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Gesellschaftsmitteilungen

Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie - Journal of Reproductive Medicine and Endocrinology 2024; 21 (1): 36-51

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Gesellschaftsmitteilungen – BRZ

15. BRZ Intensivseminar Gynäkologische Endokrinologie & Reproduktionsmedizin,
25.–27. Januar 2024 in Berlin

Wieder war dieses bereits zur Tradition gewordene Seminar ein voller Erfolg. Die Aula des GLS-Campus, seit 15 Jahren der Veranstaltungsort, war wider Erwarten bis auf den letzten Platz besetzt. Wider Erwarten, denn der tagelange Bahnstreik hatte ganz Deutschland eigentlich lahmgelegt. Alle gemeldeten Teilnehmer und Teilnehmerinnen, alle Referenten und Referentinnen haben dem Streik getrotzt. Es wurden Fahrgemeinschaften gebildet und FlixBus und FlixTrain genutzt, kein Aufwand wurde gescheut, um dabei sein zu können. Wie jedes Jahr wurde viel gefragt und viel geantwortet, Erfahrungen wurden untereinander ausgetauscht und es wurde ausgiebig genetzwerkt. Die mehr als hundert Ärztinnen und Ärzte verteilten Bestnoten, sowohl für das wissenschaftliche Angebot als auch für die Rundumversorgung. Lernen funktioniert besser bei gutem Essen und Spaß! Der kleine Gesellschaftsabend mit Live-Musik, Tanz und Buffet tat das seinige.

Auch an dieser Stelle sei noch einmal allen Referentinnen und Referenten und Workshopleitern für ihren Einsatz gedankt. Auch in diesem Jahr haben alle auf ein Honorar verzichtet, um die so dringend notwendige Fortbildung auf dem schnell wachsenden Gebiet gemeinsam mit dem BRZ zu unterstützen. Stellvertretend für den BRZ danken Dr. Andreas Tandler-Schneider (wissenschaftlicher Leiter) und Monika Uszkoreit, aber auch den großzügigen Sponsoren FERRING Arzneimittel GmbH, Gedeon-­Richter GmbH, Merck Healthcare Germany GmbH, Organon GmbH, Theramex Berlin GmbH und der Besins Health Care GmbH. Die niedrigen Teilnahmegebühren und die Rundumsorglos-Versorgung wäre ohne sie nicht möglich! Wir hoffen, dass sich auch für unsere Sponsoren das Seminar gelohnt hat.

Das 16. Seminar wird vom 23.–25. Januar 2025, wie immer in Berlin, stattfinden.

MFA-Fortbildung „Fachangestellte Reproduktionsmedizin 2024

Viele der MFA in den Zentren des BRZ konnten 2023 bereits dieses Angebot der Akademie für Medizinische Fortbildung der Ärztekammer Westfalen-­Lippe erfolgreich nutzen. Daher wird das in Zusammenarbeit mit dem BRZ und der DGRM auf der Basis der Vorgaben der Bundesärztekammer curriculäre ­Webinar 2024 erneut angeboten. Allen Akteuren sei an dieser Stelle bereits herzlich gedankt für dieses wichtige Angebot.

Im Netz: https://www.akademie-wl.de/fortbildungskatalog/

Ankündigung: Ordentliche Mitgliederversammlung des BRZ

Freitag, 3. bis Sonntag, 5. Mai 2024 – wie immer in Berlin, im Hotel Abion Spreebogen

Die Fortbildungsveranstaltung am Vormittag des 4. Mai wird u. a. Themen rund um den Bereich KI in der Medizin ­umfassen; der Nachmittag ist für die Berufspolitik und die Aktivitäten des Verbands reserviert.

Die Einladung mit allen Unterlagen (auch zur Zimmerbuchung) wird Mitte März an die Mitglieder des BRZ verschickt.

§ 27 SGB V – Krankenbehandlung: Leistungsansprüche im Zusammenhang mit ­geschlechtsangleichenden Maßnahmen

In seinem Rundschreiben (RS 2023/558) vom 26.10.2023 an die Kassen informiert der Verband zum jüngsten BSG-Urteil zu dieser äußerst komplexen Thematik des Anspruchs auf Kostenübernahme nach § 27 SGB V im Zusammenhang mit geschlechtsangleichenden Maßnahmen. Auch bislang ungelöst ist die finale Entscheidung, ob es sich bei der Kryokonservierung von Gemeten vor den geschlechtsangleichenden Maßnahmen um Fertilitätserhalt und damit einhergehendem Anspruch auf Kostenübernahme handelt. Hierzu gibt es gegensätzlich lautende Urteile auf niedriger Ebene.

