Krause und Pachernegg
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Knoblauch
Knoblauch

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Wirkungen:
antimikrobiell
Cholesterin-spiegel senkend
Thrombozytenaggrega-tion, Hemmung

Indikationen:
Arterio-sklerose
Blutfettwerte, erhöhte

Inhaltsstoffe:
schwefelhaltige Verbindungen

Lateinische Bezeichnung(en):
Allium sativum L.

Stammpflanze:
Allium sativum L. (Alliaceae)

Inhaltsstoffe:
S-Alkyl-L-cysteinsulfoxide: Alliin (S-Allyl-L-(+)-cysteinsulfoxid) ca. 1 % und in geringeren Mengen S-Methyl-L-cysteinsulfoxid und S-Propyl-L-cysteinsulfoxid.
gamma-Glutamyl-S-alkylcysteine: ca. 1 %.
Alliinase: Enzym zur Spaltung von Alliin.
Erst nach Zerstörung der Zellstruktur entstehen durch Einwirken von Alliinase auf Alliin Allicin und dessen Umwandlungsprodukte wie Di- und Oligosulfide, Ajoene und Vinyldithiine.
Geruchlose Komponenten: Fruktane, Flavonoide, Steroide, Triterpene u. a.
Wasser: 60-70 % in der frischen Zwiebel.

Für die Wertbestimmung von Knoblauch sowie als Qualitätskriterium für das aus der Droge bereitete "Knoblauch-Trockenpulver" und letztlich auch für Fertigarzneimittel ist nach derzeitigem Wissensstand in erster Linie der Allicingehalt der Produkte maßgeblich. Ob Allicin alleine für die Wirkungen verantwortlich ist, muß bezweifelt werden, da viele Knoblauchpräparate mit nachgewiesener Wirkung kein oder nur wenig Allicin enthalten und Allicin außerdem in der Leber schnell metabolisiert wird. Vor der Herstellung mancher geruchsfreier Präparate wird das Enzym Alliinase denaturiert, wodurch im menschlichen Organismus auch kein Allicin gebildet werden kann.

Verwendeter Pflanzenteil:
Zwiebel (Allii sativi bulbus).

Offizinell:
Allii sativi bulbi pulvis: mind. 0,45 % Allicin.

Therapeutisch relevante Wirkungen:
Hemmung der Thrombocytenaggregation: In verschiedenen Studien wurde gezeigt, daß die Hemmung der Thrombocytenaggregation erst nach 4wöchiger Einnahme, nicht dagegen nach der Einnahme einer einzelnen Tagesdosis desselben Präparates nachweisbar war. In vitro hemmen sowohl Allicin als auch Ajoen und Vinyldithiine die durch verschiedene Induktoren auslösbare Thrombocytenaggregation durch Blockierung des Enzyms Cyclooxygenase.
Blutdrucksenkende Wirkung: Sowohl im Tierversuch als auch in klinischen Studien konnte eine signifikante Blutdrucksenkung beobachtet werden, diese war um so stärker, je höher die Ausgangswerte lagen. Die Senkung des Blutdruckes erfolgte im Laufe von mehreren Wochen bis zu mehreren Monaten unter Dauertherapie. Die Wirkung soll über einen direkten vasodilatorischen Effekt zustande kommen. Den schwefelhaltigen Peptiden, früher als "Scordinine" bezeichnet, könnte eine blutdrucksenkende Wirkung zukommen, da in vitro für das wasserlösliche, in Knoblauch- und Bärlauchblatt-Extrakten enthaltene gamma-Glutamyl-S-allyl-cysteinsulfoxid eine ACE-hemmende Wirkung nachgewiesen werden konnte. Bei Probanden mit normalem Blutdruck trat keine Blutdrucksenkung ein. Nach dem gegenwärtigen Wissensstand ist eine Blutdrucksenkung nur mit Knoblauchpulverpräparaten zu erzielen, nicht jedoch mit Ölpräparaten.
Lipidsenkende Wirkung: Die signifikantesten Wirkungen werden bei überhöhten Blutfett- bzw. Blutcholesterinwerten erzielt, wenn die Applikation über mehrere Wochen bis maximal 6 Monate hinweg erfolgt. Die Reduktion liegt im Bereich von 5 bis maximal 23 %. Die mittlere Senkung von LDL-Cholesterin liegt um 16 %. Neue Studien belegen eine Steigerung der HDL-Konzentration unter Knoblauchbehandlung, entsprechend konnte eine Erniedrigung der LDL-Werte nachgewiesen werden.
Steigerung der fibrinolytischen Aktivität, Einfluß auf die rheologische Akutwirkung: Knoblauchpulver kann eine Verbesserung der Fließfähigkeit des Blutes sowie eine Zunahme der fibrinolytischen Aktivität in zeitlicher Übereinstimmung mit einer leichten Vasodilatation bewirken. Dafür sind in erster Linie die Ajoene und Allylsulfide, in geringerem Maße die Vinyldithiine und Allicin verantwortlich.
Einfluß auf koronare Herzerkrankung und Reinfarktgefährdung: In einer placebokontrollierten Studie mit 432 Patienten nach überstandenem Herzinfarkt zeigte sich, daß die Anzahl der Todesfälle bereits nach zweijähriger Therapie in der Verumgruppe signifikant niedriger war. Die Anzahl der nichttödlichen Reinfarkte war nach 3 Jahren in der Verumgruppe signifikant niedriger als in der Placebogruppe. Blutdruck- und Cholesterinwerte waren ebenfalls gegenüber Placebo signifikant niedriger.
Antiarteriosklerotische Effekte: Langdauernde Knoblaucheinnahme erhöht die altersbedingt reduzierte Elastizität von Blutgefäßen. Kontinuierliche Einnahme über 4 Jahre stoppte bei älteren Probanden das Wachstum arteriosklerotischer Plaques.
Antibakterielle und antimykotische Wirkung: Knoblauchextrakte und ätherisches Knoblauchöl wirken gegenüber zahlreichen grampositiven und gramnegativen Bakterien nach In-vitro-Prüfungen antibakteriell und antimykotisch.
Wirkungen im Darm: Der keimhemmende Effekt im Darm ergibt ein breites Anwendungsgebiet von Knoblauch bei infektiösen Darmerkrankungen. Dazu gehören vor allem die Amöbenruhr und die Bazillenruhr. Nach beiden Ruhrformen, wenn der akute Krankheitszustand überwunden ist, bleiben häufig langdauernde und schwer zu beherrschende Darmstörungen zurück, vielfach in der Form eines reizbaren Darmes (Colon irritabile). Bei diesen Zuständen entfaltet der Knoblauch seine antibakterielle, krampflindernde und antidyspeptische Wirkung. Er verhindert allzu grobe Veränderungen der Darmflora, bekämpft Gasauftreibung und Durchfallsneigung.

