 44 heterosexuelle Paare).

Methodik Zur Bestimmung der Prädiktoren für die PZ und SZ wurden multiple lineare Regressionen und eine Moderationsanalyse für die Kovariate Kinderwunsch durchgeführt. Dyadische Effekte wurden mit dem Akteur-Partner-Interdependenz-Modell (APIM) erfasst.

Ergebnisse Depressivität korrelierte negativ (p = 0,015) und soziale Unterstützung positiv (p = 0,008) mit der PZ bei beiden Partnern. Kinderwunsch zeigte einen positiven Moderatoreffekt auf die Beziehung von sozialer Unterstützung und PZ (p = 0,047). Depressivität korrelierte negativ (p = 0,030) und die Sexfrequenz positiv (p < 0,001) mit der SZ bei beiden Partnern: Häufigere Schmerzen der Frau beim Sex hingen mit einer größeren Differenz der SZ von Frau und Partner zusammen (p = 0,031). Kinderwunsch zeigte keinen Moderatoreffekt auf die SZ.

Im APIM zeigten sich positive Effekte der Kovariate Kinderwunsch für die PZ (p = 0,042) und die SZ (p = 0,047). Für die PZ bei Paaren mit Kinderwunsch zeigte Depressivität einen negativen Akteur-Effekt von Depressivität bei Männern (p = 0,021) und einen positiven Akteur-Effekt von sozialer Unterstützung bei Frauen (p = 0,046). Für die SZ bei Kinderwunsch-Paaren zeigte Depressivität einen negativen Akteur-Effekt bei Frauen (p = 0,027) und einen negativen Partner-Effekt von Frau zu Partner (p = 0,019).

Zusammenfassung Soziale Unterstützung korrelierte positiv mit PZ und Depressivität negativ mit PZ und SZ. Der negative Zusammenhang von Depressivität der Frau mit der SZ des Partners könnte auf die Schmerzen der Frau beim Sex zurückzuführen sein. Die Interaktion von Kinderwunsch und sozialer Unterstützung könnte auf die Wichtigkeit eines intakten sozialen Umfelds für die Familienplanung hinweisen. Das Einbeziehen männlicher Partner und psychologische Unterstützung des Paares könnten aufgrund der Studienergebnisse wichtige Aspekte in der Behandlung von Frauen mit Endometriose sein.

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Prospektive Kohortenstudie zum Vergleich von präoperativem #­ENZIAN und täglichem Symptomscore mit intraoperativem Befund, OP-Dauer und OP-Erfolg bei Patientinnen mit Endometriose

M. S. Radolak, M. Sillem , B. Haj Hamoud, G. Olmes,
E.-F. Solomayer

Klinik für Frauenheilkunde, Geburtshilfe und Repro­duktionsmedizin, Universitätsklinikum des Saarlandes, Deutschland

Thema #ENZIAN-Klassifikation: Vergleich präoperativer vs. intraoperativer #ENZIAN-Befund; Erfassung des täglichen Symptomscores durch das Führen eines Schmerz-Zyklus-Kalenders zur Herausstellung von Unterschieden zwischen Patientinnen mit einer tief infiltrierenden vs. einer peritonealen Endometriose.

Zielsetzung Diese Studie untersucht, ob durch einen präoperativ erhobenen #ENZIAN-­Score Rückschlüsse auf den zu erwartenden intraoperativen Befund sowie auf die OP-Dauer und den OP-Erfolg gezogen werden können. Weiterhin sollen mit dem Führen eines Patiententagebuches zur Erfassung der täglichen Symptomlast mögliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Endometrioseformen (tief infiltrierend versus peritoneal) erfasst werden.

Patientinnen/Materialien Es handelt sich um eine prospektive Kohortenstudie, die 100 Patientinnen umfassen soll, welche sich in der Endometriose-Sprechstunde der Klinik für Frauenheilkunde, Geburtshilfe und Reproduktionsmedizin der Universitätsklinik des Saarlandes zur operativen Abklärung bei Endometriose vorstellen. Die Datenanalyse erfolgte über einen Zeitraum von einem Jahr.

Methodik Anhand von Anamnese, gynäkologischer Untersuchung, transvaginaler Sonographie sowie Zusatzuntersuchungen wie MRT, Koloskopie und Zystoskopie wird der präoperative #ENZIAN-Score erhoben. Zur Erfassung viszeraler und urogenitaler Schmerzen wird in aktueller Version ein standardisierter Fragebogen der Deutschen Schmerzgesellschaft genutzt, in diesem Rahmen werden die Patientinnen ebenfalls zu ihrer Lebensqualität befragt. Außerdem erhalten die Studienteilnehmerinnen einen Schmerz-Zyklus-Kalender, der über 1–2 Menstruationszyklen die tägliche Symptomlast dokumentieren soll. Erfasst werden u. a. die Dysmenorrhoe sowie Schmerzen im kleinen Becken über die Numerische Rating-­Skala.