Bis zum heutigen Tag liegt uns die Urteilsschrift des o. g. BSG-Urteils nicht vor, sondern lediglich der Terminbericht und die Pressemitteilung sowie neben der direkten Korrespondenz des BRZ mit der KBV der nachstehende Rundbrief aus dem Haus des GKV-Spitzenverbands.

Dazu die Pressemitteilung: https://www.bsg.bund.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2023/2023_34.html

Eine kleine Erinnerung

Zum 1. März jeden Jahres war die Meldung an das Paul-Ehrlich-Institut nach § 8 TPG fällig. So heißt es im Netz beim PEI:

„Für die Meldung nach § 8d Abs. 3 TPG besteht eine Berichtspflicht, die die Verantwortlichen für Gewebezubereitungen erfüllen müssen. Das PEI ruft daher alle Beauftragten von Gewebeeinrichtungen auf, bei der vollständigen Erfassung der erforderlichen Daten mitzuwirken.

Die Nichtbeachtung der Berichtspflicht kann zu einer Ahndung mit einer Geldbuße bis zu fünftausend Euro führen (§ 20 Absatz 1 Nummer 3a TPG: (1) Ordnungswidrig handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig entgegen § 8d Absatz 3 Satz 2 einen Bericht nicht, nicht richtig, nicht vollständig oder nicht rechtzeitig übermittelt. (2) Die Ordnungswidrigkeit kann in den Fällen (…) mit einer Geldbuße bis zu fünftausend Euro geahndet werden.“

Eine Übersicht über die Gesamtmeldungen (Keimzellen m, w; Ovar- sowie Hodengewebe) für das Jahr 2022 finden Sie im Internet unter:

https://www.pei.de/SharedDocs/Downloads/DE/regulation/meldung/8-tpg/uebersicht-2022-meldungen-8d-tpg.pdf?__blob=publicationFile&v=2

Bund/Länder-Förderung – Finanzielle Bezuschussung der Kinderwunschbehandlung

Auch die finanzielle Unterstützung der Kinderwunschbehandlung durch die Bund/Länder-Förderungsinitiative (Förderrichtlinie) des BMFSFJ leidet unter der Haushaltsmisere. Die 12,5 %, die der Bund bislang in den sich beteiligenden Ländern trägt, können wohl in Zukunft nicht mehr ganz oder nur noch bis zu einer bestimmten Höhe ausgeschüttet werden. Zwar könnten die Länder von sich aus „ihre“ 12,5 % weiter übernehmen, doch die Bereitschaft scheint nicht bei allen bislang beteiligten Bundesländern zu bestehen. Aus dem BMFSFJ habe ich erfahren, dass Niedersachsen und Sachsen weiter aus Landesmitteln fördern. Wie die anderen Länder entscheiden werden, das weiß man auch im zuständigen Referat bislang nicht. Die Bayerische Landesregierung informiert die Patientenpaare bereits auf den Internetseiten der Plattform „Zentrum Bayern Familie und Soziales“ zu den Kürzungen.

https://www.zbfs.bayern.de/foerderung/familie/kiwub/index.php

Korrespondenzadresse:

Monika Uszkoreit

E-Mail: uszkoreit@repromed.de

Junge Forschung im Fokus

Gemeinsam mit dem JRE und unterstützt durch die Firma FERRING ­Arzneimittel GmbH leistet der BRZ seit 2016 mit dem BRZ-Preis* seinen Beitrag zur Förderung der Forschung auf dem Gebiet der ­Reproduktionsmedizin und den angrenzenden wissenschaftlichen Gebieten. Nach dem Film über die OPIF-Studie „Plättchenreiche Plasmatherapie zur ­Behandlung der Eierstöcke bei ovarieller Erschöpfung“ (https://www.youtube.com/watch?v=xVQC2Wrfhdc) ist nun der Film weiterer Preisträger der Initiative abgedreht und wird in Kürze zusammen mit einer Beschreibung der Arbeit im JRE veröffentlicht werden. Als kleiner Vorgeschmack ­einige Fotos zum „­making of“ des Films über den ­CatSper-Test und des Teams, dem die zugrunde liegende Forschung und die darauf ­basierende Entwicklung des Tests gelungen ist. Ganz offensichtlich macht erfolgreiche Forschung auch Spaß!