Unerwünschte Wirkungen:
Für etwa 10 % der Patienten in klinischen Studien werden als Nebenwirkungen einer Therapie mit Knoblauch die gastrointestinalen Symptome Übelkeit, Erbrechen und Diarrhöen beschrieben, dies aber erst bei höheren Dosen als den empfohlenen 4g Frischknoblauch täglich.
Knoblauchallergie bzw. -unverträglichkeit konnte in mehreren Fällen beobachtet werden.
Bei der therapeutischen Anwendung im empfohlenen Dosisbereich ist ansonsten kaum mit unerwünschten Wirkungen zu rechnen.

Indikationen:
Wissenschaftlich belegt:
Adjuvant bei Erhöhung der Blutfettwerte; Vorbeugung altersbedingter Gefäßveränderungen.
Erfahrungsmedizin:
Unterstützend bei Bluthochdruck, zur Anregung der Funktionen im Gastrointestinaltrakt.

Empfohlene Dosierung:
Die häufig zitierte mittlere Tagesdosis von 4 g frischer Knoblauchzwiebel dürfte zu hoch gewählt sein. Die in Fertigarzneimitteln empfohlenen Dosisbereiche liegen zwischen 1,2 und 4,2 mg Allicin, entsprechend 0,4-1,4 g frischem Knoblauch (Gehalt an Allicin 0,3 %) bzw. 200-700 mg Knoblauchpulver (Gehalt an Allicin 0,6 %) pro Tag. Die meisten der bisher durchgeführten klinischen Studien wurden mit 600-900 mg Knoblauchpulver/Tag durchgeführt. Die Diskussion über Wirkstoffe, Anwendungsformen und Dosierung ist weiter im Gange.
Berechnungsgrundlage: 0,9 g frischer Knoblauch, 750 mg Knoblauchpulver, 2,7 mg Allicin.

Beurteilung von Knoblauchpräparaten:
Geruchsfreie oder geruchsarme Präparate: Das genuin im Knoblauch vorliegende Alliin ist geruchlos, aber auch ohne therapeutische Wirkung. Spätestens bei der Magen-Darm-Passage müssen aus Alliin die therapeutisch wichtigen, aber stark riechenden Folgeprodukte gebildet werden, die nach der Resorption auch über die Atemluft ausgeschieden werden. Geruchsfreiheit nach Applikation wirksamer Dosen ist daher nicht zu erwarten.
Knoblauch-Ölmazerate: Enthalten weder Allicin noch das nicht öllösliche Alliin. Die enthaltenen Schwefelverbindungen besitzen zwar gewisse biologische Aktivitäten, ob diese jedoch therapeutisch relevant sind, ist bis jetzt weitgehend ungeklärt.

 
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