Die sekundäre Giftelimination ist ein Versuch, einen
Giftstoff bzw. seine Metaboliten nach bereits erfolgter
Resorption aus dem Organismus zu entfernen.
Dabei steht allerdings immer die Überlegung im
Vordergrund, ob eine Steigerung der Toxinelimination
überhaupt möglich und mit einem entsprechenden
klinischen Vorteil verbunden ist bzw. ob
die Effizienz in vertretbarem Verhältnis zum Therapierisiko
steht.
Die Zuhilfenahme eines sekundären Gifteliminationsverfahrens
ist prinzipiell in folgenden Situationen
in Betracht zu ziehen:
- fehlendes Ansprechen auf allgemein unterstützende
Therapie mit vitalen Störungen
- Beeinträchtigung der endogenen Eliminationsmechanismen
(renal, hepatal)
- potenziell bedrohliche Giftkonzentrationen im
Serum, deren beschleunigte Reduktion die Voraussetzung
für eine klinische Besserung darstellt.
Indikationen
Nur in seltenen Ausnahmefällen, wie bei mittelgradigen
Vergiftungen mit Phenobarbital, Acetylsalicylsäure
und Vergiftungen mit Herbiziden aus der
Gruppe der Phenoxyessigsäure.
Kontraindikationen
Intoxikation mit Giftstoffen, die nicht forciert
renal ausgeschieden werden können; Niereninsuffizienz.
Durchführung
Da sich herausgestellt hat, dass die eliminationssteigernde
Wirkung hauptsächlich auf der Alkalisierung
des Urins beruht, beschränkt sich das Verfahren
auf die Infusion von Natriumbicarbonat mit
dem Ziel, den Urin-pH auf 7–8 einzustellen.
Hinweise
Diuretika, wie z. B. Furosemid, können die Giftelimination
nicht steigern.
Indikationen
Schwere Vergiftungen mit Ethanol, Methanol und
anderen Alkoholen, Ethylenglykol, (Diethylenglykol),
Lithium, Salicylaten (siehe dort).
Kontraindikationen
Durch Hämodialyse nicht ausreichend eliminierbares
Toxin; allgemeine Kontraindikationen der Hämodialyse.
Indikationen
Bedrohliche, therapieresistente Theophyllinkonzentrationen
im Serum (> 80–100 µg/ml) und zunehmende
Verschlechterung des Zustandsbildes. Mangelhafte
natürliche renale oder hepatale Elimination
bei entsprechender Organinsuffizienz.
Kontraindikationen
Allgemeine Kontraindikationen der Hämoperfusion; durch Hämoperfusion nicht ausreichend eliminierbares
Toxin.
In der Fachliteratur wurde in den vergangenen
Jahren über den antidotalen Einsatz von 20 %
Fettemulsionen (z. B. Intralipid) bei kardialer Toxizität
lipophiler Lokalanästhetika (v. a. Bupivacain),
vereinzelt aber auch anderer Arzneimittel wie
Clomipramin, Amitriptylin, Verapamil, Propranolol,
Carvedilol, Bupropion und Lamotrigin berichtet.
Initial werden 1,5 mL/kg einer 20 % Lipidemulsion
als intravenöser Bolus und danach 0,25 mL/kg
pro Minute für 30 Minuten verabreicht. Die Wirkung
beruht dabei vermutlich auf der Lösung des
lipophilen Arzneimittels in der großen Fettmenge,
weshalb man auch von "lipid sink" spricht. Diese
Maßnahme bietet sich als "ultima ratio" in therapieresistenten
Vergiftungsfällen durch Substanzen
mit hoher Lipophilie an. Zuvor sollte jedoch Rücksprache
mit einem toxikologischen Experten erfolgen.