| König P et al. | ||||||||||||||||
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Cerebrolysin bei Schädel-Hirn-Trauma - Eine neurotrope und neurogene Substanz in der Initialbehandlung akuter Schädel-Hirn-Verletzungen Journal für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie 2006; 7 (3): 12-20 Volltext (PDF) Summary Abbildungen Keywords: Cerebrolysin, Neurologie, Schädel-Hirn-Trauma, SHT, Studie Schädel-Hirn-Verletzungen (SHV, SHT) und daraus resultierende akute wie chronische Traumafolgen werden von der WHO als eine der größten Gesundheitsschädigungen weltweit angesehen. Alle Therapeutika, die dazu beitragen, die Folgen eines SHT zu reduzieren, sind daher von besonderem theoretischem wie praktischem Interesse. Cerebrolysin ist ein standardisiert aus Schweinehirn gewonnenes Peptidgemisch, dessen Eiweißkörper aufgrund ihres niedrigen Molekulargewichtes die Bluthirnschranke zu passieren vermögen. Die neurotrophen, neuroprotektiven und neurogenetischen Eigenschaften von Cerebrolysin wurden in verschiedenen präklinischen Studien dokumentiert. Auch für dementielle Hirnerkrankungen und die Schlaganfallbehandlung mit Cerebrolysin liegen klinische Studien vor. Wir führten eine placebokontrollierte Doppelblindstudie mit Cerebrolysin als Add-on-Therapie in der Behandlung akuter SHV in 5 Zentren durch. In die Studie wurden 44 Patienten aufgenommen, 22 in die Verum- und 22 in die Placebogruppe. Beurteilungskriterien waren die GCS (Glasgow-Coma-Scale), die CGI (Clinical-Global-Impression) und der SKT (Syndrom-Kurztest), Nebenwirkungen wurden mit der DOTES/TWIS erfaßt. Die Vitalparameter und Laborwerte wurden kontrolliert. Cerebrolysin bzw. Placebo wurde durch 21 Tage einmal täglich i.v. infundiert. Die statistische Analyse der Unterschiede zwischen Therapiebeginn und den wöchentlichen Kontrollen zeigte signifikante Unterschiede zwischen Cerebrolysin und Placebo: Cerebrolysin verbesserte die Hirnleistungsfähigkeit signifikant rascher und deutlicher. Die Verträglichkeit von Cerebrolysin war, wie bekannt, ausgezeichnet. Zusätzlich ergaben sich in zwei spezifischen Behandlungsaspekten relevante Resultate für die Cerebrolysingruppe in der Behandlung des SHT: Einerseits in der praktischen Anwendbarkeit einer Substanz, die sich stabilisierend auf Metabolismus und intrazelluläre Strukturen von Neuronen, somit antiapoptotisch, auswirkt und damit die Remission beschleunigt. Dies reduziert das lokale Ausmaß der Schädigung, erlaubt einen früheren Rehabilitationsbeginn und damit eine mögliche Reduktion der stationären Aufenthaltsdauer. Andererseits ist Cerebrolysin bis dato die erste Substanz, welche in vitro eine dem BDNF vergleichbare Wirkung aufweist, hirngängig und ausgezeichnet verträglich ist, wie aus der Nebenwirkungsdokumentation, aber auch der breiten klinischen Erfahrung hervorgeht. Wegen methodologischer Einschränkungen unserer Untersuchung, nicht zuletzt der Gruppengröße, sollten unter Berücksichtigung der Bedeutung und des Ausmaßes der Folgen von Schädel-Hirn-Verletzungen unsere vorläufigen Resultate unbedingt an größeren Stichproben verifiziert werden. |