Die Publikation dazu: Strünker T, et al. Human fertilization in vivo and in vitro requires the CatSper channel to initiate sperm hyperactivation. J Clin Invest 2024; 134: e173564.

Ziele der Initiative „Junge Forschung im Fokus“

  • Motivation und Förderung der jungen Forschung in Deutschland
  • Vernetzung von jungen Wissenschaftlern aus den verschiedenen Bereichen der Reproduktionsmedizin und ihren Anrainern
  • Fo?rderung der Projekte national und international
  • Vorstellung der einzelnen Forschungsprojekte im JRE in einer definierten Rubrik mit Eintrag der Projekte in einer Datenbank
  • Nutzen der Pra?senz der Fachgesellschaften

Korrespondenzadresse:

Monika Uszkoreit

E-Mail: Uszkoreit@repromed.de

Gesellschaftsmitteilungen – DGGEF

Verhütungstipps in den sozialen Medien – eine Gefahr?

H. Surmann, L. Kiesel

Immer mehr Erfahrungsberichte von Influencern über Verhütung und im Besonderen über das Absetzen von oralen hormonellen Kontrazeptiva tauchen in den sozialen Medien auf. Bei den Erfahrungsberichten fehlt in den meisten Fällen das Einbringen einer gynäkologischen Expertise, doch dies fällt jungen Menschen meist selbst nicht auf. Zunehmend wird in der Fachliteratur die Bedeutung der sozialen Medien bei der Verhütung untersucht und wird hier kurz zusammengefasst.

Viele junge Menschen haben ein großes Vertrauen in Influencer. Häufig folgen sie einigen Personen bereits seit Jahren und übernehmen Ansichten und Meinungen der Influencer, mit denen sie sich verbunden fühlen. Das Verhältnis wird von einigen Menschen wie eine Beziehung zu Freunden beschrieben, insbesondere dann, wenn die Influencer viel über vermeintlich private Dinge berichten [1]. 29 % der Frauen in Deutschland zwischen 18 und 49 Jahren geben das Internet als eine der wichtigsten Informationsquellen zum Thema Verhütung an, bei Jugendlichen sind es sogar 59 % [2]. Besonders Jugendliche sind täglich im Internet bei Anbietern wie TikTok, YouTube oder Instagram unterwegs und bekommen dort über einen Algorithmus auch ohne spezielle Suche Videos und Beiträge zu diesem Thema vorgeschlagen [2].

Auch wenn einige Online-Beiträge von ausgebildetem Fachpersonal stammen, sind über die Hälfte der Beiträge und Informationen von Gesundheitslaien und Unternehmen zum Marketing der eigenen Produkte verfasst [2]. 74 % der In­fluencer, die über Verhütung in den sozialen Medien sprechen, berichten über das Absetzen von hormonellen Verhütungsmitteln [1]. In 59 % der Fälle wird über die Pille berichtet, die damit die Informationen über Verhütungsmittel in sozialen Medien dominiert [2]. Dabei schreiben sie meist dem Absetzen mehr positive als negative Effekte zu. Als Gründe für das Absetzen werden hauptsächlich Gewichtszunahme, der Wunsch nach mehr Natürlichkeit und mentale Gesundheit genannt. 30 % dieser Influencer geben an, im Weiteren mit der Methode der natürlichen Familienplanung zu verhüten, lediglich 14 % berichten über den Wechsel zu einer anderen hormonellen Verhütungsmethode [1]. Besonders natürliche Methoden werden häufig als eine der sichersten Möglichkeiten der Verhütung angepriesen. Laut einem Artikel in der Tageszeitung „Die WELT“ stellt hier vor allem die fehlende Aufklärung über Einflussfaktoren auf natürliche Methoden ein Problem dar. Wichtige Einflussfaktoren stellen hierbei insbesondere Medikamenteneinnahme, Zyklusschwankungen und weitere Erkrankungen dar [3].

