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Bogerts B  
Gibt es geschlechtsspezifische neuropathologische Korrelate der Depression?

Journal für Neurologie, Neurochirurgie und Psychiatrie 2010; 11 (3): 29-35

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Abb. 1: Hirngewicht Abb. 2: Mandelkernvolumen Abb. 3: Nucleus accumbens Abb. 4: Basales limbisches Endhirn Abb. 5: Hypothalamus Abb. 6: Basalganglien Abb. 7: Menschliches Gehirn Zum letzten Bild



Keywords: DepressiongenderHirnbiologieMannNeuropathologiePsychiatrie

Männliche und weibliche Gehirne weisen sowohl auf hirnstruktureller wie auch auf hirnfunktioneller und neuroendokriner Ebene subtile Differenzen auf, die neben den neokortikalen Arealen für Sprache und räumliche Vorstellung auch solche limbische und hypothalamische Hirnregionen betreffen, die für die neuronale Steuerung elementarer emotionaler und vegetativer Funktionen zuständig sind. Dies legt die Vermutung nahe, dass den unterschiedlichen klinischen Erscheinungsformen depressiver Syndrome bei Männern und Frauen neben sozialen Einflussgrößen auch andersartige neuropathologische Prozesse, insbesondere in emotionsrelevanten Hirnstrukturen, zugrunde liegen könnten. In der vorliegenden Studie wurden in Postmortem- Gehirnen von 20 Patienten mit uni- oder bipolarer Depression (12 Männer, 8 Frauen) im Vergleich zu 23 neuropsychiatrisch unauffälligen Vergleichsgehirnen (14 Männer, 9 Frauen) Strukturvolumina von limbischen Hirnregionen (Amygdala, Hippokampus, Nucleus accumbens, basales limbisches Endhirn), des Zwischenhirns (Thalamus, Hypothalamus) und der Basalganglien (Caudatum, Putamen, Pallidum) durch Planimetrie von Schnittserien bestimmt. Diagnosebedingte, aber geschlechtsunabhängige signifikante Volumenminderungen fanden sich für den Nc. accumbens, Hypothalamus und die Basalganglien in Form kleinerer Volumina bei Depressiven. Geschlechtsbedingte, aber krankheitsunabhängige Differenzen zeigten sich nur für den Nc. accumbens und das basale limbische Endhirn im Sinne kleinerer Volumina bei Frauen, auch in Relation zum Hirngewicht. Die Analyse der geschlechtsspezifischen Krankheitseffekte (p-Werte der Diagnose × Geschlecht) ergab keine signifikanten Unterschiede zwischen beiden Geschlechtern, somit keine auf makroskopisch-morphometrischer Ebene fassbaren Krankheitseffekte, die auf eine zwischen Männern und Frauen differierende Neuropathologie bei Depressiven hinweisen könnten. Die Daten werden dahingehend interpretiert, dass die verschiedenen klinischen Ausdrucksformen depressiver Erkrankungen bei Männern und Frauen durch neurobiochemische, neuroendokrine oder auch psychosoziale Ursachen zu erklären sind, nicht aber durch mit der angewandten Methode erkennbare Strukturvarianten.
 
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