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Finsterer J  
Hereditäre Ionenkanalerkrankungen des peripheren Nervensystems

Journal für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie 2003; 4 (2): 7-14

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Keywords: ElektromyographieGenetikIonenkanalMyopathieNeurologieperipheres NervensystemVererbung

Ionenkanalerkrankungen des peripheren Nervensystems (PNS) werden durch Funktionsstörungen membrangebundener Glykoproteine, die als Ionenkanäle fungieren, hervorgerufen. Die betroffenen Ionenkanäle sind in der Muskelzellmembran (Natrium-, Kalium-, Chloridkanal, Dihydropyridinrezeptor [DHPR]), in der Membran des endoplasmatischen Retikulums (Ryanodinrezeptor Typ 1 [RYR1]), postsynaptisch (Acetylcholinrezeptor) oder präsynaptisch (Kaliumkanäle) lokalisiert. Mutationen in den entsprechenden Genen führen zu Krankheitsbildern wie Myotonia congenita (Chloridkanal), hyperkaliämisch-periodische Lähmung (HRKPP) Typ 1, Paramyotonia congenita, kaliumaggravierte Myotonie, hypokaliämisch periodische Lähmung (HOKPP) Typ 2 (Natriumkanal), HOKPP Typ 1, maligne Hyperthermie-Suszeptibilität (MHS) Typ 5 (DHPR), MHS Typ 1, Central core disease (RYR1), Slow-channel-Syndrom (Acetylcholinrezeptor), HRKPP Typ 2, Andersen-Syndrom und hereditäre Neuromyotonie (Kaliumkanal). Abhängig vom Stadium und Verlauf finden sich bei diesen Krankheitsbildern normale klinisch-neurologische Befunde, periodische oder permanente Paresen, Myotonie, Myokymie, Muskelhypertrophie, abgeschwächte Muskeleigenreflexe, Tonussteigerung, Hypotonie, Kontrakturen, Entwicklungsstörungen der Muskulatur und nichtneurologische Manifestationen. Die Diagnose basiert auf dem klinischen Erscheinungsbild, der Serum-CK- und Kalium-Bestimmung, der nieder- und hochfrequenten repetitiven Stimulation, dem EMG, der Muskelbiopsie, dem Halothan/Koffein-Kontraktionstest und der molekulargenetischen Untersuchung. Die Therapie der Kanalerkrankungen des PNS umfaßt Physiotherapie, Kontrakturprophylaxe, konservativ-orthopädische Maßnahmen, Verabreichung von Kalium (HOKPP) oder Glukose (HRKPP), Vermeidung von Kalium (HRKPP) oder Glukose (HOKPP), Vermeidung von Triggern der malignen Hyperthermie und Verabreichung von Acetazolamid, Phenytoin, Carbamazepin, Mexiletin, Betamimetika oder Dichlorphenamid. Vermutlich sind mehr PNS-Erkrankungen als bisher bekannt durch Funktionsstörungen membrangebundener Ionenkanäle bedingt.
 
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