Die Problematik der Verhütungstipps in den sozialen Medien ohne ärztliche Expertise bezieht sich vor allem auch darauf, dass die Aussagen in den meisten Fällen aus persönlichen Berichten und Einzelfällen bestehen. Lediglich 54 % der Beiträge bestehen aus reinem Faktenwissen, 23 % kombinieren Fakten- und Erfahrungswissen und 24 % der Beiträge bestehen ausschließlich aus persönlichen Erfahrungen der Nutzer [2]. Dabei liegt der Fokus häufig auf negativen Erfahrungen und Nebenwirkungen. Es entsteht die Verbreitung einer „Hormonangst“ mit falschen Behauptungen und Hervorhebung der negativen Aspekte hormoneller Verhütungsmethoden. In einigen Fällen scheint das Vertrauen in Tipps von Influencern bereits sogar größer zu sein als das Vertrauen in Gynäkologen oder andere Ärzte. Dabei ist Verhütung ein ernstes Thema, das über die Zukunft vieler Frauen entscheiden kann. Im schlechtesten Fall könnte das Vertrauen in mangelhafte Verhütungstipps sogar zu einer Erhöhung der ungeplanten Schwangerschaften führen. Durch vermehrt verwendete allgemeine Aussagen ist die Qualität der Beiträge nur schwierig zu bewerten. Laut Döhring et al. [2] sind 85 % der Beiträge fehlerfrei, hierbei muss erwähnt werden, dass die allgemeinen Aussagen wie „Die Pille ist nicht 100 % sicher“ nicht als falsch gewertet werden können. Fehler in den Aussagen konnten vor allem bei falschen Angaben des Pearl-Index gefunden werden. Auch falsche Angaben zur Verwendung, wie z. B. eine Vaginaldusche zur Verhütung, konnten gefunden werden [2].

Ferner liefen auch weitere Studien über den Inhalt der Verhütungstipps sowie die Qualität in den sozialen Medien. Die am häufigsten genannten Themen in TikTok-Videos stellten Patientenerfahrungen und die Anwendung von Kontrazeptionsmethoden dar. In einer Studie von Stoddard et al. [4] zeigte sich auf TikTok, dass 19,3 % der Videos von Gesundheitsfachkräften produziert wurden, diese aber 41,3 % der Aufrufe ausmachen. Sütcüoglu/Güler [5] zeigten, dass die Qualität der Informationen von geschultem Gesundheitspersonal signifikant höher ist als die der Beiträge von Gesundheitslaien. Fachkräfte erreichten hierbei einen DISCERN-Score von 4/5. Wu et al. [6] zeigten, dass zur Nutzung von Spiralen (IUD) eher ein negativer Ton in den sozialen Medien überwiegt. Schmerzen, sowie weitere Nebenwirkungen von IUDs wurden in 96,8 % der Beiträge hervorgehoben. 27,6 % der untersuchten Videos zeigten Misstrauen gegenüber Gesundheitsfachkräften. Insgesamt bewerteten Wu et al. die Qualität der Verhütungsbeiträge als niedrig (­DISCERN-Score 1,5/5) [6].

Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich anhand der Ergebnisse der Publikationen feststellen, dass es wichtig ist, dass Frauen sich nicht einzig und allein in den sozialen Medien über Verhütung informieren. Ratschläge von Gynäkologen und Apothekern sind wichtig und sollten eingeholt und angenommen werden. Jedoch sollten sich auch Gynäkologen der Problematik bewusst sein und bei der Beratung zur Verhütung einen besonders sensiblen Umgang mit den Frauen pflegen. Eine detaillierte medizinische Aufklärung über positive und negative Effekte von verschiedenen Verhütungsmethoden ist wünschenswert, damit sich alle Frauen verstanden fühlen und nicht auf Tipps aus dem Internet zurückgreifen müssen. Wertvolle fachliche Hinweise sind auch in den AWMF-Leitlinien zur hormonellen als auch zur nicht-hormonellen Empfängnisverhütung zu finden.

Literatur:

1. Pfender EJ, Devlin MM. What do social media influencers say about birth control? A content analysis of YouTube vlogs about birth control. Health Commun 2023; 38: 3336–45.