Intraoperativ wird der #ENZIAN-Score vom Operateur am Anfang und am Ende der Operation erhoben. Zusätzlich wird die OP-Dauer gemessen. Die Datenerfassung erfolgt über das Programm EQUSUM (Endometriosis QUality and grading instrument for SUrgical perforance). Nach 9–12 Monaten erfolgt die Kontaktierung und Befragung der Studienteilnehmerinnen zur Evaluierung des OP-Erfolgs mittels Beantwortung von neun geschlossenen Fragen.

Ergebnisse Die aktuelle Auswertung umfasst insgesamt 18 Patientinnen. Als Hauptbeschwerde- und Konsultationsgrund wurde eine ausgeprägte Dysmenorrhoe (Durchschnitt: NRS 8/10) angeführt. Neben der Dysmenorrhoe gehörten Dyspareunie sowie Schmerzen im kleinen Becken zu den führenden Beschwerden. Bei 2 Patientinnen bestand ein aktuell unerfüllter Kinderwunsch (> 1 Jahr), bei den weiteren 16 Patientinnen wurde ein prospektiver Kinderwunsch geäußert. Die ausgefüllten Schmerz-Zyklus-­Kalender wurden vor der Operation abgegeben. Insgesamt wurden 16 Kalender ausgewertet, hierunter waren intraoperativ 3 Patientinnen ohne einen Anhalt auf Endometriose. Durchschnittlich war die Differenz wiederaufkommender Schmerzen zwischen Tagen mit und ohne Periode bei Patientinnen, die ausschließlich eine tief infiltrierende Endometriose zeigten, länger. So vergingen hier im Durchschnitt 14 Tage, bis die Patientinnen erneut Schmerzen angaben. Bei Patientinnen mit einer peritonealen Endometriose waren es hingegen 9 Tage.

In allen Fällen wurde eine diagnostische Hysteroskopie und Laparoskopie mit Chromopertubation mit Methylenblau durchgeführt (durchgängig: 72 %; einseitig: 22 %; nicht durchgängig: 6 %). Intraoperativ zeigten sich vor allem bei bis zu 67 % der Patientinnen peritoneale Läsionen. Dies spiegelte sich auch in der präoperativen Diagnostik wider, da hier in 11 Fällen sonographisch kein Verdacht auf eine Endometriose gestellt werden konnte. Weitere intraoperative Befunde ergaben sich u. a. im Kompartiment B (22 %). Eine Adenomyosis uteri lag in 22 % der Fälle vor. Als Nebenbefunde zeigten sich ein Uterus subseptus, ein Myom, sowie Zysten (n = 3), darunter neben funktionellen Zysten einmalig eine Endometriosezyste. Die OP-Dauer war bei dem Vorliegen einer tief infiltrierende Endometriose im Durchschnitt um 15 Minuten länger.

Zusammenfassung Die Studie befindet sich aktuell in der Rekrutierungsphase. Bei 67 % der eingeschlossenen Patientinnen zeigte sich eine peritoneale Endometriose, die sonographisch nicht ausreichend diagnostiziert werden kann. Ein präoperativer #ENZIAN-Score hat somit nur begrenzte Aussagekraft. In Planung steht der weitere Einschluss von Patientinnen mit einer tief infiltrierenden Endometriose, um diese mit peritonealen Läsionen zu vergleichen und den präoperativen Wert des #ENZIAN-Scores zu verdeutlichen.

Bei der Auswertung der Schmerztagebücher zeigte sich eine Tendenz zu einer ausgeprägteren Dysmenorrhoe bei Patientinnen mit einer Darmendometriose, wobei die Differenz aufkommender Schmerzen zwischen Tagen mit und ohne Menstruation hier im Schnitt etwas länger war als bei Patientinnen mit einem peritonealen Befall. Insbesondere Patientinnen mit einer peritonealen Endometriose gaben an, dass ihre Lebensqualität vermindert sei. Die postoperative Nachbefragung zum OP-Erfolg ist noch ausstehend und erfolgt in den nächsten Monaten.

