Krause und Pachernegg
Verlag für Medizin und Wirtschaft
Artikel   Bilder   Volltext

Mobile Version
A-  |   A  |   A+
Werbung
 
Summary
Neumann ID  
Adaption der Streßbewältigung peripartum: Sind Oxytocin und Prolaktin involviert?

Journal für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie 2005; 6 (3): 16-21

Volltext (PDF)    Summary    Abbildungen   

Abb. 1: Maternal-Defence-Test Abb. 2: HPA - Trächtigkeit Abb. 3: Oxytocin - Angst Abb. 4: Aggression Abb. 5: Prolaktin - Angst Abb. 6: Prolaktin - Downregulation



Keywords: LaktationPsychiatrieSchwangerschaftStress

In der Zeit vor und nach der Geburt wurden sowohl am Tiermodell (Ratte, Maus, Schaf) als auch in humanen Studien zahlreiche Adaptationen der neuroendokrinen und emotionalen Streßreaktion beschrieben. Das Hypothalamo-Hypophysen-Nebennieren-System (HPA-Achse) ist davon in besonderem Maße betroffen, was an einer verminderten sekretorischen Streßantwort von Adrenokortikotropin (ACTH) und Kortikosteron/Kortisol sichtbar wird. In dieser Periode wurden auch Veränderungen der Emotionalität beschrieben: am Ende der Trächtigkeit fanden wir in der Ratte ein erhöhtes angstbezogenes Verhalten, während das Angstverhalten in der Laktationszeit abnimmt und an eine Zunahme der maternalen Aggressivität gekoppelt ist. Die intrazerebralen Mechanismen dieser Veränderungen sind nur zum Teil untersucht und schließen eine veränderte "feedforward"- und "feedback"-Kontrolle der HPA-Achse auf der Ebene limbischer Hirnregionen, des Hypothalamus und der Hypophyse ein. Auch die (Neuro-)Peptide Oxytocin und Prolaktin, die ins Blut freigesetzt reproduktive Funktionen erfüllen (Geburtswehen, Milchsynthese, Milchejektion), können auf intrazerebraler Ebene die neuroendokrine und emotionale Streßantwort beeinflussen. Sowohl das Oxytocin- als auch das Prolaktin-System des Gehirns ist peripartum signifikant aktiviert, sichtbar an erhöhter Neuropeptid-Synthese, lokaler Freisetzung und Rezeptorbindung in relevanten Hirnregionen. Oxytocin hemmt sowohl beim männlichen als auch beim weiblichen Tier die basale und streßinduzierte Aktivität der HPA-Achse. Während Trächtigkeit und Laktation wirkt Oxytocin anxiolytisch und vermindert die Verhaltensreaktion auf einen Stressor. Prolaktin übt ebenfalls eine anxiolytische Wirkung aus, die dosisabhängig und geschlechtsunabhängig ist und durch selektive Applikation von Antisense-Oligonukleotiden (gerichtet gegen die Prolaktin- Rezeptor-mRNA) bestätigt werden konnte. Akute oder chronische Streßreaktionen können reproduktive Funktionen hemmen. Deshalb ist die synergistische Wirkung von peripher zirkulierendem und intrazerebral freigesetztem Oxytocin bzw. Prolaktin wichtig, um (i) physiologische Funktionen an die Induktion von adäquaten Verhaltensweisen (mütterliches Verhalten) zu koppeln, die das Überleben der Nachkommen sichern, und (ii) die neuroendokrine und emotionale Streßantwort zu vermindern.
 
copyright © 2003–2020 Krause & Pachernegg GmbH | Sitemap | Datenschutz | Impressum
 
Werbung