2. Döring N, Lehmann S, Schumann-Doermer C. Verhütung auf YouTube, Instagram und TikTok. Bundesgesundheitsbl 2023; 66: 990–9.

3. Influencerinnen geben Verhütungs-Tipps – und lassen dabei wichtige Details weg. Die WELT, 30. Januar 2023.

4. Stoddard RE, Pelletier A, Sundquist EN, et al. Popular contraception videos on TikTok: An assessment of content topics. Contra­ception 2024; 29: 110300.

5. Sütcüo?lu BM, Güler M. Social media videos on contraceptive implants: An assessment of video quality and reliability. J Pediatr Adolesc Gynecol 2024; 37: 39–44.

6. Wu J, Trahair E, Happ M, Swartz J. TikTok,# IUD, and user experience with intrauterine devices reported on social media. Obstet Gynecol 2023; 141: 215–7.

Korrespondenzadresse:

Prof. Dr. med. Ludwig Kiesel

Direktor, Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Universitätsklinikum Münster

D-48149 Münster, Albert-Schweitzer-Campus 1, Geb. A1

E-Mail: l.kiesel@uni-muenster.de

Geschäftsstelle DGGEF e. V.

Anne Becker, c/o SoftconsuLt

D-35041 Marburg, Weißdornweg 17

E-Mail: info@dggef.de

Gesellschaftsmitteilungen – DGRM e. V.

Bericht vom Netzwerktreffen Reproduktion, Augsburg, 7.–8. Dezember 2023

Intelligente Innovationen für die Tumortherapie werden aus der Reproduktions-Immunologie kommen, weil die Reproduktionsimmunologie ein gutes Feld ist, um neue Mechanismen zur Toleranz­induktion zu finden und aufzuklären. Was wiederum neue Lösungen für die Onkologie, aber auch die Immuntoleranz bei Transplantaten verspricht – und für das Verständnis von Implantationsversagen oder auch rezidivierenden Aborten sorgen wird.

In der Schwangerschaft (SS) herrscht keine generelle Immunsuppression, vielmehr wird vom Embryo/Fetus eine gerichtete Toleranz induziert: Der extravillöse Trophoblast schützt den „Eindringling“, was invasives Wachstum erlaubt – das dann aber auch beendet werden kann. Welche Mechanismen involviert sind, untersuchen Grundlagenforscher in Hamburg, Berlin, Jena, Augsburg und weiteren Zentren.

Bereits seit Jahrzehnten im Fokus ist der Präimplantationsfaktor (PIF). Er gilt als kritischer Modulator der Immunantwort während der Schwangerschaft, soll mit Immun- und Epithelzellen interagieren. Seine Aminosäure-Sequenz ist bekannt. Das Problem: „Man weiss nicht, wo er gebildet wird – und eine mRNA wurde nie nachgewiesen“ (Roland Immler, München).

Verzuckert, verfettet

Bei der Immunologie der SS dürfte nach Untersuchungen in Hamburg die Glykanstruktur eine Rolle spielen: Speziell verzuckerte Proteine könnten als „Barometer“ dienen und die Toleranz nach dem Motto steuern: „fremd, aber nicht gefährlich“ [1]. ­Bestimmte Glykanstrukturen (fuculierte lacdiNAc-Oligosaccharid-Sequenzen, bei denen sowohl Glukose als auch Laktose acetyliert sind), die sonst nur bei Parasiten vorkommen, sind in einigen Schwangerschafts-Proteinen nachgewiesen – und inzwischen auch im Checkpoint-Inhibitor PDL-1.

Einen indirekten Einfluss könnte die Oxidation von Fetten haben: Oxylipine wie zyklooxidierte Fettsäuren fördern die ­Bildung von Prostaglandinen. Und sie können die intrazellulären PPAR-­Rezeptoren (Peroxisom Proliferator ­Aktivierender Rezeptor) aktivieren, die als Transkriptionsfaktoren essentiell sind bei der Zell-Differenzierung, im Kohlenhydrat-, Lipid- und Protein-Stoffwechsel – und dem Immunsystem, Tumorgenese eingeschlossen (Valdes, Herse, Berlin).