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Different segmental resection techniques and surgical outcomes in patients with colorectal endometriosis: a systematic review

E. Darici, M. Salama, A. Bokor, E. Oral, B. Dauser, G. Hudelist

Department of Obstetrics and Gynecology, University of Health Sciences Turkey, Zeynep Kâmil Women and Children‘s Diseases Training and Research Hospital, Istanbul, Turkey

Subject Endometriosis

Aim To analyze the available literature by conducting a systematic review to assess the possible effects of different segmental resection techniques on surgical outcomes regarding perioperative morbidity, complications and postoperative sequelae

Patients/Materials Data Source: Pubmed, Clinical Trials.gov, Cochrane Library, and Web of Science were comprehensively searched from 1997 to 2021 in order to perform a systematic review. The MESH (Medical Subject Headings) terms “bowel endometriosis”, “colorectal endometriosis” combined with “segmental resection”, “colorectal resection”, “radical surgery” and “treatment”, “outcomes”, “complications” were utilized by combining terms with the search functions “AND” and “OR”.

Methods An independent investigator (ED) screened titles, keywords, and abstracts for relevant indicators. Studies including patients undergoing segmental resection for colorectal endometriosis including adequate follow-up, data on early and late postoperative complications, postoperative sequelae, and recurrence rates of endometriosis were enrolled in this review. Selected articles were evaluated and divided in two groups: Nerve-sparing resection (NSR), and conventional segmental resection not otherwise specified (SRNOS).

Results A total of 7549 patients, represented across 63 studies were included in the data analysis. In total 43 publications comprising 5006 patients did neither mention the preservation nor removal of the hypogastric nerve plexus nor main rectal artery supply and were summarized as SRNOS. The remaining 22 studies comprising 2543 patients listed under the NSR group. Within the NSRs, 8 studies mentioning preservation of the rectal artery supply including 424 patients (artery and nerve sparing SR, i.e. ANSR) and 2119 patients not reporting preservation of the artery supply (NSR not otherwise specified – NSRNOS) were further analysed. The mean size of the resected DE lesions and patients‘ BMI were comparable among SRNOS and NSR. A mean of 3.6% (0–16.6) and 2.3% (0–10.5%) of rectovaginal fistula development (RVV) was reported in patients who underwent SRNOS and NSR, respectively (p = 0.06). Within the NSR group, 2% (0–10.5) and 2.3 % (0–10.5) RVV rates were reported for ANSR and NSRNOS, respectively (p = 0.52). Anastomotic leakage rates varied from 0% to 8.6% (mean 1.7 ± 2%) in SRNOS compared 0% to 8% (mean 1.7 ± 2%) in patients undergoing NSR (p = 0.96). Within NSR subgroups ANSR and NSRNOS, anastomotic leakage rates varied from 0% to 3.2% (mean 1.8 ± 1%) and 0% to 8% (mean 1.6 ± 2%), respectively (p = 0.84). Urinary retention (4.5% and 4.9%), and long-term bladder catheterization (4.9% and 5.6%) were frequently reported in SRNOS and NSR (p = 0.88, p = 0.78). There was insufficient information about pain or the recurrence rates for women undergoing SRNOS and NSR.

Conclusion Current data on the outcomes of different segmental resection techniques are inhomogeneous and not sufficient to reach a conclusion regarding a possible advantage of one technique over the other. Comparative and prospective studies are needed to evaluate the effect of the technique on surgical outcomes.

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Differences in intensity and quality of bowel symptoms in patients with colorectal endometriosis: a case-control study

E. Darici, L. M. Reh, E. Montanari, J. Keckstein, B. Senft, B. Dauser, G. Hudelist

Department of Obstetrics and Gynecology, University of Health Sciences Turkey, Zeynep Kâmil Women and Children‘s Diseases Training and Research Hospital, Istanbul, Turkey

Subject Endometriosis surgery

Aim Patients suffering from colorectal deep endometriosis (DE) experience gastrointestinal symptoms with almost the same frequency as gynaecological pain symptoms. Preoperatively existing gastrointestinal symptoms may translate into pathological Gastrointestinal Quality of Life Index (GIQLI) and Low Anterior Resection Syndrome scores (LARS). This prospective questionnaire-based case control study aims to assess the prevalence of gastrointestinal complaints reflected by changes in LARS and GIQLI scores in patients with colorectal deep endometriosis prior to surgical treatment and compare those to a healthy control group.

Patients/Materials The study included a total of 97 patients with histologically confirmed colorectal DE with radical surgical treatment and 96 women in which DE was excluded via transvaginal sonography (TVS) by an expert sonographer or visually during a previous caesarean section within 12 months of inclusion

Methods The study was conducted at a tertiary referral centre for endometriosis, Department of Gynaecology of the Hospital St. John of God in Vienna, Austria. Gastrointestinal symptoms reflected by LARS and GIQLI scores were evaluated presurgically and in controls.

Results A total of 193 premenopausal patients were included in this study. A mean GIQLI of 90.7 ± 22.0 and 129.4 ± 11.1 was observed among patients and controls, respectively, showing a significantly higher morbidity concerning gastrointestinal symptoms and decreased quality of life (QoL) compared to healthy controls (p <0.001). The LARS score results demonstrated that 18.6% of the patients with bowel DE presented with a major LARS and 27,8% with a minor LARS presurgically compared to 2.1% and 9.4% of control patients (p < 0001).

Conclusion Patients with colorectal DE experience a high intensity and quality of gastrointestinal symptoms translating into a decreased QoL and pathological GIQLI and LARS scores already presurgically. As a consequence, these instruments should be interpreted with caution in a postoperative setting and should routinely be evaluated presurgically in order to evaluate baseline values of changes in bowel finction in women undergoing colorectal surgery for DE.

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Beobachtungsstudie des Einflusses der Endo-App auf die Lebensqualität von Endometriose-Betroffenen

N. Rohloff, T. Götz, M. Rothenhöfer, S. D. Schäfer

Endo Health GmbH, Chemnitz, Deutschland

Thema Smartphone-gestützte multimodale Endometriose-Therapie

Zielsetzung Die Studie hat das Ziel, erste Hinweise zum Einfluss auf die Lebensqualität zu geben und Informationen für die Planung weiterer Studien zu liefern.

Patientinnen/Materialien Die finale Stichprobe bestand aus 106 Frauen. Teilabnahmekriterien waren dabei die Angaben, weiblich und volljährig, sowie von Endometriose betroffen zu sein. Personen, welche diese Kriterien nicht erfüllten, wurden von der Teilnahme ausgeschlossen.

Die Frauen in der finalen Stichprobe waren im Alter von 20 bis 51 Jahre (Mittelwert: 33 Jahre), wohnten in Deutschland und stammten aus verschiedenen beruflichen Situationen (am häufigsten waren Angestellte vertreten [68 Frauen], danach Studentinnen [14 Frauen]).

Gemäß eigener Angaben waren alle Teilnehmerinnen von Endometriose betroffen.

Methodik Die Studie bestand aus einer initialen Befragung sowie einer Folgebefragung. Die Befragungen wurden mittels Online-Fragebogen durchgeführt. Nach der initialen Befragung wurde die Endo-App als Zusatz zur Standardtherapie zum Download angeboten. Die Folgebefragung fand 2 Wochen nach der initialen Befragung statt. Zur Bestimmung krankheitsbezogenen der Lebensqualität wurde der validierte Fragebogen Endometriosis Health Profile (EHP) der Oxford-Universität genutzt. Dabei besteht der EHP aus verschiedenen Domänen, die einzeln ausgewertet oder im Summary-Index zusammengefasst werden können. Zusätzlich wurden aktuelle Therapiemaßnahmen, Zyklus, Nutzung der App sowie spezifische Fragen zur App und soziodemografische Daten abgefragt.

Die Auswertung erfolgte explorativ per protocol.

Ergebnisse Von den 106 Teilnehmerinnen nutzten 64 nach eigenen Angaben die Endo-App (Nutzergruppe). 42 gaben hingegen an, dass sie die Endo-App nicht genutzt hatten (Nicht-Nutzergruppe). N = 15 Frauen gaben einen Grund für die Nicht-Nutzung an. Gründe fielen in die Kategorien technische Probleme und wenig Zeit für Handynutzung.

Die Ergebnisse zeigten bereits nach 2 Wochen Nutzung der App eine signifikante Verbesserung des EHP-30. Für 9 von 10 gemessenen Variablen der Lebensqualität wurde eine signifikante Veränderung in der Gruppe, welche die Endo-App nutzte, festgestellt. Die Lebensqualität gemäß Summary-Index verbesserte sich um –9,21 Punkte. Nach 2 Wochen Nutzung waren die Auswirkungen der Endometriose auf das Arbeitsleben („Work“) im Durchschnitt um –9,93 Punkte reduziert. Ebenfalls verbesserte sich die Variable für „Kontrolle & Hilflosigkeit“ um –14,58 Punkten. Auch im Bereich „Schmerz“ kam es zu einer Verbesserung von –9,23 Punkten. Nur die Domäne „Selbstbild“ zeigte eine kleinere Verbesserung von –4,56 Punkten, welche nicht statistisch signifikant war.

Die gleiche inferenzstatistische Analyse wurde ebenfalls für die Nicht-Nutzergruppe durchgeführt.

Bei der Nicht-Nutzergruppe kam es zu einer statistisch signifikanten Veränderung (Verbesserung) von der Pain-Domäne des EHP. Weitere signifikante Ergebnisse ergaben sich nicht.

Um zu überprüfen, ob die Differenz zwischen Nutzergruppe und Nicht-Nutzergruppe für den Summary-Index signifikant ist, wurde ein zweiseitiger Mann-Whitney-U-Test für den Summary Index berechnet. Dieser war hochsignifikant mit p = 0,006477.