Folgen für Mutter und Kind

Stress und ungünstige Umweltbedingungen gehen an Schwangeren nicht vorbei und hinterlassen vermutlich „Spuren“ beim Kind. In einer langfristig angelegten Studie untersuchen Professor Petra Arck und ihr Team am UKE die pränatalen Determinaten späterer Kindergesundheit: Die Prince-Studie (Prenatal Identification of Childrens Health) soll über einen Zeitraum von zehn Jahren den Einfluss von hypertensiven Schwangerschafts-Erkrankungen bei Mutter und Kind erfassen. Ein spezieller Punkt ist dabei die Zunahme kardiovaskulärer Erkrankungen. Außerdem werden die Folgen einer Covid-Infektion während der Schwangerschaft auf mütterliche und kindliche Gesundheit geprüft.

Ähnlich gelagert ist das Projekt von Professor Regina Ensenauer zu Adipositas- und Diabetes-Präventionsforschung. In der prospektiven PEACHES (Programming of Enhanced Adiposity Risk in CHildhood-Early Screening-) Mutter-Kind-Humankohorte werden die Folgen von Adipositas und Diabetes in der Schwangerschaft auf das spätere kardiometabolische Outcome der Mütter und ihrer Kinder analysiert.

Antibiotika während SS

Antibiotika während der Schwangerschaft werden nicht leichtfertig verordnet. Forscher in Berlin untersuchen deshalb im Mausmodell die Folgen für das Immunsystem. Nach der „Bauernhof-Hypothese“ entwickeln Kinder von Schwangeren aus dörflichen Regionen langfristig sehr viel seltener Allergien als Stadtkinder. Und auch Kinder aus Schwangerschaften mit antibiotischer Behandlung weisen später häufig Allergien auf.

Inzwischen hat sich herausgestellt, dass die Immunantwort bei Allergenen über eine spezielle Gruppe von T-Helferzellen induziert werden: TH??. Diese Zellen bewirken im Körper eine chronische Inflammation, naturgemäß unerwünscht während einer Schwangerschaft. In Berlin versucht Dr. Melanie Conrad derzeit zu entschlüsseln, wie diese Zellgruppe gebildet wird und wie sie die Entzündung auslöst.

Literatur:

1. Xie Y, et al. Maternal-derived galectin-1 shapes the placenta niche through Sda terminal glycosylation: Implication for preeclampsia. PNAS Nexus 2023; 2: pgad247.

Autor:

Prof. Dr. Udo Jeschke

Leiter des Forschungslabors der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe,

Universitätsklinikum Augsburg

Bericht vom 22. Treffen des Arbeitskreises Molekularbiologie der Deutschen Gesellschaft fu?r Reproduktionsmedizin (DGRM), Essen, 1.–2. Dezember 2023

Seit vielen Jahren hat sich das ja?hrliche Meeting des Arbeitskreises Molekularbiologie der DGRM zu einer festen Gro?ße entwickelt. Es bietet vor allem ju?ngeren Wissenschaftlern, die sich im Rahmen ihrer Forschungsprojekte mit molekularbiologischen Aspekten der Reproduktionsmedizin bescha?ftigen, eine hervorragende Mo?glichkeit, ihre Arbeiten vorzustellen.

Fu?r das diesja?hrige 22. Treffen im Hotel Margarethenho?he in Essen hatten sich 33 Personen angemeldet, von denen 5 Personen krankheitsbedingt leider nicht teilnehmen konnten, darunter 3 Vortragende. Als Keynote-Sprecherin fu?r den ersten Tag konnte die Immunologin Dr. Renate van der Molen vom Department of Laboratory Medicine der Radboud Universita?t in Nijmegen gewonnen werden, deren Forschungsschwerpunkt auf der Immunregulation wa?hrend der Schwangerschaft liegt. Sie gab mit ihrem sehr anschaulichen Vortrag interessante Einblicke in die neuesten Entwicklungen auf diesem Gebiet. Das Programm am zweiten Tag war unterteilt in die Abschnitte „Gametes and Gonads“, „Endometrium and Pregnancy“, „­Placenta I“ und „Placenta II“. In insgesamt 13 Vortra?gen wurden die Forschungsprojekte in den jeweiligen Themengebieten von den Nachwuchswissenschaftlern vorgestellt. Der Zeitplan war so konzipiert, dass viel Raum fu?r Diskussionen blieb und die Teilnehmer daher die auf a?hnlichem Gebiet arbeitenden Forschergruppen kennenlernen und ihr wissenschaftliches Netzwerk erweitern konnten.