Um eine Verzerrung der Lebensqualität-Scores durch vermehrte Beschwerden während der Periode auszuschließen, wurde der Zeitpunkt des Zyklus zum Zeitpunkt der Initialbefragung bestimmt. Es kam unter den Teilnehmerinnen jedoch zu keiner signifikanten Häufung von Menstruationsphasen während der Initial- oder Folgebefragung und zu einer gleichmäßigen Verteilung über alle Zyklusabschnitte und Frauen mit Langzyklus-Hormontherapie. Folglich ist davon auszugehen, dass keine signifikante Verzerrung der Ergebnisse durch bestimmte Zyklusphasen stattfand.

Es ist aufgrund des explorativen multiplen Testens anzumerken, dass viele Domänen und vor allem auch der Summary-Index der Nutzergruppe auch nach Ausgleich für multiples Testen nach der Bonferroni-Holm-­Methode signifikant blieben.

Zusammenfassung Die Verwendung der Endo-App führte bereits nach 2 Wochen zu einer signifikanten Verbesserung der Lebensqualität entsprechend des EHPs. Für 9 von 10 gemessenen Variablen der Lebensqualität wurde eine statistisch signifikante Veränderung festgestellt.

Durch weitere Analysen konnte weiter validiert werden, dass die gemessenen, positiven Effekte nicht auf andere Faktoren zurückzuführen sind.

Zusammengenommen verweisen die Ergebnisse darauf, dass die Lebensqualität von Endometriose-Betroffenen durch die App-Nutzung zusätzlich zur Standardtherapie gesteigert werden könnte.

Für die weitere Erforschung der Auswirkungen der Endo-App auf die Lebensqualität sind weitere Studien notwendig. Hierfür sollten randomisierte, kontrollierte Interventionsstudien über längere Zeiträume durchgeführt werden.

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Symptome und eigene Maßnahmen zur Symptomlinderung von Endometriose-Betroffenen in Deutschland

N. Rohloff, T. Götz, C. Dording, M. Rothenhöfer

Endo Health GmbH, Chemnitz, Deutschland

Thema: Symptome und Selbstmanagement sowie integrative Maßnahmen

Zielsetzung: Aktuelle Symptombelastung und Einsatz von Maßnahmen

Patientinnen/Materialien Im Oktober 2021 wurden 1976 Personen online zu ihren Symp­tomen bei Endometriose sowie zu den von ihnen genutzten Maßnahmen zur Symptomlinderung und deren Wirksamkeit befragt. Die Rekrutierung erfolgte über Social Media. Der Diagnoseweg sowie das Vorliegen der Endometriose wurde abgefragt. Bei zutreffenden Einschlusskriterien sowie vollständigem Durchlaufen des Fragebogens wurden 1743 Personen mit Endometriose in die Auswertung eingeschlossen.

Methodik Auf einer 5-er-Likert-Skala konnten die Teilnehmer angeben, ob die 49 erfragten Symptome bei ihnen „gar nicht“ bis „sehr stark“ vorliegen. Ebenso wurden 32 Maßnahmen zur Symptomlinderung mit einer 5-er-Likert-Skala erfasst, von „gar nicht hilfreich“ bis „sehr hilfreich“. Die Auswahl der Symptome, die in den Fragebogen aufgenommen wurden, erfolgte in einem dreischrittigen Prozess. Zunächst wurden die Standardsymptome nach Leitlinie (starke Regelschmerzen, Unterbauchschmerzen, Schmerzen beim Stuhlgang oder Wasserlassen etc.) aufgenommen. Diese Liste wurde um die Symptome ergänzt, die den Initiatoren über Soziale Medien und Zuschriften von Betroffenen genannt wurden, um auch seltene oder ungewöhnliche Symptome zu erfassen. Zuletzt wurde die Liste von Experten in einem Review-Verfahren geprüft und ergänzt. Die Auswahl der Maßnahmen erfolgte ebenfalls durch Experten und Betroffene analog. Dabei wurden Maßnahmen außerhalb der Standardtherapie (Operation, Hormontherapie, Rehabilitation) abgefragt.

Die Auswertung der Studie erfolgte explorativ. Es wurden auch Korrelationen zwischen den Symptomen analysiert.

Ergebnisse Über 85 % der Befragten mit Endometriose gaben an, stark bis sehr stark unter Unterleibsschmerzen und starken Regelschmerzen zu leiden. Nur 1% bzw. 4% gaben an, gar keine Unterleibsschmerzen bzw. starke Regelschmerzen zu haben. Über 75 % gaben Erschöpfung/Fatigue und Blähbauch („Endo-Belly“) als starke Symptome an. Zwischen 50 % und 70 % der Endome­triose-Betroffenen berichteten von starken bis sehr starken Bauchschmerzen außerhalb des Unterleibs, Kältegefühl/Frieren, verstärkten Regelblutungen, Blähungen und Rückenschmerzen. Zudem wurden die Korrelationen zwischen den Symptomen untersucht. Dabei zeigten sich Korrelationen beispielsweise zwischen Symptomen, die spezifische Organsysteme betreffen, bspw. waren Symptome der Blase wie „Harndrang ohne Wasserlassen”, „Häufiges Wasserlassen” und „Schmerzen beim Urinieren” assoziiert. Auffällig war die Abwesenheit einer Korrelation zwischen dem Symptom „unerfüllter Kinderwunsch“ und allen anderen Symptomen.

Die am häufigsten genutzten Maßnahmen zur Linderung von Endometriose-Symptomen waren Wärme anwenden (98 %), Schlaf (97 %), Spazieren (94 %), Treffen mit Freunden (92 %) und Treffen mit Familie (92 %). Als „hilfreich“ bis „sehr hilfreich“ eingeschätzt wurden am häufigsten Wärme (81 %), Schlaf (68 %), Haustiere (67 %), Massage (59 %) und Physiotherapie (57 %).

Zusammenfassung Zusammengenommen verweisen die Ergebnisse auf eine erhebliche Symptombelastung und das Vorliegen eines breiten Symptomspektrums bei Betroffenen mit Endometriose. Darüber hinaus konnten einige hilfreiche Maßnahmen identifiziert werden, welche die Betroffenen anwenden.

Weitere explorative Auswertungen sowie ein Vergleich mit Nicht-Endometriose-Betroffenen sind geplant.

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Laparoskopische Behandlung einer juvenilen zystischen Adenomyose

L.-K. Lauterbach, G. Mavrogiannis, I. Vlachodimitris, H. Krentel

Bethesda Krankenhaus Duisburg, Deutschland

Thema Adenomyose – Case Report

Zielsetzung Operative Therapie einer symp­tomatischen cystischen Adenomyose

Patientin/Materialien 17-jährige Patientin mit starker Dysmenorrhoe und einem sonographisch darstellbaren intramuralen Tumor des Uterus.

Methodik Darstellung der sonographischen, hysteroskopischen und laparoskopischen Diagnostik, sowie der laparoskopischen organerhaltenden Behandlung.

Ergebnisse Postoperative Beschwerdefreiheit

Zusammenfassung Die Behandlung von juveniler zystischer Adenomyose des Uterus kann laparoskopisch sicher und erfolgreich durchgeführt werden.

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Tiefinfiltrierende Endometriose des Blasenbodens – sonographische, radiologische, zystoskopische Diagnostik und laparoskopische Therapie

H. Krentel, G. Mavrogiannis, C. Matsingou, L.-K. Lauterbach

Bethesda Krankenhaus Duisburg, Deutschland

Thema Endometriose der Blase

Zielsetzung Hervorhebung der bildgebenden Diagnostik zur Operationsplanung im Sinne einer erfolgreichen laparoskpischen Therapie

Patientin/Materialien 26-jährige ­Patientin mit tiefinfiltrierender Endometriose des Trigonums ohne Infiltration der Ureteren und ohne Hydronephrose. Es erfolgt die Darstellung der Diagnostik mit aussagekräftigen Bilder der Sonographie, der MRT, der Zytoskopie und der Laparoskopie, sowie des daraus resultierenden gezielten operativen Vorgehens per Laparoskopie.

Methodik Case Report im Sinne der bildhaften Darstellung des Falles und der verschiedenen Ansichten der Erkrankung in Sonographie, MRT, Zystoskopie und Laparoskopie.

Ergebnisse Minimal-invasive Behandlung der Patientin mit kompletter Resektion der TIE, unkompliziertem Verlauf und normaler postoperativer Miktion im Follow-up.

Zusammenfassung Die gezielte präopera­tive Diagnostik mittels Sonographie, MRT und Zystoskopie erlaubt ein exaktes zielgerichtetes minimal-invasives Vorgehen bei Blasenendometriose, auch im Sinne der präoperativen interdisziplinären Planung.

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Hysteroskopische Resektion einer zystischen subendometrialen Adenomyose vor reproduktionsmedizinischer Behandlung

G. Mavrogiannis, L.-K. Lauterbach, O. Ebertz, H. Krentel

Bethesda Krankenhaus Duisburg, Deutschland

Thema Hysteroskopie bei Adenomyose

Zielsetzung Darstellung der Durchführbarkeit der hysteroresektoskopischen Therapie einer zystischen Adenomyose vor Kinderwunschbehandlung

Patientin/Materialien 38-jährige Patientin mit zystischer subendometrialer Adenomyose und Kinderwunsch. Hysteroskopische Therapie mit Darstellung der sonographischen präoperativen Befunde und der hysteroskopischen Bilder.