Auch in diesem Jahr wurde wieder ein Preis fu?r den besten Vortrag ausgelobt, wobei der Preistra?ger durch Abstimmung aller teilnehmenden Arbeitsgruppen gewa?hlt wurde. Der Preis in Ho?he von € 500 ging an Herrn Ioannis Belios vom Zentrum fu?r Geburtshilfe, Kinder- und Jugendmedizin, Klinik und Poliklinik fu?r Geburtshilfe und Pra?natalmedizin des Universita?tsklinikums Eppendorf in Hamburg, der mit seinem sehr anschaulichen und didaktisch gut aufbereiteten Vortrag zu „Vertical transfer of maternal pathogen – specific antibodies in successive pregnancies and infection risk in infancy“ u?berzeugen konnte. Insgesamt war dies wieder eine interessante Tagung mit vielen ausgezeichneten Vortra?gen und angeregten Diskussionen, in denen ein sehr guter U?berblick der aktuellen ­reproduktionsmedizinischen Forschungslandschaft in Deutschland gegeben ­wurde.

Autorin:

Prof. Dr. Ruth Gru?mmer

(Organisation)

Universität Essen

DGRM-Nachwuchsförderprogramme

Seit einigen Jahren bietet die DGRM e.V. im Rahmen von welfare („Weiterbildung erleben für angehende Reproduktions­medizinerInnen“) jungen Ärztinnen und Ärzten in der Weiterbildung die Chance, sich durch intensives Mentoring und Hospitationen in universitären und privaten Kinderwunschzentren für die Reproduktionsmedizin zu begeistern.

(https://www.repromedizin.de/fileadmin/user_upload/welfare_DL_10seiter_221205.pdf)

Zusätzlich konnten wir auf Initiative und in Kooperation mit dem Jungen Forum der DGGG im Jahr 2023 erstmalig die DGRM Junior Academy für Ärztinnen und Ärzte in der Facharztweiterbildung durchführen. Aufgrund der uneingeschränkt positiven Rückmeldung folgt in diesem Jahr eine Neuauflage, zu der bereits alle 15 Teilnehmer ausgewählt und eingeladen wurden. In einer 6-teiligen Reihe virtueller Vorträge zu den Schwerpunktthemen der Gynäkologischen Endokrinologie und Reproduktionsmedizin wird so bereits zu einem frühen Zeitpunkt während der Facharztausbildung ein Einblick in unser Fach möglich (https://www.­repromedizin.de/­fileadmin/user_upload/DGRM_­Junior_Academy_2024-Infos_HP_DGRM_122023.pdf). Zusätzlich ist ein Hospitationstag im Kinderwunschzen­trum sowie eine Kongressteilnahme vorgesehen. Wir danken den Organisatoren der Reprofacts hierbei für die gemeinsame Unterstützung unserer Nachwuchsförderung!

Um den frischen Wind aus unseren Nachwuchsprogrammen in die Gesellschaft mitzunehmen und den Teilnehmern einen nachhaltigen Austausch untereinander sowie den Ausbau ihres beruflichen Interesses und Netzwerkes zu ermöglichen, wurde Ende letzten Jahres eine neue Arbeitsgemeinschaft in der DGRM e.V. für den Nachwuchs in der Reproduktionsmedizin gegründet.

Informieren Sie sich hier (https://www.repromedizin.de/arbeitsgemeinschaften/ag-junges-forum.html) gerne weiter!