Methodik Case Report mit Darstellung der sonographischen Diagnostik und der hysteroskopischen Technik der bipolaren Resektion. Diskussion unter Berücksichtigung der Literatur.

Ergebnisse Erfolgreiche Drainage der zystischen Adenomyose und Entfernung der subendometrialen Adenomyose vor Kinderwunschbehandlung.

Zusammenfassung Die bipolare hysteroresektoskopische Therapie von subendometrialen oder teilweise intramuralen Adenomyoseherden stellt eine sichere und unkomplizierte Behandlungsoption der symptomatischen und sezernierenden Adenomyose dar.

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Das Vorliegen einer Adenomyosis uteri bei symptomatischen Patientinnen unter 50 Lebensjahren

I. Shehaj, F. Mohammad

Diakonie Klinikum Jung-Stilling, Klinik für Gynäkologie und gynäkologische Onkologie, Siegen, Deutschland

Thema Die Prävalenz der Adenomyose bei symptomatischen Frauen < 50 Jahren

Zielsetzung Die geschätzte Prävalenz einer Adenomyosis uteri wird in der Literatur zwischen 20 und 40 % angegeben. In unserer Studie werden wir die Übereinstimmung der klinischen Symptome mit den histologischen und intraoperativen Befunden bei Adenomyose prüfen.

Patientinnen/Materialien Von Januar 2020 bis Dezember 2021 wurde in einem Kollektiv von 132 Patientinnen < 50 Jahren eine Hysterektomie durchgeführt.

Methodik In dieser retrospektiven Studie wurden Daten von Patientinnen analysiert, die bei chronischen Unterbauchschmerzen, Dysmenorrhoe oder Hypermenorrhoe in unserer Klinik laparoskopisch oder roboter-assistiert hysterektomiert wurden. Ausgewertet wurden das Alter und der BMI der Patientinnen, die Symptomatik, die intraoperativen und histologischen Befunde. Die Erhebung der Daten erfolgte durch Aktenstudium.

Ergebnisse Das Patientenalter bei der Operation betrug zwischen 30 und 49 Jahren (Median 43 Jahre). Ausgeschlossen von der Studie waren Patientinnen, die älter als 50 waren und diejenigen, die aufgrund einer Malignität operiert wurden. Die Hauptsymptome dabei waren therapieresistente Hypermenorrhoe (80,3 %), Dysmenorrhö (71 %) und chronische Unterbauchschmerzen (23 %).

Jedoch konnte eine Adenomyose bei 54 Patientinnen (40,1 %) festgestellt werden. Als Begleiterkrankungen traten bei 3 Patientinnen (2 %) Endometriosis genitalis externa und bei 2 Patientinnen (1,5 %) Endometriosis extragenitalis auf.

Zusammenfassung Die klinischen ­Muster mit therapieresister Dysmenorrhoe und Hypermenorrhoe oder chronischen Unterbauchschmerzen bei Frauen < 50 Jahren können auf die Verdachtsdiagnose einer Adenomyosis uteri hinweisen. Entsprechend muss sich die Behandlung auf die Ursache richten. Eine Adenomyose kann auch isoliert ohne Endometriosis genitalis externa oder extragenitalis auftreten. Auch junge Patientinnen können an einer Adenomyose leiden. Die Inzidenz ist jedoch unklar, da die Diagnose nur durch Hysterektomie gesichert werden kann.

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Psychological characteristics, pain perception and voxel-based brain morphology of women with chronic pelvic pain in the presence and absence of endometriosis

L. K. Maulitz, S. Stickel, E. Stickeler, A. Ignatov, N. Chechko, S.N. Tchaikovski

University Clinic for Gynaecology and Obstetrics,
RWTH Aachen, Germany

Subject Voxel-based morphometry in endometriosis patients, patients with endometriosis-independent CPP and pain-free women

Aim Women with endometriosis suffer from various disease symptoms that may facilitate the development of mental disorders and influence pain perception and brain neurobiology. All these issues can be important for the optimal therapy of endometriosis but currently remain largely underinvestigated.

Patients/Materials Patients: endometriosis patients (n = 21); patients with endometriosis-independent CPP (n = 17); healthy/pain-free controls (n = 20).

Materials: MRI, questionnaires (EPQ-S, pain catastrophizing scale, Adult Temperament Questionnaire, self-esteem, body esteem, emotional self-efficacy, BDI, STAI, Stressful live events, EHP-30), SCID light interview, pain threshold assessment via a thermode

Methods In this prospective study, we assessed psychological characteristics of women with chronic pelvic pain (CPP) using specific questionnaires and professional interviews. Further, thermal pain thresholds were assessed using a thermode, whole brain gray matter volume (GMV) and surface-based brain morphometry (SBM) were evaluated with MRI. Thereafter, the patients with CPP underwent a laparoscopy for diagnostics and, if identified, treatment of endometriosis, being categorized into groups with (n = 21) or without (n = 17) endometriosis and compared to healthy female volunteers (n = 20).

Results The study groups were comparable with respect to the age (on average 27 years old), nationality and educational status. Women with endometriosis had more frequent family history of CPP (61.5%, p < 0.05), used painkillers (51.7%, p < 0.001) and smoked (87.5%, p < 0.01) as compared to the other groups. Patients with CPP with and without endometriosis reported more often on previous mental comorbidities (42.3%, p < 0.01) and demonstrated more severe depressive and anxiety symptoms (p < 0.001 & p < 0.05, respectively) as compared to the healthy controls. Previous mental disorders and higher depression scores were associated with increased GMV in the right superior frontal gyrus, extending to the right precentral gyrus (k = 772, p < 0.01) and in the right superior medial gyrus (k = 496, p < 0.05), respectively. Dysmenorrhea severity was related to increased GMV in the right postcentral gyrus and the right inferior parietal lobule, extending to the right supramarginal gyrus (k = 346, p < 0.05) Women with endometriosis had an increased GMV in the anterior cingulate cortex (ACC), extending to the olfactory cortex (k = 406, p < 0.05), compared to the other study groups. No differences in thermal pain thresholds and SBM were observed between groups.

Independent of endometriosis, a great proportion of women with CPP had psychiatric comorbidities that were associated with structural brain alterations related to social conflict, reward and task-switching. Pain symptoms correlated with changes in areas linked to empathy, egocentricity and decision-making. Compared to the other study groups, endometriosis patients demonstrated higher GMV in brain regions involved in emotional regulation, cognitive conflict processing, autonomic and visceral integration, and affective aspects of pain.

Conclusion Pain and psychiatric comorbidities are likely to shape the brain structure of patients with CPP. Women with endometriosis demonstrate specific neurobiological changes that have to be considered while tailoring the multimodal therapy approaches for endometriosis. Taken together, our results underline the psychological load and the importance of psychotherapeutic interventions for endometriosis patients.

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Untersuchung des Zusammenhanges der Serumspiegel von Hepcidin, ­suPAR und Interleukin-6 bei Endometriose-Patientinnen im Vergleich zu Frauen ohne Endometriose

M. Kasoha, I. Molnar, B. Haj Hamoud, E.-F. Solomayer

Klinik für Frauenheilkunde, Geburtshilfe und Repro­duktionsmedizin, Universität des Saarlandes, Homburg, Deutschland

Thema Biomarker

Zielsetzung Studienziel ist die Untersuchung der Korrelation zwischen dem Serumspiegel von Hepcidin, suPAR und Interleukin-6 in Patientinnen mit Endometriose im Vergleich zu Frauen ohne Endometriose.

Patientinnen/Materialien Die Studienfälle wurden in 2 Gruppen eingeteilt: Frauen mit histologisch gesicherter Endometriose (n = 60) und Frauen ohne Endometriose oder relevante Nebenerkrankungen (n = 30).

Methodik Serumspiegel von Hepcidin, suPAR und IL-6 werden in unserem Labor mittels ELISA-Kits der Firma R&D getestet.

Ergebnisse Die Ergebnisse der Studie sind zurzeit in Bearbeitung und werden am Kongress vorgestellt.

Zusammenfassung Die Schlussfolgerungen sind zurzeit in Bearbeitung und werden am Kongress vorgestellt.

Tabelle 1: A. Weißleder et al.

Stadium

Mittleres Alter

NRS

Voroperationen

30

6,8

0,4

II (n = 37)

32

6,6

0,3

III (n = 52)

35

6,1

0,8

IV (n = 32)

35

6,8

1

P (n = 270)

31

6,7

0,5

P1 (n = 214)

31

6,6

0,5

P2 (n = 56)

32

6,9

0,6

P3 (n = 2)

29

7,5

1,5

T & O
(n = 30)

35

6,1

0,9

T (n = 63)

35

6,4

0,9

T1 (n = 27)

34

6,2

0,4

T2 (n = 16)

38

6,6

1,2

T3 (n = 20)

35

6,6

1,4

O (n = 47)

36

5,9

1

O1 (n = 12)

37

4,7

0,8

O2 (n = 27)

36

7

0,9

O3 (n = 8)

37

3,2

1,9

TIE (A,B,C,F) (n = 81)

33

6,8

0,7


 
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