Save The Dates

1. AG ÄRE: 19. ÄRE-Wochenende, 19.–21.04.2024, Weimar

2. DGRM-School virtuell, 24.04.2024 „Add-ons in der Reproduktionsmedizin“

(Referenten: Dr. rer. nat. Dunja Baston-Büst & Prof. Dr. med. Jan-Steffen Krüssel)

3. DGRM-School virtuell, 25.09.2024 „Wiederholte Spontanaborte“

(Referenten: Prof. Dr. med. Jean-Pierre Allam & Prof. Dr. med. Frank Nawroth)

Weitere Informationen – auch gerne zu einer DGRM-Mitgliedschaft – erhalten Sie von:

DGRM e.V., Geschäftsstelle

Weißdornweg 17, D-35041 Marburg/Lahn

Tel +49 (0) 64 20 93 444

E-Mail: geschaeftsstelle@repromedizin.de

www.repromedizin.de

Gesellschaftsmitteilungen – Deutsches IVF-Register e.V. (D·I·R)®

Exportstichtag für das D·I·R-Jahrbuch 2023

Gerne informieren wir auch an dieser Stelle über den Exportstichtag für das kommende D·I·R-Jahrbuch 2023, das auf dem XXXVIII. Jahrestreffen der Deutschen IVF-Zentren am 23.11.2024 in Hamburg veröffentlicht werden wird.

Der D·I·R-Export-Stichtag ist der 31.03.2024.

Dabei ist uns bewusst, dass dies der Oster­sonntag ist. Es kann auch gerne früher exportiert werden, wobei alle automatisch exportierenden Zentren sich nicht zu kümmern brauchen: Ihre ARTbox® wird zuvor den Auftrag von uns erhalten, an diesem Tag den benötigten Vollexport automatisch an uns zu senden.

Wie in jedem Jahr bittet Sie das D·I·R vor diesem Exportstichtag vor allem um

  • die Überprüfung bisher nicht plausibler Zyklen 2023,
  • möglichst vollständige Dokumentation der Zyklusausgänge 2023,
  • möglichst vollständige Dokumentation der Schwangerschaftsausgänge 2022.

Von den manuell exportierenden Zen­tren benötigen wir bitte einen manuellen Vollexport!

Vielen Dank für Ihr wie immer großes Engagement für unser gemeinsames D·I·R!

Save the Date: Mitgliederversammlung des Deutschen IVF-Registers e.V. (D·I·R)® am 03.05.2024 – 18:00 Uhr im Raum Köpenick des Hotels Abion Spreebogen in Berlin

Dankenswerterweise stellt uns der BRZ wieder den Vorabend seiner Veranstaltungen für eine D·I·R-Mitgliederversammlung zur Verfügung. Die postalischen Einladungen ergehen rechtzeitig zuvor.

Aktuelle zentrumsindividuelle D·I·R-Sonderauswertung: Erste Sicht auf die Entwicklung der Zykluszahl 2023 und Status der Dokumentationsqualität

Am 25. und 26. Januar haben wir eine zentrumsindividuelle Sonderauswertung per E-Mail versendet, die zwei Themen behandelte:

Zum einen und wie immer über einen Zeitraum von vier Jahren haben wir im Rahmen der Vorarbeiten und Vorabinformationen jedes D·I·R-Zentrum über den aktuellen Stand der Plausibilität, Prospektivität, unbekannter Zyklus- und unbekannter Schwangerschaftsausgänge informiert. Der Tradition folgend informierte darüber auch nochmals ein postalisches Schreiben vom 31.01.2024.

Das zweite Thema konnte eine erste Antwort auf eine Frage geben, die uns häufig erreicht: Wie ist die nationale Anzahl der Behandlungen im Jahr 2023 gewesen und wie ist die Entwicklung gegenüber den Vorjahren? 116 Zentren konnten wir in diese Auswertung einschließen, deren jüngster Export an uns die Anzahl der Behandlungen im Jahr 2023 mutmaßlich komplettierte.

Auf Basis dieser 116 Zentren können wir zwar noch nicht die exakte nationale Anzahl an Behandlungen des Jahres 2023 ­sehen, jedoch eine erste Tendenz mit einem leichten Plus von 2,4 % gegenüber dem Jahr 2022 ausweisen. Im Vergleich mit dem letzten Vor-Corona Jahr 2019 zeigt das Jahr 2023 ein Plus von 18,9 %.

Eine noch tiefergehende Sonderauswertung dazu ist in Arbeit, war bei Redak­tionsschluss aber noch nicht fertiggestellt.

Korrespondenzadresse:

Markus Kimmel

Deutsches IVF-Register e.V. (D·I·R)®

Leitung Geschäftsstelle und Daten­management

E-Mail: geschaeftsstelle@deutsches-ivf-register.de


 
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